Heiraten Hochzeit ist nicht gleich Hochzeit

09.05.2018

Björn Wagner, Pfarrvikar im Pfarrverband Moosach-Olympisches Dorf in München, erklärt Unterschiede und Gemeinsamkeiten von standesamtlicher und kirchlicher Eheschließung.

Noch immer sind die Ringe, die sich Eheleute bei der Hochzeit anstecken, ein äußeres Zeichen für ihre innere Verbundenheit. © Michaela Mller/stock.adobe.com

Die heiraten nur standesamtlich!“ – so ist häufiger zu hören, wenn von Hochzeiten im Kreis von Verwandten, Freunden oder Arbeitskollegen die Rede ist. Dabei schwingt insgeheim mit, dass eine Kirchenferne vorhanden sei oder die Hochzeit „im kleinen Rahmen“ gehalten werden solle. Hochzeit ist nicht gleich Hochzeit. Spätestens seit der Einführung der „Ehe für alle“ stellen sich die Fragen nach den Differenzpunkten neu. Bei folgenden vergleichenden Ausführungen gehen wir von den Grundformen der Eheschließung aus – ohne Beachtung spezieller Ausnahme- oder Sonderfälle.

Was meint „Ehe“ nach bürgerlichem und kanonischem Recht?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) nennt eine Neuerung, die seit 1. Oktober 2017 die Ehe betrifft. Im § 1353 Abs. 1 heißt es zur ehelichen Lebensgemeinschaft: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Waren „Eingetragene Lebenspartnerschaften“ im Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) geregelt, können diese nun nach LPartG § 20a in eine Ehe umgewandelt werden. Hier findet jene Änderung Eingang, die der 18. Deutsche Bundestag in seiner letzten Sitzung am 30. Juni 2017 beschloss. Mit dieser Ausweitung sticht ein markanter Unterschied zur christlichen Ehe hervor. Im gültigen Kirchenrechtsbuch Codex Iuris Canonici (CIC) von 1983 heißt es nämlich: „Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, […] wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben“ (Can. 1055 § 1). Kann im bürgerlichen Recht die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren eingegangen werden, so sind es im sakramentalen Leben Frau und Mann, die sich gegenseitig das Eheversprechen geben.
Das Wort vom „Bund der Ehe“ enthält bibel-theologische Motive, die auf den Bund Gottes im Alten und Neuen Testament mit den Menschen hinweisen; weil Christus der Kirche treu ist und seinen Bund nicht aufkündigt, sind sowohl die eheliche Treue von Mann und Frau als auch die Unauflöslichkeit der Ehe inhaltlich begründet. Mit der Ausweitung des Eheinstituts auf die „Ehe für alle“, die am 28. Juli 2017 Eingang in das Bundesgesetzblatt fand, ist eine weitere Etappe des mentalen Säkularisierungsvorgangs vom christlichen Erbe genommen.

Wie erfolgt die „Trauung“?

BGB § 1312 regelt: „Der Standesbeamte soll bei der Eheschließung die Eheschließenden einzeln befragen, ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen, und, nachdem die Eheschließenden diese Frage bejaht haben, aussprechen, dass sie nunmehr kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute sind. Die Eheschließung kann in Gegenwart von einem oder zwei Zeugen erfolgen, sofern die Eheschließenden dies wünschen.“ Was der Gesetzgeber im bundesdeutschen Recht „Standesbeamte“ (vgl. BGB § 1310) nennt, heißt im Kirchenrecht „Assistenz“. So heißt es im CIC Can. 1108 § 1: „Nur jene Ehen sind gültig, die geschlossen werden unter Assistenz des Ortsordinarius oder des Ortspfarrers oder eines von einem der beiden delegierten Priesters oder Diakons sowie vor zwei Zeugen […].“ Desweiteren heißt es in § 2 desselben Kanons: „Als der einer Eheschließung Assistierende wird nur verstanden, wer in persönlicher Anwesenheit die Kundgabe des Ehekonsenses der Eheschließenden erfragt und im Namen der Kirche entgegennimmt.“
Beim Standesamt wird die geschlossene Ehe in das Eheregister eingetragen, beim Pfarramt des Hochzeitsortes in das Ehebuch; haben die Eheleute nicht in der Pfarrei ihrer Taufe geheiratet, so wird das an die entsprechende(n) Pfarrei(en) gemeldet und im Taufbuch eingetragen. Diese Art von Beurkundung folgt einer Prozessmaxime des römischen Rechts, denn: „Was nicht in den Akten steht, ist auch nicht in der Welt.“

Wo kann eine Eheschließung erfolgen?

Gelegentlich wird der Wunsch geäußert, die Trauung an einem Ort abzuhalten, der für das Paar einen besonderen, ja emotionalen Stellenwert hat. Im Personenstandsgesetz (PStG) regelt der Gesetzgeber im § 11 Abs. 1, dass für den Ort der Trauung jedes deutsche Standesamt gewählt werden könne. Das Standesamt ist in der Regel im zuständigen Rathaus untergebracht. Für den Wunsch, etwa auf einer Wiese oder an einem idyllisch gelegenen Wasserfall zu heiraten, ist der bayerische Standesbeamte an die Vorschrift gebunden, „in gewidmeten Räumen“ Eheschließungen vorzunehmen. Diese definiert die jeweilige Gemeinde oder Stadt. Die Ausnahme bildet eine Eheschließung im schweren Krankheitsfall am Krankenbett. Der Wunsch nach dem „besonderen Ort“ tritt auch an die Seelsorger heran. Nicht die Pfarrkirche oder ein geweihter Ort solle es sein, sondern ein Ort, der für das Paar passend oder für die Erreichbarkeit nachfolgender Feier praktisch sei. CIC Can. 1118 § 1 geht davon aus, dass eine Ehe in einer Pfarrkirche, einer anderen Kirche oder einer Kapelle geschlossen wird. Allerdings erfolgt die Aufweichung der Vorschrift prompt: In § 2 heißt es, dass der Ortsordinarius erlauben kann, dass „eine Ehe an einem anderen passenden Ort geschlossen“ werden kann. „Ortsordinarius“ in einer Diözese ist nicht der Geistliche vor Ort, sondern der Bischof, sein(e) Generalvikar(e) und Bischofsvikar(e) (vgl. CIC Can. 134 § 1).


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