Pater Rhabanus von "Die Priester" "Ich habe gelernt, auf mich zu hören"

12.11.2017

Mit dem Trio "Die Priester" feiert Pater Rhabanus Petri Chart-Erfolge, gerade ist das vierte Album erschienen. In seiner kirchlichen Berufung hat er einen neuen Weg eingeschlagen, nachdem er kurz vor dem Burnout stand.

Pater Rhabanus Petri
Pater Rhabanus Petri

Sankt Ottilien – Als „die Priester“ vor sechs Jahren eine CD herausgebracht haben mit einer Mischung aus Pop- und Kirchenmusik, haben sie für ziemlich viel Wirbel gesorgt. Jetzt ist das vierte Album auf dem Markt. „Möge die Straße“ heißt es. Die Priester, die dort singen, sind immer noch dieselben: Andreas Schätzle aus Wien und die beiden Benediktinerpater Vianney Meister und Rhabanus Petri aus Sankt Ottilien. Genau an dieser Stelle könnte man jetzt stutzen: Da war doch ein Abt dabei, irgendwo aus Niederbayern. Allerdings ist dieser Abt nicht mehr Abt, sondern einfach nur noch Pater. Denn Rhabanus Petri hat sein Amt in der Abtei Schweiklberg nach zehn Jahren niedergelegt und ist heimgekehrt nach Sankt Ottilien, in sein Profess-Kloster.

Sabbatical und "Resignation"

„Schon vor einem Jahr beim Generalkapitel habe ich gesagt: Ich werde dünnhäutiger.“ In den folgenden Monaten hat er das immer wieder in Supervisionen mit Mitbrüdern und Mitäbten zum Thema gemacht. Dann riet ihm sein Präses: Mach ein Sabbatical. „Das ist bei uns nach zehn Jahren im Amt möglich.“ Zehn Jahre war auch genau die Zeitspanne, die Rhabanus sich bei seinem Amtsantritt gegeben hatte, um zu überprüfen, ob er weitermachen wolle.

Zwei Monate war er dann in den USA, zum Schweigen, Beten und Nachdenken. Aber auch Sport und viele Gespräche standen auf dem Programm. „Da hat sich dann immer mehr herauskristallisiert, dass ich zurücktreten und nach Sankt Ottilien zurück gehen werde.“

Auch wenn ein solcher Akt im Kirchendeutsch „Resignation“ heißt, habe es sich nicht wie ein Scheitern angefühlt.

Viele Faktoren hätten seine Kräfte schwinden lassen, erklärt Rhabanus. Kurz vor dem Burnout sei er gewesen. „Als der Organist und Kantor gestorben war, habe ich die Singstunden übernommen und zwischendurch Orgel gespielt, ich war Novizenmeister, es kamen so viele Dinge zusammen,“ erklärt er.

Und dann war da noch die Tatsache, dass er sich immer als Ottilianer gefühlt habe. So eine Klostergemeinschaft sei auch immer ein bisschen wie eine Familie. Man kenne jeden und kenne die Art und Weise, wie man die Feste feiert. Das habe ihn geprägt.

Auch deshalb sei er froh, dass jetzt jemand aus den eigenen Reihen Abt auf dem Schweikelberg geworden sei. Denn, wenn man bei dem Familienvergleich bleibt, war er ein Oberhaupt einer Familie, die nicht seine eigene war.

Sport und Achtsamkeit

Wer die Fotos auf den Covern der Priester-CDs anschaut, dem fällt auf, dass Rhabanus sehr viel schmaler geworden ist. Das ist allerdings nicht auf Kummer zurück zu führen, sondern auf sein neues Hobby: den Sport: „Ich bin ein Schnellgeher geworden“, erklärt der frühere Sportmuffel, „ich war sogar schon mal mit Vianney im Kraftraum. Der hat mir dann gezeigt, wie ich die Geräte so benutze, dass sie mir nicht schaden,“ erzählt er mit einem Augenzwinkern. Außerdem bringe ihm der Sport innere Ruhe. „Ich spüre meinen Körper ganz neu und bin viel körperbewusster geworden, als ich das je gewesen bin.“ Zwar war der körperliche Grund für die Gewichtsreduktion ein Bandscheibenvorfall. Aber auch diese Veränderung in seinem Leben ist ein Zeichen dafür, dass er jetzt achtsamer mit sich umgeht: „Ich habe gelernt, auf mich selbst zu hören. Ich bin so erzogen worden, dass ich das tue, was mir aufgetragen wurde. Das ist einerseits gut. Aber auf der anderen Seite muss ich auch schauen, was signalisiert meine Seele, was signalisiert mein Leib."

Als ganz normaler Pater fühlt er sich jetzt wieder wohl. Mit dem Gehorsam vor dem Abt hat er keine Probleme: „Der Gehorsam bedeutet, dass Pater und Abt aufeinander Hörende sind.“ Als Gästepater kümmert der 54-jährige sich um die Menschen, die ins Kloster kommen. So ist er wieder in der Seelsorge angekommen. Und er hat mehr Zeit für das Singen und Musizieren. Er spielt Tuba im Brüderblasorchester von Sankt Ottilien, er singt zusammen mit Pater Vianney in der Schola und bei dem Bandprojekt „Die Priester“. Der Titelsong des neuen Albums scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Dort heißt es: „Möge die Straße uns zusammenführen“ und weiter im Text: „Er halte dich in seinen Händen, doch drücke seine Faust dich nie zu fest.“

Das ganze Gespräch mit Pater Rhabanus Petri können Sie in unserer Sendung „Hauptsache Mensch“ ab Montag im Münchner Kirchenradio hören.

Audio

Pater Rhabanus im Gespräch

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de

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