Männer und Frauen in der Kirche Hut ab!

20.03.2018

Frauen dürfen in der katholischen Kirche nicht Pfarrer werden - das weiß jeder. Aber gibt es auch für die "normalen" Gottesdienstbesucher unterschiedliche Verhaltensregeln? Dürfen Männer in der Kirche andere Dinge als Frauen?

Tradition: Frauen und Mädchen müssen ihre Mütze nicht absetzen.
Tradition: Frauen und Mädchen müssen ihre Mütze nicht absetzen. © AdobeStock/Klaus Eppele

München/Riedering – „Bitte in der Kirche die Mütze abnehmen“ – heißt es schon für die Erstkommunionkinder. Aber nur für die Jungs! Und schnell kommt bei den Drittklässlern die Frage auf: Warum ist das so? „Dass Männer und Buben in der Kirche Hut, Capy, Mütze und Kopfbedeckungen abnehmen müssen, Mädchen und Frauen aber nicht, kommt aus der Zeit, als in Deutschland Frauen noch in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen sollten – so natürlich auch in der Kirche“, erklärt Tobias Gaiser, Gemeindereferent im Pfarrverband Riedering. Diese Tradition gilt auch heute noch in katholischen und orthodoxen, aber auch in vielen protestantischen Kirchen: Frauen und Mädchen müssen ihre Mütze nicht absetzen.

Die Regelung, dass Männer die Kopfbedeckung ablegen, steht bereits in der Bibel. Paulus schreibt im 1. Korinther 11, dass es für den Mann unziemlich sei, mit einer Kopfbedeckung vor Gott zu treten und zu beten. Man hob sich damit auch vom Judentum ab, wo es Männern nur mit Bedeckung des Hauptes erlaubt ist, vor Gott zu treten.

Einzige Ausnahme beim Tragen beziehungsweise Abnehmen der Kopfbedeckung in der katholischen Kirche stellen bis heute die Gebirgsschützen dar, die traditionell den Stopselhut im Gottesdienst auflassen.

Wichtiger jedoch sei, so Gaiser, dass die Kleidung, unabhängig vom Geschlecht, dem Kirchenbesuch angemessen sei. Dies müsse jeder für sich selbst definieren. Lediglich im Süden Europas sei es so, dass Frauen beim Kirchenbesuch keine Trägertops und Männer keine kurzen Hosen tragen dürften.

Sitzordnung

Die Regelung, dass Männer in der Kirche rechts, Frauen links sitzen, gesehen von der Eingangstür her mit dem Blick auf den Altar, gibt es nirgends mehr. Sie stammte aus dem Mittelalter: Die Ritter hatten den Degen links und mussten ihn mit rechts ziehen. Um die Damen mit dem Degen nicht zu verletzen, saßen die Frauen auf der linken Seite der Kirche.

Gemeindereferent Tobias Gaiser beobachtet lediglich in einer Kirche seines Pfarrverbands eine Tendenz, dass Frauen eher links, Männer eher rechts sitzen. Auffällig ist jedoch heute noch, dass in fast jeder Kirche mit Mittelgang die rechten Reihen deutlich besser besetzt sind als die linken. „Und das hat noch mit der früheren Geschlechtertrennung zu tun“, erklärt Gemeindereferent Tobias Gaiser. Tatsächlich sei es nämlich nach Abschaffung der „links die Frauen, rechts die Männer“-Ordnung so gewesen, dass sich das Zusammensetzen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil schrittweise vollzogen habe. „Allerdings“, so der Gemeindereferent lachend, „sind da durchwegs die Frauen emanzipierter gewesen und haben sich zu ihren Männern gesetzt – selten umgekehrt. Aus diesem Grund ist fast überall noch heute diese Seite besser gefüllt.“

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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