Spendensammlung "Adventrufe" Ich bin als Optimist geboren

16.12.2018

Der Kroate Drago lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Seit er vor kurzem seine Arbeit verloren hat, kann sich der 69-Jährige seine Krankenversicherung nicht mehr leisten, obwohl er dringend eine Augenoperation bräuchte. Dennoch gibt Drago die Hoffnung nicht auf.

Symbolfoto
Symbolfoto © imago/photothek

München - Vor zehn Jahren kam er nach München – mit viel Zuversicht und der Hoffnung, „dass hier alles besser werden würde als zuhause in Bosnien“. Drago V. (69) ist Kroate und in einem Land aufgewachsen, das immer noch unter den katastrophalen Folgen des Krieges leidet, das nicht zur Europäischen Union gehört und in dem es wenig Aussicht auf ordentlich bezahlte Arbeit gibt.

Viele Jahre hat sich der gelernte Schlosser mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Er hat in Diskotheken und auf dem Bau gejobbt. Er hat Kampfsport unterrichtet und damit seinen Lebensunterhalt „einigermaßen finanzieren“ können. „Wenn man jung ist, glaubt man, dass es immer so weitergeht und man schon die Kraft hat, irgendwo und irgendwas zu arbeiten.“

Einsam und arbeitslos

Marijo Suman von der Migrationsberatung des Diözesan-Caritasverbands übersetzt Dragos Sätze, weil sich der Kroate im Deutschen schwertut. „Ich bin als Optimist geboren, bin Sportler und habe stets die Willenskraft gehabt zu überleben, aber seit der Trennung von meiner Familie habe ich oft das Gefühl des Verlassenseins.“ Endgültig aus der Bahn geworfen habe ihn seine Scheidung und die Tatsache, dass seine Tochter den Kontakt zu ihm abgebrochen habe, erzählt der 69-Jährige in seiner Muttersprache. Emotionen lassen sich einfach besser in der Sprache beschreiben, mit der man aufgewachsen ist. „So viele Fehler habe ich gemacht in meinem Leben“, bedauert Drago und wird von seinem Sozialberater unterbrochen. Er habe selten einen Klienten gehabt, der so bescheiden und gleichzeitig optimistisch mit seiner desolaten Lebens- und Finanzsituation umgehe, berichtet Suman.

Vor rund einem Jahr sei Drago zum ersten Mal in die Caritas-Migrationsberatung in der Münchner City gekommen, nachdem er seine Arbeit als Sicherheitskraft im Objektschutz verloren hatte. Bis dahin hatte der Mann so viel verdient, dass er sogar noch das Altenheim seiner Schwester in Kroatien finanzieren konnte. Jetzt steht er ganz allein da: Seine Schwester ist vor wenigen Wochen verstorben. Er hat sie nicht wiedergesehen.

Als sein Zeitvertrag nach 14 Monaten nicht mehr verlängert wurde, wusste Drago nicht mehr weiter. Mit fast 70 Jahren eine neue Arbeit zu finden, schien völlig aussichtslos. Die Miete für sein kleines Zimmer in einem Wohnheim in Ottobrunn bezahlt bis heute ein kroatischer Kumpel. Zwei weitere Freunde stecken ihm monatlich jeweils 100 Euro zu, „damit er sich etwas zu essen kaufen kann“. Drago macht weiter jeden Tag Sport, um sich fit zu halten und „nicht verrückt zu werden“: Klimmzüge, Joggen, Laufen. „Taekwondo oder Boxen gehen nicht mehr wegen der Augen“, bedauert er.

Adventrufe

In der Vorfreude auf Weihnachten und in den besinnlichen Stunden wird besonders deutlich, dass Krankheit, Armut und Schicksalsschläge selbst vor der „staaden Zeit“ nicht Halt machen. Die Münchner Kirchenzeitung stellt auch heuer wieder Menschen vor, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Um Familien, Frauen, Männern und Kindern in großen Notlagen gezielt helfen zu können, bitten Caritas und Münchner Kirchenzeitung auch dieses Jahr wieder um Spenden für die Aktion „Adventrufe“.

Wenn Sie helfen möchten, können Sie spenden unter dem Stichwort „Adventruf 2018“ auf folgendes Konto des Caritasverbandes der Erzdiözese bei der Liga-Bank München:

IBAN: DE 53 7509 0300 0002 2977 79
BiC: GENODEF1M05

„Die Caritas ist meine zweite Heimat.“

„Seit Drago nicht mehr arbeitet, hat er Schulden bei der Krankenversicherung. Das ist besonders tragisch, weil er unter einer schweren Augenkrankheit leidet und bereits an einem Auge ein Implantat erhalten hat. Jetzt steht eine zweite Operation an und wir fürchten, dass die Krankenversicherung diese nicht übernehmen wird, wenn sie keine monatlichen Beiträge erhält“, erläutert Suman. Einen OP-Termin habe sein Klient bereits abgesagt. Dabei sei Eile geboten, denn auf dem einen Auge habe er nur noch 50 Prozent Sehkraft. „Wir brauchen jetzt dringend Geld für die Krankenkassenbeiträge von monatlich 180 Euro, damit die Kosten für die zweite Operation sichergestellt sind.“

Der studierte Soziologe setzt sich mit Telefonaten, Anträgen und Widersprüchen sehr für seinen Klienten ein, damit dieser in Deutschland ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhält und damit auch Anspruch auf Unterstützung hat. „Wenn das nicht klappt, können wir ihm auch nicht mehr helfen, dann bin ich mit meinem Latein am Ende“, fürchtet Suman, der in der Caritas- Migrationsberatung mit 17 Kolleginnen und Kollegen mehrere hundert Migrantinnen und Migranten im Jahr bei der Integration unterstützt. „Die Caritas ist meine zweite Heimat und Marijo wie mein Bruder“, sagt Drago und wischt sich dabei rasch ein paar Tränen aus seinen freundlichen Augen. (Marion Müller-Ranetsberger)

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