Filmtipp: Maria Magdalena „Ich werde nicht schweigen“

22.07.2019

Der 22. Juli ist in der katholischen Kirche ein Festtag zu Ehren Maria Magdalenas. Da sie zu den spannendsten Frauenfiguren des Christentums zählt, beschäftigte sich vor kurzem auch ein Kinofilm mit ihr.

Maria Magdalena (Rooney Mara) wird von Jesus (Joaquin Phoenix) getauft.
Maria Magdalena (Rooney Mara) wird von Jesus (Joaquin Phoenix) getauft. © Universal Pictures

München – Seit Mel Gibsons „Die Passion Christi“ aus dem Jahr 2004 gilt er wieder als lukratives Geschäftsmodell: der Bibelfilm. Die Filmproduzenten schielen dabei besonders auf das gläubige Publikum in den USA, das die Kinokassen klingeln lassen soll.

Auch im vergangenen Jahr lief mit „Maria Magdalena“ eine prominent besetzte Bibelverfilmung auf der großen Leinwand, die mittlerweile auch auf DVD und BluRay erschienen ist. Im Gegensatz zu vielen seichten und kitschigen Bibelerzählungen der vergangenen Jahre, verfügt der Film des australischen Regisseurs Garth Davis über erstaunlichen Tiefgang. Neu ist, dass sich der Blick auf das Leben und Leiden Jesu ausschließlich aus weiblicher Perspektive vollzieht. Und dass die Lebensgeschichte Maria Magdalenas, eine der schillerndsten Frauenfiguren des Christentums, eine berührende Neuinterpretation erfährt – jenseits des Topos von Maria als Prostituierte und Sünderin.

Bruch mit der Familie

Zu Beginn der Handlung soll Maria (Rooney Mara) nach dem Willen ihrer patriarchalisch geprägten Familie verheiratet werden und endlich Kinder bekommen. Doch die junge Frau begehrt gegen diesen vorgezeichneten Lebensweg auf, bricht mit ihrer Familie und schließt sich auf der Suche nach ihrer eigenen inneren Stimme dem Wanderprediger Jesus von Nazareth an.

Auf der Suche nach der inneren Stimme: Maria Magdalena
Auf der Suche nach der inneren Stimme: Maria Magdalena © Universal Pictures

Dieser wird gespielt von Joaquin Phoenix, der ansonsten gern finstere oder gebrochene Charaktere verkörpert. Und ein Stückchen dieser dunklen Aura scheint auch den Jesus in „Maria Magdalena“ zu umgeben, was sich wohltuend von vielen anderen Film-Darstellungen der Figur unterscheidet.

Kluge Entscheidung

Im Gegensatz zum wirklichen Leben sind Mara und Phoenix auf der Leinwand als Maria und Jesus kein Liebespaar – auch das eine kluge Entscheidung der Filmemacher. Vielmehr verbindet die beiden auf Anhieb eine Art Seelenverwandtschaft. Besonders Maria fühlt sich an Jesu Seite erstmals in ihrem Leben aufgehoben und verstanden, was auch dazu führt, dass sie sich von ihm taufen lässt.

Jesus räumt der Frau im Kreise seiner Jünger bald einen gleichberechtigten Platz als spirituelle Begleiterin ein – was nicht ohne Folgen bleibt. Besonders mit Petrus gerät Maria in Streit. Der Apostel will ihr verbieten, in Jesu Namen zu sprechen. Maria hält dagegen: „Ich werde nicht schweigen, ich werde gehört werden.“

Maria: "Ich werde gehört werden."
Maria: "Ich werde gehört werden." © Universal Pictures

Hure und Heiliger

Es wird deutlich, dass Regisseur Davis diesem Konflikt eine zentrale Bedeutung in seinem Film einräumt: „Maria war eine Zeitzeugin Christi, aber man degradierte sie zur Hure, während Petrus, der Jesus dreimal verleugnete, zum Heiligen erhoben wurde. Sie ist die Hure und er der Heilige – das ist einfach unglaublich.“

Tatsächlich ist diese konsequent feministische Perspektive, die in der Aussage des Filmemachers anklingt, die große Stärke des Films – gerade weil er sich auch nie so weit von der traditionellen Bibelüberlieferung entfernt, um als theologisch fragwürdig gelten zu müssen. Zugleich wirft dieser Blickwinkel auch zwangsläufig die Frage nach der Rolle der Frau nicht nur in der Kirche von heute auf, sondern auch in der Gesellschaft insgesamt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 15. März 2018 und wurde am 22. Juli 2019 aktualisiert.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

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