Wahl der Kirchenverwaltung Hier darf der Katholik demokratisch wählen

12.11.2018

Am kommenden Sonntag sind Kirchenverwaltungswahlen. Problem: Es gibt nur wenige, die das Interessiert und noch weniger, die bereit sind, sich wählen zu lassen. Selbst schuld, meint Tanja Bergold.

Stimmzettel wird in eine Wahlurne geworfen.
Stimmzettel wird in eine Wahlurne geworfen. © Christian Schwier - stock.adobe.com

Die Kirchenverwaltung! Keine Sorge, wenn Sie jetzt nicht wissen, was das genau ist. Sie sind nicht alleine. Also. Die Kirchenverwaltung besteht aus dem jeweiligen Pfarrer sowie gewählten, ehrenamtlichen Mitgliedern aus der Gemeinde. Die Aufgaben: Sie kümmert sich um die Finanz,-und Vermögensverwaltung der Pfarrei.

Die Kirchenverwaltung hat also einiges zu melden und vor allem: Man darf als Katholik auch mal demokratisch wählen gehen. Da ist es doch verwunderlich, dass es keinen interessiert. Es gibt Pfarreien ohne oder mit zu wenig Kandidaten. Ältere hören auf, Nachwuchs fehlt. Wer will sich schon für eine sechsjährige Amtszeit engagieren – und das auch noch ehrenamtlich und für die Kirche? Schade eigentlich. Denn wie oft wird allseits über die undemokratischen Strukturen der Kirche geschimpft. Und dann liegt die Wahlbeteiligung im einstelligen Bereich und es gibt keine Kandidaten. Aber auch die Kirche vertut eine Chance: Mir fehlt Werbung und Information – und eine Begeisterung, die andere ansteckt. Man erreicht viele, vor allem jüngere Katholiken eben nicht mehr im Sonntagsgottesdienst, sondern bei Instagram.

Engagement konkretes Projekt

Eine ältere Bekannte, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich arbeitet, hat mir erzählt, wie stolz sie damals war, als sie „angeworben“ wurde. Dass ihr zugetraut wurde, dieses Amt zu übernehmen, hat sie buchstäblich sprachlos gemacht. Heute winken viele genervt ab – keine Zeit, zu viel Stress etc. – und auf der anderen Seite wird darüber gejammert, dass die Menschen sich nicht mehr engagieren. Doch – sie tun es – aber anders. Kurzfristig, mit Spaßfaktor und am liebsten für ein konkretes Projekt.

Daher mein Vorschlag an alle Wähler: Raffen Sie sich auf und gehen Sie am Wochenende zur Wahl. Oder regen Sie sich nicht mehr über die undemokratischen Strukturen der katholischen Kirche auf. Und an alle, die über Gremien entscheiden: Es wird nicht automatisch mehr Kandidaten geben. Warum nicht Menschen bei konkreten Projekten mit ins Boot holen anstatt sie für sechs Jahre verpflichten? Denn wenn es um die Renovierung des neuen Jugendraums oder neues Spielzeug im kirchlichen Kindergarten geht – ich wette es gibt Menschen, die da gerne mithelfen würden.

Vielleicht gibt es bei den nächsten Wahlen neben sensationellen Werbespots im Kino, die viele an die Urne locken auch eine neue Struktur. Bleiben Sie auf dem laufenden und wählen Sie auch dieses Mal. Stichtag ist Sonntag, der 18.November! (Tanja Bergold ist Programmleiterin des Münchner Kirchenradios)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wahl der Kirchenverwaltungen

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