Requiem für Weihbischof Siebler "Ich habe gern gelebt"

22.10.2018

Im Freisinger Mariendom feierte Kadinal Reinhard Marx das Requiem für Weihbischof Engelbert Siebler. Viele Gläubige erwiesen dem beliebten Seelsorger die letzte Ehre.

Viele waren zum Requiem in den Freisinger Mariendom gekommen
Viele waren zum Requiem in den Freisinger Mariendom gekommen © Kiderle

Freising – Nebel liegt an diesem Samstagvormittag über Freising. Nur unscharf zeichnet sich das Doppelturmpaar des Mariendoms gegen den grauen Himmel ab. Dennoch sind zahlreiche Gläubige hinaufgekommen zur Konkathedrale des Erzbistums, um dem verstorbenen ehemaligen Münchner Weihbischof Engelbert Siebler die letzte Ehre zu erweisen. Dieser war am 11. Oktober nach längerer Krankheit im Alter von 81 Jahren in München verstorben.

Geistliche und Laienvertreter, Verwandte und Freunde sowie viele ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten – sie alle haben sich zum Requiem mit Kardinal Reinhard Marx als Hauptzelebranten, der direkt von der Jugendsynode aus Rom angereist ist, versammelt. Vor den Altarstufen ist der Sarg aufgebahrt, sechs Kerzenleuchter, drei zu jeder Seite, flankieren ihn, dahinter brennt erhöht die Osterkerze, Zeichen der christlichen Auferstehungshoffnung. Gelb-weiße Blumengestecke, das Porträt des Verstorbenen mit Trauerflor, auf dem Sarg Kelch, Stola und Mitra, dazu das aufgeschlagene Evangeliar, daneben Sieblers Auszeichnungen, das Bundesverdienstkreuz und der Bayerische Verdienstorden. Fahnenabordnungen, vor allem aus Sieblers Heimat Jarzt-Fahrenzhausen, haben sich zu beiden Seiten der Altarstufen aufgestellt. Nach einem zehnminütigen vollen Glockengeläut ist es eine lange Prozession, die zum Introitus aus Josef Rheinbergers „Requiem in Es“ in den farbenprächtigen, von den Gebrüdern Asam barockisierten Dom einzieht. Beim Gottesdienst, eines der sprechendsten Zeichen an diesem Tag, wird Sieblers Bischofsstab mit der Krümme nach unten getragen.

Kardinal Reinhard Marx besprengt das offene Grab mit Weihwasser
Kardinal Reinhard Marx besprengt das offene Grab mit Weihwasser © Kiderle

Geprägt vom Konzil

In seiner Predigt würdigt Kardinal Marx Siebler als „eine überzeugende Priestergestalt“, er habe sich „mit seinen Kräften, mit seinen Begabungen all die Jahrzehnte“ eingebracht. „Dafür dürfen wir dankbar sein und es als Ermutigung sehen für unseren eigenen Weg“, sagt der Erzbischof. Siebler sei ein Priester gewesen, „der begleiten wollte“, fährt der Kardinal fort. „Sein Herz und seine Ausrichtung“ seien „immer bei den Menschen, immer bei den pastoralen Bemühungen“ gewesen. Er habe seine ländliche Heimat mit seiner Aufgabe in der Stadt München zu verbinden gewusst, „mit den seelsorglichen Herausforderungen, auf die er mit neuen Ideen geantwortet hat“. Es sei zu spüren gewesen, dass Siebler aus einer Landwirtsfamilie stammte und zunächst als Lehrer unterrichtet hatte: „Er war erdverbunden, aber doch neugierig auf das, was kommt. Das konnte er verbinden, und deshalb war sein Zeugnis überzeugend“, sagt der Kardinal. Siebler sei „ganz und gar geprägt“ gewesen vom Zweiten Vatikanischen Konzil, „in seinem Leben, in seiner Vorstellung, wie Kirche sein soll, wie Seelsorge sein soll“. Und zum Sarg hin gewandt beendet Kardinal Marx seine Ansprache mit den Worten: „Lieber Engelbert, danke für deinen Dienst für das Erzbistum München und Freising, danke für dein Lebenszeugnis. Geh weiter mit uns in einer neuen Weise. Amen!“

Persönliche Worte

Zum Abschluss der Eucharistiefeier erinnern Sieblers Neffe Markus Lentner und Weihekurskollege Monsignore Günther Lipok noch einmal in sehr persönlichen Worten an den Verstorbenen. Sie schildern ihn als warmherzigen Familienmenschen, als äußert reiselustigen Gefährten und als einen dem Leben und seinen Mitmenschen zugewandten Freund und Seelsorger. „Ich habe gern gelebt“, soll der Weihbischof auf dem Sterbebett gesagt haben.

An der Begräbnisfeier im Kreuzgarten nehmen im Anschluss außer den liturgischen Diensten, dem Domkapitel und dem Klerus nur die engsten Angehörigen teil. Die Gebete und Gesänge werden in den Kirchenraum übertragen. „Christ ist erstanden“, das alte Osterlied, und zum Abschluss das „Salve Regina“, der Gruß an die Gottesmutter, erklingen am Grab. Es schlägt zwölf. Leise murmelt der kleine Brunnen in der Anlage, ein friedlicher Ort. Und plötzlich ist ein Stückchen blauer Himmel im Nebelgrau zu entdecken.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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