Betriebsseelsorge bietet Unterstützung Hilfe für Arbeitnehmer bei Insolvenz

17.01.2014

2500 Arbeitsplätze sind bei Weltbild in Gefahr. Eine Situation, in der sich auch Betriebsseelsorger einsetzen. Christian Bindl ist im Erzbistum München und Freising Betriebsseelsorger und hat schon einige ähnliche Insolvenzfälle betreut.

Nach einer Insolvenz stehen viele Arbeitnehmer buchstäblich im Regen (Bild: Stefan Körber - Fotolia.com)

München - Erste Angebote liegen vor, erste Gespräche sind geführt. Für Weltbild gibt es noch Hoffnung. Trotzdem: 2500 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, für die Mitarbeiter eine sehr belastende Sitation. Immer, wenn einem Betrieb das Wasser bis zum Hals steht, sind sie gefragt: Betriebsseelsorger. Christian Bindl ist Betriebsseelsorger im Erzbistum München und Freising. Die Münchner Kirchennachrichten sprachen mit ihm.

MKN: Herr Bindl, es gab mehrere Pleiten in den vergangenen Jahren: Lutz, Schlecker, Praktiker jetzt Weltbild. Ist die Betriebsseelsorge so wichtig wie nie zuvor?

Bindl: Ich glaube, dass wir schon immer eine wichtige Aufgabe hatten und die werden wir weiter haben. Es wird immer wieder Betriebe geben, die in Schieflage geraten, es wird immer wieder Betriebssschließungen geben, es wird immer wieder Mobbing-Fälle – auch dafür sind wir da - geben. Von daher denke ich nicht, dass der Betriebsseelsorge die Arbeit ausgeht.

MKN: Aber häuft es sich gerade mit den Insolvenzfällen?

Bindl: Ich sehe keine übermäßige Häufung in den vergangenen Jahren. Ich bin seit acht Jahren bei der Betriebsseelsorge dabei und ich sehe, dass es eigentlich seit Jahren konstant immer wieder zu Betriebsschließungen kommt.

MKN: In Zeiten wie diesen, in denen Weltbild das Wasser bis zum Hals steht, wo genau sehen Sie da ihre Aufgabe für die Mitarbeiter?

Bindl: Wir sind zunächst einmal eine Anlaufstelle, Menschen in schwierigen Situationen seelsorgerisch zu begleiten. Wenn ein Arbeitsplatzverlust ansteht, begleiten wir den Einzelnen. Neben diesen Einzelberatungen sind wir auch dazu da, unser Möglichstes dafür zu tun um das Schlimmste zu verhindern. Natürlich sind wir auch dabei, wenn es um solidarische Bekenntnisse auf Demonstrationen geht, wenn es darum geht Dinge zu initiieren – beispielsweise Zarges in Peiting haben wir organisiert, dass Weihbischof Bischof eine ökumenische Andacht in den leeren Werkshallen geleitet hat. Es geht darum, vielleicht auch einmal eine andere Seite als die rechtliche anzusprechen und die Mitarbeiter zu unterstützen.

MKN: In Augsburg sind 2500 Arbeitsplätze gefährdet. Wie muss ich mir das vorstellen. Ist es in solchen Zeiten dann wirklich so, dass die Menschen bei Ihnen Schlange stehen?

Bindl: Das kann man so nicht sagen. Es ist so, dass wir immer wieder versuchen müssen auf uns aufmerksam zu machen. Wir müssen zeigen, dass es unser Angebot gibt, es wird dann aber auch wahrgenommen. Wir sind allerdings ehrlich gesagt derzeit in der Erzdiözese München und Freising auch nur 2,5 Kollegen und Kolleginnen für die ganze Diözese. Das heißt wir könnten es gar nicht bewältigen, wenn die Menschen Schlange stehen würden. Es ist also schon eine sehr punktuelle Hilfe.

MKN: Wir hatten vorher das Thema Lutz, wo auch Arbeitsplätze gefährdet waren. Wo stoßen Sie bei so was an Ihre Grenzen?

Bindl: Man stößt natürlich immer an die Grenzen, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden. Diese sind ja dann einfach weg – es gibt nicht viele Möglichkeiten einen Arbeitsplatz zu retten. Da sind die Grenzen. Aber die Betriebsseelsorge hat die Möglichkeit, den Weg der Betroffenen zu begleiten. Vielleicht klingt das etwas wenig, aber es ist so, dass der Arbeitsplatz wahrscheinlich weg sein wird, egal ob man sich wehrt oder nicht wehrt. Der Vorteil, wenn man sich wehrt, oder wenn man gemeinsam etwas dagegen tut ist, dass man Solidarität auch von der Betriebsseelsorge erfährt und allein diese Erfahrung der Solidarität in so einer Situation ist hilfreicher als man sich das von außen vielleicht vorstellt

MKN: Das heißt Betriebsseelsorge ist in erster Linie so etwas wie die moralische Schützenhilfe für die Arbeitnehmer?

Bindl: Das kann man so sagen. Wir stehen auf dem Boden der katholischen Soziallehre. Die ist in diesem Fall eindeutig auf der Arbeitnehmerseite, da werden die Arbeitnehmerrechte als besonders wichtig wahrgenommen. Also man kann sagen die katholische Soziallage ist die Grundlage auf der wir arbeiten.

Interview: Willi Witte

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