Israel-Pläne von Donald Trump Holzkirchnerin schildert ihre Eindrücke aus Jerusalem

07.12.2017

US-Präsident Donald Trump will Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen. Die radikalislamische Hamas hat daraufhin eine neue Intifada angekündigt. Barbara Frua aus Holzkirchen engagiert sich ehrenamtlich für das lateinische Patriarchat im Heiligen Land und ist zurzeit vor Ort.

Demonstranten verbrannten nach der Entscheidung von Donald Trump amerikanische und israelische Flaggen.
Demonstranten verbrannten nach der Entscheidung von Donald Trump amerikanische und israelische Flaggen. © imago

mk-online: Frau Frua, wie ist die Lage zurzeit aus Ihrer Sicht? Liegt ein Palästinenser-Aufstand tatsächlich in der Luft?

Barbara Frua: Es ist schwer zu sagen, was die Folgen jetzt sein werden. Ich denke, man kann nicht kalkulieren was jetzt passieren wird. Ich befinde mich im Moment in der Altstadt von Jerusalem.

Ich bin gestern Abend, nach der Ankündigung Donald Trumps, noch hinausgegangen, um ein bisschen die Atmosphäre aufzunehmen. Ich bin durch das christliche Viertel und das jüdische Viertel gelaufen und hab hinübergeschaut auf den Ölberg, auf den Felsendom und die Klagemauer: Alle Religionen auf einen Blick. Es war alles total ruhig. Die Stadt lag wirklich ganz friedlich da. Das Gleiche auch heute früh. Es gibt hier allerdings in Jerusalem so einen stillen Widerstand, wenn man das so nennen möchte. Es ist ein Generalstreik ausgerufen worden – alle Geschäfte sind geschlossen. Es sind praktisch nur Pilger und Pilgergruppen unterwegs – vereinzelt auch Einheimische. Ganz still, ganz ruhig – ja, vielleicht die Ruhe vor dem Sturm. Denn morgen ist Freitag und da wird eine ganz angespannte Situation in Jerusalem erwartet.

Barbara Frua vor der Barbara im palästinensischen Dorf Aboud.
Barbara Frua vor der Barbara im palästinensischen Dorf Aboud. © privat

mk-online: Die meisten Christen im Land sind Palästinenser, haben Sie weitere Reaktionen von ihnen wahrgenommen?

Barbara Frua: Ja, für die Christen, mit denen ich sprechen konnte, ist es eine riesen Enttäuschung. Ich muss dazu sagen, ich war die letzten Tage – bevor die Ankündigung von Donald Trump gekommen ist – noch in der Westbank selbst unterwegs. Man hat dort die Anspannung spüren können. Die Dörfer sind alle mit einem Checkpoint versehen, die mit Soldaten besetzt werden können und diese waren bereits alle mit Soldaten besetzt. Man wurde überall in der Westbank aufgehalten von israelischen Soldaten. Die Anspannung war spürbar. Die Menschen wissen, dass auf sie eine sehr harte Zeit zukommt. Man hofft allerdings, dass es nicht zu einer Intifada kommt.

mk-online: Das lateinische Patriarchat engagiert sich ja stark im sozialen Bereich und betreibt auch viele Bildungseinrichtungen. Alles Initiativen, die zur Versöhnung beitragen und Stabilität bringen sollen. Würde eine neue Intifada diese Bemühungen wieder zunichtemachen?

Es wird vor allen Dingen die Bildungseinrichtungen in der Westbank betreffen. Wenn die Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt wird, können die jungen Leute, die dort zu Schule oder auch zur Universität gehen, sich nicht einfach von A nach B fortbewegen. Es sehr schwierig was vorauszusagen, weil man nicht weiß, wie die Reaktionen ausfallen werden.


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