Jugendopfersonntag Hilfe für Kinder in Not

27.11.2019

Der 1. Advent ist traditionell der sogenannte Jugendopfersonntag. An diesem Tag ist die Kollekte in den Kirchen für die Arbeit der Katholischen Jugendfürsorge bestimmt. Heuer kommen die Spenden dem Behandlungszentrum in Aschau/Chiemgau zugute.

Leonhard beim Hausaufgabenmachen in der Tagesstätte des Behandlungszentrums
Leonhard beim Hausaufgabenmachen in der Tagesstätte des Behandlungszentrums © Heigl/KJF

Leonhard (8) ist nicht ganz bei der Sache. Ausmalen hat die Lehrerin als Aufgabe gestellt, aber das ist seine Sache nicht. Sein Lieblingsfach ist die Mathematik. Der schmale Junge ist auf Beinschienen und Krücken angewiesen. Aber die können hier nicht als Ausreden gegen das Ausmalen herhalten. Also ran an die Buntstifte – nützt ja nichts. Wenn Leonhard, der wegen Spina bifida fast seit seiner Geburt in Aschau im Chiemgau behandelt wird, auf körperliche Hilfe angewiesen ist, stellt er seine Betreuer noch vor keine großen Herausforderungen, denn er ist klein und leicht und nicht schwerbeeinträchtigt.

Zwei andere Betreute in Aschau benötigen mehr körperliche und technische Unterstützung. Lukas (13), seit 2006 in Aschau in Behandlung, ist durch seine Gelenksteifigkeit sehr beeinträchtigt. Treppen kann er nur seitlich hinabsteigen. Er ist auf seinen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Auch Manpret, genannt Manu, benötigt wegen ihrer Spastiken an Armen und Beinen einen Rollstuhl. Außerdem braucht sie, weil sie sich nicht verbal mitteilen kann, unterstützende kommunikative Hilfsmittel, etwa durch einen sogenannten Talker. Leopold Wimmer, Leiter Fachdienste und Therapien im Behandlungszentrum (BZ) Aschau, kennt Manu gut: „Sie ist zwar körperlich eingeschränkt, aber ein fröhlicher Mensch mit einem herrlichen Humor.“ Zwei Beispiele von vielen in Aschau.

Wimmer arbeitet seit November 2018 im Betreuungszentrum (BZ) Aschau. Der 43-Jährige hat Soziale Arbeit studiert, und war zuvor bereits als Zivildienstleistender, in einem Kindergarten und in Wohngruppen im Behinderten-Bereich tätig. „Ich mag die Arbeit mit Behinderten, sie liegt mir.“ Es sei eine wertvolle und lehrreiche Tätigkeit. Und er ergänzt: „Oft jammern die Gesunden mehr als die Behinderten.“ Aus seiner täglichen Arbeit kennt Wimmer die Hindernisse und Barrieren, mit denen die Betreuten und seine Kollegen im BZ Aschau täglich zu kämpfen haben. Die Betreuten seien oftmals schwer beeinträchtigt und hätten großen Unterstützungsbedarf. Etwas zu unternehmen, einen Ausflug zu machen oder in den Club zu gehen, eben einfach am Leben teilhaben – das ist oft nur sehr erschwert möglich.

Leonhard ist auf Beinschienen und Krücken angewiesen.
Leonhard ist auf Beinschienen und Krücken angewiesen. © KJF/Peter Raider

Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die dem im Wege stehen: Treppen, Kopfsteinpflaster, Schotterwege. Schotter oder Kies kann mit einem Rollstuhl nur mit großer Kraftanstrengung oder gar nicht befahren werden. Steigungen verlangen den Betreuern ganzen Körpereinsatz ab. „Die körperlichen Belastungen sind extrem, manchmal Schwerstarbeit“, erzählt Wimmer. Schließlich seien die Betreuer oft Frauen und die wenigsten Betreuten klein und leicht.

Zum Glück gibt es zahlreiche technische Hilfsmittel, die es ermöglichen, Behinderungen auszugleichen. „Manchmal hilft schon ein Stück Klebeband, um den Tischtennisschläger eigenständig halten zu können“, weiß Wimmer. Aber viele Geräte seien sehr teuer. Fahrzeuge für den Transport von Rollstuhlfahrern, mobile Rampen zur Überwindung von Schwellen oder Stufen, geländegängige Buggys mit extra breiten Reifen und Federung für Fahrten in unebenem Gelände, Hebevorrichtungen und viele andere nützliche Dinge. „Mein Wunsch ist es, dass wir die Geräte, die wir durch die Kollekte am ersten Advent erwerben können, auch dort einsetzen können, wo die von uns Betreuten am meisten davon haben: im Freizeitbereich“, hofft Wimmer, „damit Teilhabe einfacher möglich wird“. (Gabriele Heigl)

Der erste Adventssonntag wird als „Jugendopfersonntag“ bezeichnet. Die Kollekten, die an diesem Tag, heuer Sonntag, 1. Dezember, in den katholischen Kirchen der Erzdiözese gesammelt werden, kommen der Arbeit und Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) München zugute, heuer speziell der Einrichtung in Aschau. Die Behandlungszentrum (BZ) Aschau GmbH unter der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) München vereint die Orthopädische Kinderklinik Aschau und ein differenziertes schulisch, medizinisch-therapeutisch und heilpädagogisch aufeinander abgestimmtes Förderangebot für Kinder und Jugendliche mit körperlicher, geistiger und mehrfacher Behinderung in den heilpädagogischen Zentren in Aschau, Piding und Ruhpolding. Für Kinder bis zum Schuleintritt bieten die Frühförderstellen Traunstein, Wasserburg und Berchtesgadener Land interdisziplinäre Förderangebote an. Über 120 Mitarbeitende kümmern sich um das Wohl der PatientInnen und Betreuten.Die kinderorthopädische Klinik im BZ Aschau ist eine der größten Fachkliniken für Kinderorthopädie Mitteleuropas und bedeutende Anlaufstelle bei der Diagnostik und Therapie von angeborenen und erworbenen Fehlbildungen der Extremitäten, von Störungen des Bewegungsapparates sowie von neuroorthopädischen Erkrankungen. Die jungen Patienten kommen heute aus rund 34 verschiedenen Nationen. Das Alter der Betreuten reicht von 0 bis 20 Jahren, teils beginnt die Behandlung schon pränatal. Teil der Einrichtung sind Krippe, Kindergarten, Schule, Tagesstätte und Wohnheim. Mehr Informationen gibt es auch online unter www.kjf-muenchen.de.


Das könnte Sie auch interessieren

© KJF/ Klaus D. Wolf

Jugendopfersonntag „Wir stabilisieren das mangelhafte Schulsystem“

Sozialpädagogische Lernhilfen der Katholischen Jugendfürsorge helfen benachteiligten Kindern, die ansonsten durchs Raster fallen.

30.11.2018

© Gabriele Riffert

Der Traum von der Schaukel Gutes tun für Kinder mit Behinderung

Sie spielen immer draußen - bei Wind und Wetter. Allerdings können Kinder mit Behinderung die Geräte auf dem Spielplatz des Heilpädagogischen Zentrums Ruhpolding nicht nutzen. Behindertengerechte...

21.11.2016

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren