Taufe und Firmung junger Gefangener Hoffnung in der Haft

08.01.2018

Sie sind 17 Jahre jung und schon auf die schiefe Bahn geraten. Doch in der Haft haben sie sich entschlossen, auf den rechten Weg zurückzukehren. Worin dieser besteht, erläuterte Kardinal Reinhard Marx, als er die beiden Insassen der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau taufte und firmte.

Aufmerksam hören die jungen Häftlinge Kardinal Marx zu © Bohm

Laufen – Das Evangelium von der Taufe Jesu war in diesem Jahr in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Laufen-Lebenau (Dekanat Teisendorf) besonders passend: Zwei junge Häftlinge haben sich am vergangenen Sonntag in der JVA-Kapelle taufen und firmen lassen. Kardinal Reinhard Marx spendete die Sakramente. Eine ganze Gruppe von Insassen nahm an dem Gottesdienst teil. Der Chor und die Musikgruppe „Masithi“ aus Altmühldorf/Mettenheim gestalteten die Messe schwungvoll mit. Gefasst und ernst trugen die beiden Kandidaten Fürbitten, Lesung und Danksagung vor.

Er freue sich, dass sich zwei junge Menschen entschlossen hätten, wieder auf den rechten Weg zurückzukehren, sagte Kardinal Marx. Sie entschieden sich für die Gemeinschaft der Gläubigen, für jene, die an Christus glaubten, der für alle gestorben sei und alle erlöst habe. Jesus sei ihre Hoffnung, auf die sie setzen könnten. Er grenze niemanden aus, sei für alle da. Christus sei ihr Bruder geworden, sagte der Kardinal an die Inhaftierten, aber auch an die Besucher gewandt.

Christus als Bruder

An dem Gottesdienst, den Pfarrer Ludwig Westermeier zusammen mit dem Erzbischof feierte, nahmen Anstaltsleiter Florian Zech, der Laufener Bürgermeister Hans Feil (CSU), Ministerialdirigent Peter Holzner, Leiter der Abteilung Justizvollzug im Bayerischen Justizministerium, Pastoralreferentin Sonja Eichelbaum, Leiterin des Fachbereichs Seelsorge im Justizvollzug im Erzbischöflichen Ordinariat München, die Anstaltsbeiräte Regierungsrätin Magdalena Koch und Caritas-Kreisgeschäftsführer Rainer Hoffmann, dessen Stellvertreter Raphael Koller sowie die Diakone Alfred Stadler und Johann Schmidt teil. Als Zeichen ihrer Erneuerung erhielten die beiden Neugetauften ein weißes Gewand. Und damit auch alles „amtsmäßig“ seine Richtigkeit hatte, überreichte Kardinal Marx den beiden jungen Männern Urkunden sowie jeweils einen Rosenkranz und ein Buch.

Beim anschließenden Imbiss im Aufenthaltsraum waren die Tische festlich mit Buchs und Kerzen geschmückt. Bürgermeister Feil hatte das „Goldene Buch“ der Stadt Laufen mitgebracht, in das sich der Erzbischof eintrug, nachdem Anstaltsleiter Zech alle Gäste begrüßt und sich in einer einfühlsamen Rede an die „Hauptpersonen“ gewandt hatte.

Gefängnisseelsorger Stadler hatte die beiden 17-Jährigen acht Wochen auf den Sakramenten-Empfang vorbereitet. Dabei lernten sie nicht nur die Lebensgeschichte Jesu, wichtige Feste im Kirchenjahr und den Ablauf eines katholischen Gottesdienstes kennen, sondern hatten zum Beispiel anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Vater auch Gelegenheit, sich mit sich selbst und den eigenen Schwächen auseinanderzusetzen. „Es ist wichtig, dass auch sie wieder eine Chance bekommen, neu zu beginnen“, betont Diakon Stadler. Deshalb wird er die Gruppe mit den beiden Neugetauften und anderen am Christentum interessierten Häftlingen in der JVA Laufen-Lebenau auch in Zukunft weiterführen. Zudem sollen Gefangene, die das möchten, die Gelegenheit erhalten, das Bußsakrament zu empfangen. (Hannelore Bohm/kh)


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