Wiesngottesdienst „Highlight der Schaustellerei“

24.09.2018

Dominikanerpater Paul Schäfersküpper (69) arbeitet seit 2001 als katholischer Circus- und Schaustellerseelsorger. Als Regionalseelsorger für den Raum Schwaben und Oberbayern ist er auch für das Oktoberfest zuständig. Wir sprachen mit ihm über das größte Volksfest der Welt.

Pater Paul taufte beim Wiesngottesdienst 2017 die kleine Estelle Gisela, Tochter von Eugen Kübler und Jennifer Kleuser, Betreiber des Verkaufsgeschäftes „Fruchtige Köstlichkeiten“. © Kiderle

Münchner Kichenzeitung (MK): Was für Hauptaufgaben hat man als Schaustellerseelsorger?
Pater Paul: Als priesterlicher Begleiter der Schausteller und Zirkusartisten ist man bei ihnen vor allem für die Sakramentenvorbereitung und -spendung zuständig.

MK: Wirte, Schausteller, Zirkusleute – sind das eine besondere Art von Christen?
Pater Paul: Das besondere an ihnen ist in erster Linie wohl, dass sie aufgrund ihrer Arbeit nicht in der Lage sind, „normale“ soziale Bindungen aufzubauen, weil sie heute hier und morgen dort sind. Nur die wenigste Zeit des Jahres wohnen sie an ihrem Heimatort und verbringen Zeit in der Gemeinde, zu der sie eigentlich gehören.

MK: Spüren Sie deswegen einen besonderen spirituellen Bedarf bei diesen Menschen?
Pater Paul: Dadurch, dass sie viel draußen arbeiten, sind sie sich sehr viel klarer und deutlicher bewusst, dass sie von der Barmherzigkeit Gottes abhängig sind. Wenn es etwa regnet, stehen sie schon einmal 14 Tage lang im Regen auf dem Augsburger Plärrer oder dem Münchner Oktoberfest, haben keinen Pfennig verdient, dafür aber jede Menge Auslagen gehabt.

MK: Welchen Stellenwert nimmt das Oktoberfest für die Schausteller im Jahreslauf ein?
Pater Paul: Die Wiesn ist eigentlich das Highlight der Schaustellerei. Ich freue mich jedes Jahr sehr auf die Wiesn. Die Schausteller sehen das Fest als sehr große Einnahmequelle, die jedoch mehr und mehr versiegt, weil die Politik leider dahin geht, dass die Wiesn mehr und mehr zu einem einzigen großen Bierfest degeneriert, um es mal etwas überspitzt auszudrücken. Davor muss man die Wiesn schützen. Wenn Sie heute einen Platz in einem Festzelt bestellen wollen, müssen Sie pro Person 30 Euro Vorkasse leisten. Da kann man sich an fünf Fingern ausrechnen, wie schnell das Geld weg ist und nichts mehr übrig bleibt, um noch groß den Schaustellerbereich zu besuchen.

MK: Was zeichnet den Wiesngottesdienst aus?
Pater Paul: Es versammeln sich immer sehr viele Menschen und verbinden die religiöse Atmosphäre mit der weltlichen Atmosphäre eines kleineren Zeltes. In diesem Jahr habe ich bislang zwei Kinder auf ihre Firmung beim Gottesdienst vorbereitet. Mal schaun, was an Sakramentenspendung noch dazukommt.

MK: Haben Sie ein bestimmtes Lieblingsfahrgeschäft, einen Lieblingsstand?
Pater Paul (lacht): Nein, ich muss ja von Berufswegen alle Schausteller besuchen, deswegen darf ich gar nicht sagen, „Geht’s alle da hin, dort ist es am schönsten!“, das kann ich mir nicht leisten. Ich wohne während der Wiesn auch nicht vor Ort, sondern komme jeden Tag von meinem Augsburger Dominikanerkloster nach München. Heuer erlebe ich die Eröffnung der Wiesn gar nicht mit, weil ich erst am 23. September aus Taiwan zurückkomme, wo ich auf der Hochzeit meines Neffen bin.

Der traditionelle Wiesngottesdienst auf dem Münchner Oktoberfest findet heuer am Donnerstag, 27. September, um 10 Uhr im Marstall-Festzelt statt.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wiesn 2018

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