Sankt Martin Ich geh mit meiner Laterne - aber nur mit echter Kerze

08.11.2017

In Kitas gibt es für Eltern viel zu diskutieren – "live" beim Abholen der Kinder oder noch viel lieber in WhatsApp-Gruppen. Das Martinsfest bietet dabei in vielerlei Hinsicht eine treffliche Vorlage.

Laternen mit echten Kerzen
Laternen mit echten Kerzen © SMB/Schmid

München – Los geht es mal mit dem Namen der Feierlichkeit: Sankt Martinsfeier, Laternenfest oder gar Lichterfest – wie heißt denn dieser Tag, an dem Kinder freudestrahlend, meist jedoch frierend mit Laternen durch die Gegend laufen – begleitet von Eltern, die stolz sind, wie schön der Nachwuchs gebastelt hat – oder war es doch eher die Erzieherin? Aus Rücksicht auf Nicht-Gläubige – angeblich – haben viele nichtkirchliche Kitas "Sankt Martin" umbenannt, dass nur „Fachleute“ merken, dass es sich um ein christliches Fest handelt. Ich hatte das Glück, dass meine Kinder in einer von nicht besonders christlich geprägten Eltern gegründeten Kita immer „Sankt Martin“ gefeiert haben.

Und noch etwas ist in dieser Kita fast einmalig: Es dürfen bis heute echte Kerzen in die Laternen gestellt werden – etwas, was für andere Einrichtungsleitungen oder Eltern schon fast an Kindeswohlgefährdung grenzt. Im Kinderhaus Lochhausen war das, und darüber bin ich heilfroh, nie Thema. Klar, ein paar Exoten mit blinkenden LED-Lichtern an Plastikstangen gab es jedes Jahr – das ist ja auch in Ordnung so. Aber immerhin gab es nie die Vorschrift, solche benutzen zu müssen. Das ist für mich auch sehr wichtig. Nicht, weil wir ein allzu geringes Gefahrenbewusstsein haben, sondern weil echte Kerzen zu dem Fest gehören, wie der Sankt Martin auf dem Pony, der dem Zug vorangeht, das Teilen der gebackenen Martinsgänse oder das Singen von „Ich geh mit meiner Laterne“.

Nur eine Laterne ging in Flammen auf

Doch warum ist mir das so wichtig, mit den brennenden Kerzen? Stimmungsvoller ist es, das stimmt, aber das ist nicht der eigentliche Grund. Ich finde Kinder müssen mit Feuer umgehen lernen – vernünftig. Das heißt nicht, dass bei uns zuhause Streichhölzer und Feuerzeug offen am Esstisch liegen, aber schon im Kindergartenalter durften unsere Kinder unter unserer Aufsicht Kerzen anzünden – und die gehören für uns zur kalten Jahreszeit. Auch an Sankt Martin liegt die Aufsichtspflicht bei den Eltern –und die sind zumindest bei uns so aufmerksam, dass kein großes Unglück geschehen kann. In all den Jahren erinnere ich mich an eine einzige Laterne, die in Flammen aufging. Klar, es war ein liebevoll gebasteltes Kunstwerk mit einem schönen Schattenbild des Heiligen Martin drauf. Der kleine Junge warf sie, als sie Feuer fing, ins Gras, es gab keine Panik, es gab keinen Waldbrand, das Feuer war schnell durch den feuchten Tau gelöscht und keiner nahm einen Schaden. Bei dem Fünfjährigen gab es ein paar Tränen – aber auch das darf sein. Kinder lernen so, dass auch mal etwas kaputtgeht – das müssen sie ohnehin oft genug schmerzlicher erfahren als bei einer Laterne.

Übrigens: Noch heute ist der Junge, mittlerweile Viertklässler, für meine Kinder und mich, der Tim, bei dem die Laterne in Flammen aufging, und er lacht darüber mittlerweile genauso wie wir. Wir nehmen unseren Kindern eine wichtige Erfahrung, wenn wir ihnen jede Gefahrenquelle nehmen – sie zu elektrischen Leuchtstäben nötigen. Sie müssen die Welt entdecken dürfen und dazu gehören eben auch die vier Elemente. Sie sollten lernen, mit Feuer umzugehen genauso wie sie lernen müssen, wie wichtig es ist, schwimmen zu können oder alleine über eine Ampel zu gehen.

Das Licht teilen

Ich bin auch der festen Überzeugung, dass nicht jeder Fan von batteriebetriebenem Licht die Entscheidung dazu aus Sicherheitsgründen getroffen hat. Ich bin mir sicher, dass diese Entscheidung oft der eigenen Faulheit geschuldet ist. Denn, ja, es ist anstrengend, wenn die Laterne in dem nasskalten Wetter zum fünften Mal ausgeht – ein Vorgang, der durch wilde Baumel- und Wurfspielchen des Nachwuchses noch begünstigt wird.

Dann sind die Eltern die Helden, die ein langes Stabfeuerzeug oder auch nur ein paar lange Streichhölzer dabeihaben – so dass man sich beim Wiederanzünden nicht die Finger verbrennt. Oder die Kinder mit Laternen mit langen Kerzen, wo man das eigene Licht wieder entflammen kann – sozusagen das Licht teilen kann. Und genau darin steckt ja das eigentliche Ansinnen des Heiligen Martins. Er hat seinen Mantel mit dem armen Bettler geteilt. Wir können heute wenigsten das Licht teilen. Ja, das kann ein bisschen anstrengend sein – aber es macht auch Freude. Beim Suchen nach jemanden, der einem beim Anzünden helfen könnte, der sein Licht mit einem teilt, entstehen viele neue Kontakte, man kommt ins Gespräch mit anderen Kindern und Eltern, man lernt sich besser kennen und so hat das Sankt Martinsfest sehr viel mehr zu bieten als ein bisschen singen und durch die Gegend laufen.

Fackeln zum Martinsspiel

Übrigens, auch beim Martinsspiel mit Pferd, Martin und Bettler, ist unser Kindergarten wieder zu echten Kerzen als Beleuchtungsquelle zurückgekehrt. Nachdem man irgendwann festgestellt hat, dass man von diesem Hauptakt eigentlich kaum was sieht, weil es – egal, wann man beginnt – Anfang November einfach zu dunkel ist, das Martinsspiel zu verfolgen. Hatte man auch das kurzfristig mal mit batteriebetriebenen Scheinwerfern versucht – schön war das nicht. Seitdem gibt es wieder Fackeln, auch das bislang – Gott sei Dank – ohne Brandkatastrophen.

Ich bin dieses Jahr erstmals keine Kindergarten-Mama mehr, sondern „nur“ eine Schulkind-Mama, aber mir ist ganz klar, sollte diese Woche der Drang der Kinder aufkommen, die Laternen auszupacken, gehen wir auf jeden Fall auf einen Martinsumzug und noch wichtiger: auf einen mit echten Kerzen. Und danach werden wir mit einem Glas Punsch und selbstgebackenen Martinsgänsen mit vielen anderen um ein echtes Martinsfeuer sitzen.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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