Beratungsstelle JADWIGA Hilfe für Opfer von Menschenhandel

29.08.2019

Die Beratungsstelle JADWIGA hilft Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind. Neben der Hilfe mit materiellen Dingen ist es für die Beraterinnen das wichigste, Vertrauen aufzubauen.

JADWIGA hilft Frauen beim schwierigen Weg zurück ins Leben
JADWIGA hilft Frauen beim schwierigen Weg zurück ins Leben © Leonid - stock.adobe.com

München – Wer Opfer von Menschenhandel wird, erlebt Unvorstellbares: Zwangsheirat, Zwangsprostitution, Arbeitsausbeutung, Gewalt. In über 90 Prozent der Fälle sind Frauen betroffen. Sie stammen vorwiegend aus Osteuropa, vor allem aus Ländern, denen es wirtschaftlich schlecht geht. Von da aus werden sie dann mit falschen Versprechen zum Beispiel auch nach Deutschland angelockt. Hilfe finden sie in München bei der Beratungsstelle JADWIGA.

Mehr Öffentlichkeit

2018 betreute JADWIGA 357 Frauen. Insgesamt hat sich das Problem laut Europol weltweit vervierfacht. Es gibt 2,4 Millionen Opfer. Nach Drogen- und Waffenhandel ist Menschenhandel damit die drittgrößte kriminelle Einnahmequelle. Das zeigt, wie wichtig die Arbeit von Stellen wie JADWIGA ist. Auch, um das Problem wieder mehr in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Jadwiga ist ein Vorname, der vorwiegend in Polen gebräuchlich ist. Für die Beratungsstelle, die auch ein Büro in Nürnberg hat, wurde eine Schutzpatronin gesucht und da es in der polnischen Geschichte viel starke Frauen mit dem Namen gab, fiel die Wahl auf JADWIGA.

Monika Cissek-Evans ist eine der Beraterinnen dort. „Die Frauen werden ihrer Menschenwürde geraubt und es kann schwere körperliche und seelische Folgen haben.“ Viele seien traumatisiert und es falle ihnen schwer, zurück ins Leben zu finden. Die Frauen kommen über die Polizei zu ihnen, aus Frauenhäusern, aber auch aus akuten Fluchtsituationen. „Für sie ist das oft sehr gefährlich“, sagt Cissek-Evans.

Dramatische Einschnitte

Die Beraterinnen von JADWIGA wollen die Frauen auf dem Weg in ein neues Leben begleiten. Die Einschnitte sind dabei oft dramatisch: Kein Kontakt mehr zur Familie und zu Freunden, alle Verbindungen zum alten Umfeld müssen gekappt werden. JADWIGA hilft bei der Erstversorgung mit Kleidung und Kosmetikartikeln, organisiert Unterkünfte, hilft beim Asylantrag oder begleitet zu Gerichtsverfahren.

Die Beraterinnen von JADWIGA sprechen insgesamt 12 verschiedene Sprachen. „Das wichtigste ist, Vertrauen aufzubauen“, sagt Monika Cissek-Evans. „Meistens sind die Frauen einfach nur dankbar, dass jemand für sie da ist, ihnen zuhört und ihnen mit ehrlichen Absichten hilft.“

11§§Das Münchner Kirchenradio (MKR) stellt in der Sendung „Total Sozial“ jede Woche einen der vielen sozialen Verbände im Erzbistum München und Freising vor. Sie helfen mit die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern: Integration, Pflege, Inklusion, Jugendhilfe und viele mehr.

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de


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