Freiwilliger bei der Münchner Bahnhofsmission "Ich will den Menschen dienen"

10.04.2020

Als Fabian Klever Juca Vivar aus Ecuador zum Freiwilligendienst nach Deutschland kam, konnte noch niemand wissen, wie dramatisch sich die Lage wegen Corona ändern würde. Trotzdem will er seinen Dienst wie geplant weitermachen.

Fabian Klever Juca Vivar bei seiner Arbeit in der Bahnhofsmission München
Fabian setzt seinen Freiwilligendienst trotz Corona fort. © Bahnhofsmission München

München – Rund  10.300 km liegen zwischen München und seinem Heimatort Cuenca, in Ecuador. Trotz der Coronakrise, will Fabian Klever Juca Vivar in Deutschland bleiben. In der Bahnhofsmission in München an Gleis 11, kocht er Tee, schmiert Butterbrote und verteilt sie an die Menschen, die geduldig vor dem Fenster, in einem sicheren Abstand zueinander, warten. Denn auch die Bahnhofsmission hat ihre Türe seit der bayernweiten Ausgangssperre geschlossen. Desinfektionsmittel, Plastikhandschuhe und Mundschutz sind jetzt Pflicht für alle Mitarbeiter. 

Freiwilliger mit viel Erfahrung

Als Freiwilliger ist Fabian, in einem Austauschprogramm des Erzbistums München und Freising, für ein Jahr nach München gekommen. In Ecuador ist der 29-jährige Lehrer an einer Schule und unterrichtet Physik und Chemie. Zuvor hat er an der Fachhochschule der Salesianer in Cuenca studiert. Dort war er in der Jugendpastoral tätig. „In Ecuador war ich schon in der sozialen Arbeit tätig und habe rund 10 Jahre in Waisenhäusern und in Altenheimen ehrenamtlich gearbeitet“, sagt er. Nach Europa sei er gekommen, „um neue Lebenserfahrungen zu sammeln und um die Kultur und das Leben in Deutschland kennenzulernen.“ In Europa war Fabian bereits mehrmals, wie auf den Weltjugendtagen in Spanien 2011 und Polen im Jahr 2016 sowie in England, für sein Studium. 

Gut vorbereitet

Angela Hernandez Soto, Fachbereichsleiterin für den Internationalen Freiwilligendienst der Erzdiözese München und Freising, flog im April 2019 nach Ecuador. Zusammen mit Projektpartnerin Karin Sanchez, die in Quito die Freiwilligen aus Deutschland und aus Ecuador betreut, stellte sie die Einsatzorte in Deutschland vor. Mit zwei anderen Freiwilligen aus Ecuador, kam Fabian im September 2019 nach München. Hier besuchten sie einen Monat lang einen Deutschkurs, der vom Erzbistum München und Freising finanziert wurde. An den Nachmittagen, hatten ehemalige deutsche Freiwillige für sie ein Kultur- und Freizeitprogramm organisiert und halfen ihnen auch bei Behördengängen. 

Nach einem Praktikum in der Münchner  Bahnhofsmission, begann Fabian am 1. Oktober 2019 mit seinem regulären Dienst. Hier arbeitet in Wechselschicht, entweder morgens, zwischen  7.00 – 13.00 Uhr oder von 13.00 – 19.00 Uhr. „Hier kann ich mein Deutsch üben, das jetzt schon ganz gut ist“, erzählt Fabian. Er wohnt bei einer Familie, auf einem Bauernhof, auf dem Land. Jeden Tag fährt er von Huglfing nach München, in einem fast leeren Zug. Bis Gleis 11, bis zu seinem Einsatzort, sind es nur ein paar Schritte.

Leere Züge, lange Schlangen

„Gegenüber früher, wo täglich bis zu 500.000 Menschen im Bahnhof unterwegs war, ist es jetzt geradezu gespenstisch leer, vor allem, seitdem auch die Grenzen geschlossen worden sind“, erzählt  Bettina Spahn, eine der beiden Leiterinnen der Ökumenischen Einrichtung. „Es laufen hauptsächlich Züge ein, die leer sind“.  

In den Monaten davor, hat Fabian älteren Leuten öfters beim Ein- oder Aussteigen geholfen oder Kinder begleitet, die allein unterwegs waren. Jetzt ist der 29-jährige Ecuadorianer, gemeinsam mit zwei anderen, deutschen Bundesfreiwilligen und einer spanischen Praktikantin, hauptsächlich in der Küche der Bahnhofsmission und bereitet die Brote vor. Caterer haben Lebensmittel gespendet, die normalerweise für Firmen bestimmt sind.

Die Zahl der vor allem obdachlosen Menschen, die nicht wissen, wie sie sich mit Essen versorgen sollen, wächst täglich. „Trotzdem sind wir keine Suppenküche. Normalerweise kommen pro Tag 300-400 Menschen. Jetzt sind es bis zu 600 Menschen, die vor allem eines brauchen: Essen oder manchmal auch Kleidung. Hier bekommen sie wenigstens einen warmen Tee und ein Sandwich. Dafür stehen viele zwischen 30 bis 45 Minuten geduldig an“, erzählt Bettina Spahn.    

Insgesamt  sind 19 Hauptamtliche und rund 140 Ehrenamtliche  in der Bahnhofsmission in München in der Woche rund um die Uhr im Einsatz. „Trotz der Coronakrise läuft auch unser Beratungsangebot weiter“, sagt Bettina Spahn. „Denn neben der Verunsicherung wegen der aktuellen Situation, haben viele Menschen jetzt finanzielle Sorgen und Angst, arbeitslos zu werden.“ Um die schlimmste Not zu lindern, nimmt die Katholische Bahnhofsmission inzwischen auch Auszahlungen aus dem Allgemeinen Notlagenfonds der Erzdiözese München und Freising vor.  

Rückhalt im Glauben

An Fabian gefällt Spahn, dass er den Menschen so wertschätzend und zugewandt begegnet. „Er ist ein stiller, sensibler Mensch, der allerdings sehr stabil ist und anscheinend Rückhalt in seinem Glauben findet“. Im Oktober 2019, nach der Amazonassynode, kamen fünf Bischöfe aus Ecuador bei einem Besuch in München, in die Bahnhofsmission. „Für Fabian war das eine tolle Überraschung. Er hat sich so gefreut und begeistert von seiner Arbeit erzählt“, sagt Bettina Spahn.  

„Ich bin froh, dass ich in München zu einer Zeit angekommen bin, als es noch keinen Coronavirus gab. Jetzt ist die Situation eine völlig andere“, erzählt Fabian. Auch er hat sich zunächst überlegt, ob er nach Hause fliegen solle oder bis Ende August in Deutschland bleibt.

Sorgen um die Familie

„In der Bahnhofsmission,  fühle ich mich sicher. Wir arbeiten alle zusammen und die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind sehr nett. Ich habe keine Angst davor, krank zu werden. Eher mache ich mir Sorgen um meine Familie, um meine Mutter. Wenn etwas ist, kann ich nicht schnell nach Hause fliegen. Die Gesundheitsversorgung in meinem Land  ist sehr schlecht.“ Die Zahl der erkrankten Menschen steigt auch in Ecuador ständig. Inzwischen ist eine strikte Ausgangssperre verhängt worden. Es fahren keine Busse mehr und die meisten Geschäfte haben geschlossen. Umgekehrt macht sich aber auch Fabians Familie Sorgen, dass er allein in einem fremden Land, ist.   

„Es hat schon einen Grund, warum ich ausgerechnet jetzt hier bin“, sagt Fabian. „Ich wollte neue Lebenserfahrungen machen und den Menschen vor Ort dienen. Das tue ich jetzt. Ich hoffe, der liebe Gott beschützt mich dabei. Denn wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe, dann bleibe ich dabei – und das heißt für mich, meinen Freiwilligendienst, wie geplant, bis August, durchzuführen.“ (Patrizia Wackers, tätig im Fachbereich Globales Lernen und Entwicklung im Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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