Ausflug ins Kloster Beuerberg Im Archiv stöbern

01.09.2016

Was haben die Salesianerinnen alles notiert über ihr kontemplatives Leben in Beuerberg? Wen und wie haben sie informiert über verstorbene Schwestern? Roland Götz vom Archiv des Erzbistums hat einige interessante Fundstücke im Klosterarchiv aufgespürt. 26 Dokumente stellt er im Kloster vor.

Als Rundbrief verschickten die Salesianerinnen Biografien über verstorbene Schwestern an die anderen Ordensklöster. (Bild: Götz/EOM) © Roland Götz/EOM

Beuerberg – "Eine alte Henne für 18 Kreuzer und vier junge Hühner für je 16 Kreuzer“, steht da in schöner Schreibschrift auf leicht angegilbtem Papier. Es erzählt von den Einkäufen der Salesianerinnen vom Juni 1847. Akribisch haben die Schwestern von Kloster Beuerberg alles notiert. Erstmals ist es Neugierigen möglich, einen Blick in diese Schriftschätze zu werfen. Roland Götz vom Archiv des Erzbistums München und Freising präsentiert am 7. September in Kloster Beuerberg 26 Dokumente, die detailliert von Alltag und Leben des kontemplativen Ordens berichten.

Das Original der erzbischöflichen Genehmigung zur Errichtung eines Klosters in Beuerberg von 1846. (Bild: Götz/EOM)

„So konkret in das Leben der Schwestern hinzuschauen war bislang noch nicht möglich“, sagt Götz, „das ist etwas Besonderes.“ Historiker und Archivare des Erzbistums haben jedes einzelne Papier gesichtet, geordnet und verzeichnet, nachdem die Salesianerinnen vor zwei Jahren das Kloster verlassen haben (wir berichteten) und das Bistum das Gebäude gekauft hat. „Die Erzdiözese kümmert sich um das ihr zugefallene, schriftliche Kulturgut“, erklärt Roland Götz.

Darunter, und auch das wird er bei seinem Vortrag zeigen, befindet sich das Original der erzbischöflichen Genehmigung zur Neuerrichtung in Beuerberg aus dem Jahr 1846. Gewissenhaft notierten die Schwestern alles wie Ausgaben für Lebensmittel für sich und ihre Schülerinnen: „120 Pfund Fisch für 22,58 Gulden, 150 Stück Krebse für 1,20 Gulden“. Festgehalten wurden ebenso Einnahmen wie Kostgeld der Zöglinge (482 Gulden) oder Geschenke: „acht Gulden von Madame Widman“. Oder die Mitgift einer neuen Schwester: Im Juni 1848 erhält das Kloster dabei 500 Gulden. „Das war nur eine Rate, denn im nächsten Monat wurden wieder 500 Gulden notiert“, erzählt Götz.

Der idyllische Innenhof von Kloster Beuerberg lädt zum Verweilen ein. (Bild:Kiderle)

Interessant ist, dass die Salesianerinnen „Die Leben unserer verstorbenen Schwestern“ niederschrieben, also Biografien verfassten, die sie an ihre anderen Ordensklöster als eine Art Rundbrief zur Information weitergaben. Dass das Leben im kontemplativen Kloster nicht immer reibungslos ablief, belegt ein Schriftstück der Archivarin, die über die „Schattenseiten“ der Amtsführung einer Schwester berichtet, die sich zu wenig um die Novizinnen kümmere – ihre eigentliche Aufgabe – sondern vielmehr darum, nach dreijähriger Zwangspause (so war die Regel) wieder als Oberin an die Spitze zu gelangen. Was sie leztlich auch dann auch tatsächlich geschafft hat. „Das ist ein bemerkenswertes Stück“, meint Götz. Es zeige, dass wirklich alles notiert wurde, auch Negatives.
Und bereits 1974 sprach Regionaloberin Mutter Gabriela Maria Brunner über die existentielle Nachwuchsfrage. 40 Jahre später haben die Salesianerinnen Beuerberg aufgegeben. (Susanne Hornberger)

Roland Götz vom Archiv des Erzbistums präsentiert am Mittwoch, 7. September, von 16 bis 18 Uhr ausgewählte Originaldokumente in der Klosterwerkstatt Beuerberg. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter Telefon 08161/48790 oder unter info@dimu-freising.de

Leserreise nach Kloster Beuerberg
Lassen Sie sich von uns in die ehemals verborgene, streng abgeschirmte Welt der Salesianerinnen in Kloster Beuerberg entführen. Am Samstag, 8. Oktober, bieten wir Ihnen eine Besichtigung der Ausstellung "Klausur - Vom Leben im Kloster". Dabei können Sie nachempfinden, wie sich ein von der Öffentlichkeit abgeschirmtes Leben anfühlt. Unsere Tour führt Sie anschließend ins Kloster Dietramszell zu dort lebenden Schwestern. Abfahrt ist um 8.45 Uhr in München, zurück kommen Sie gegen 18 Uhr. Die Fahrt kostet inklusive Bus, Führungen und Mittagessen in Kloster Beuerberg pro Person 49 Euro. Sie können sich sofort anmelden unter Telefon 089/23225-260.


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