Anonyme Samenspenden Ich möchte seinen Namen und ein Gesicht

30.09.2017

Miriam kennt ihren biologischen Vater nicht, denn sie wurde mit Sperma aus einer Samenbank gezeugt. Heute ist sie 32 Jahre alt. Sie zog sogar vor Gericht, um den Namen zu erfahren.

Künstliche Befruchtung ist auch heute noch ein Tabu-Thema.
Künstliche Befruchtung ist auch heute noch ein Tabu-Thema. © fotolia/ paolo esposito

Der Prozess hat nicht viel gebracht, denn die Lage ist kompliziert: Ihre Mutter wurde von zwei Ärzten behandelt. Einer ist bereits verstorben und hat seine Unterlagen vernichtet – eine Vorgehensweise, die früher durchaus üblich war. Der andere sagt, er habe Miriams Mutter nur vertretungsweise behandelt. Es gibt Widersprüche, die auch ein Prozess nicht klären konnte: Die junge Frau hatte dem noch lebenden Arzt eine Mail geschrieben, in der sie sich zuerst bedankt habe, dass er dazu beigetragen habe, dass es sie gebe. Und sie hatte ihn gebeten, ihr die Daten zu ihrem Spender zur Verfügung zu stellen. Er antwortete dann, er habe seine EDV durchsucht, aber nichts zu Miriams Mutter gefunden. Aber allein die Tatsache, dass er gesucht habe, zeige doch, dass es Daten aus der Zeit gebe, erklärt Miriam ihre Zweifel. Denn später habe er ausgesagt, zur Zeit von Miriams Zeugung habe er noch gar keine eigene Samenbank betrieben.

Miriam würde sich freuen, wenn ihr Samenspender sich melden würde

Die Zeugung war am 22. Februar 1984. Heute ist Miriam 32 Jahre alt. Über ihren biologischen Vater hat sie zumindest so viel herausgefunden: Der verstorbene Arzt, bei dem ihre Mutter zuerst in Behandlung war, war auch Flieger und hat seine Samenspender unter Medizinstudenten, Studenten der Bundeswehrhochschule und am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck gesucht und gefunden.

Miriam würde sich riesig freuen, wenn Männer, die Anfang der 80er Jahre Samen gespendet haben und die sich bei bei dem Artikel angesprochen fühlen, sich melden würden. Entweder bei der Autorin des Artikels (b.strauss-richters@st-michaelsbund.de) oder beim Verein Spenderkinder.

Sie selbst hat übrigens vor zwei Jahren nur per Zufall erfahren, dass sie nicht das leibliche Kind ihres Vaters ist. Sie saß mit ihrer Mutter draußen im Garten und fragte, warum sie erst acht Jahre nach der Hochzeit ihrer Eltern geboren sei. Dass sie damit das größte Familiengeheimnis entdeckt hatte, ahnte sie nicht: Die Mutter gestand ihr unter Tränen, dass sie und ihr Mann offenbar zusammen keine Kinder bekommen konnten. Deshalb seien sie zu einem Arzt gegangen, der eine Samenbank betrieb. Höchst geheim sei das alles gewesen. Die Mutter musste in einen anderen Warteraum als andere Patientinnen, sie legte einen Umschlag mit viel Bargeld auf den Tisch und musste unterschreiben, dass sie Stillschweigen über die Behandlung bewahren werde. Das kam ihr auch nicht komisch vor, da die künstliche Befruchtung damals ein noch größeres Tabu-Thema gewesen sei als heute. Außerdem wusste sie nicht, ob es in anderen Praxen anders gehandhabt worden sei, denn sie konnte ja nicht vergleichen oder einfach mal im Internet nachschauen, wie man es heute machen würde. Da sie nach acht Jahren Kinderwunsch endlich schwanger war, war sie einfach nur glücklich und hätte wahrscheinlich alles unterschrieben.

Audio

Brigitte Strauß-Richters sprach in "Hauptsache Mensch" mit Miriam über ihr Verhältnis zu ihren Eltern, über ihre Einstellung zur Samenspende und darüber, warum es ihr so wichtig ist, ihren biologischen Vater zu finden

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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