Entspannen und Austausch pflegen Im Home-Office bei der Stange bleiben

26.03.2020

Arbeiten von zuhause ist für viele in den letzten Tagen schon ein Stück Alltag geworden. Die dringenden to do’s sind langsam abgearbeitet, mit dem Arbeitsdruck sinkt die Motivation. Wie bleibt man aufmerksam und bei Laune? Susanne Westphal, Beraterin und Coach, hat gezielte Tipps.

Frau sitzt vor Laptop
Bewegung, Teamspirit, Kreativität, Entspannung - mit diesen Tipps klappt das Arbeiten im Home-Office ohne Probleme. © Marina Andrejchenko - stock.adobe.com

Arbeiten von zuhause, das spart Zeit, denn der Weg ist denkbar kurz. Aber sollte man den Wecker auch später stellen? Susanne Westphal sieht darin ein großes Plus: „Endlich kann ich mal meinem individuellen Bio-Rhythmus Raum geben und meine Schlafenszeit besser daran ausrichten, wie es mir guttut“. Nach der Zeitumstellung am Wochenende auch endlich mal die Chance, damit besser klar zu kommen. Auch gegen ein Mittagsschläfchen spricht nichts, solange in dieser Zeit keine Online-Meetings stattfinden. „Wichtig ist, dass ich meine Arbeit gut gemacht bekomme und erreichbar bin.“

Bewegung und Teamspirit

Wenn der Weg zur Arbeit wegfällt, fehlen auch ein paar Bewegungseinheiten. „Man sollte unbedingt Vitamin D tanken und einmal am Tag rausgehen“, legt Susanne Westphal allen ans Herz: „Das tut gut und Partner und Kinder können ja dabei sein.“ Hinterher geht man frischer wieder an die Arbeit.

Aber irgendwie fehlen doch die Kollegen. Für den Team-Zusammenhalt braucht es mehr als Informationsaustausch „Motivation ist auch eine sehr menschliche Angelegenheit“, weiß die Beraterin. Da kann man sich nette Dinge ausdenken, schlägt sie vor, vielleicht mal alle ihr Mittagessen fotografieren und so ein Stück Alltag teilen oder die Kinder sollen Mama oder Papa fotografieren, wie sie so typischerweise aussehen, an diesen Home-Office Tagen: „Das sind Ideen, die dafür sorgen, dass sich der Alltag wieder entspannter anfühlt“.

Der Kreativität auf die Sprünge helfen

Wenn jetzt gefragt ist, an Konzepten zu arbeiten oder Ideen auszubrüten -  wozu man im Büro selten kommt - wie fängt man an? Auf Knopfdruck kreativ sein, das schafft wohl keiner. Susanne Westphal rät zu klarer Struktur: Nichts was ablenkt, erstmal aufräumen und dann ausprobieren was funktioniert, denn „Kreativität ist sehr individuell“. Eine Methode: Mit anderen Medien arbeiten als sonst. Wer normalerweise schreibt, kann es mit Malen versuchen oder versuchen sein Thema mit Lego-Steinen nachzubauen. Ein anderer Inspirationsbringer: Im Internet nach Schlagworten zum Thema suchen, aber bei den Bildern. „Da kann man neue Assoziationen finden und Möglichkeiten, ein Thema anders zu betrachten“.

Auch Heimarbeiter brauchen Entspannung, gerade jetzt, wo jeder sich auch mit Ängsten herumschlägt. Susanne Westphal schlägt vor, Dinge zu tun, mit denen sich positive Gefühle verbinden: „Ich mach etwas, womit ich mich immer schon wohlgefühlt habe und dadurch folgen mir die Gefühle“. Die persönliche feel-good Tätigkeit der Beraterin ist Stricken: „Ich setze mich im Moment sehr, sehr gerne bei guter Musik in meinen Lieblingssessel und stricke an einer komplizierten Jacke. Die wird jetzt wohl durch die Umstände schneller fertig als geplant.“

Im hier und jetzt bleiben

Und wenn sich Sorgen immer wieder in den Vordergrund schieben und man sich schlecht konzentrieren kann? Wer schon einmal eine Zeit voll schwerer Besorgnis erlebt hat, weiß vielleicht noch: Vieles, was in der Zukunft liegt, verschwindet völlig aus dem Blick. Wenn zum Beispiel ein Angehöriger in Lebensgefahr schwebt, ist alles andere unwichtig. Deswegen kann jetzt die Regel helfen: Mach dir keine Sorgen über die Zukunft“, meint Susanne Westphal: „Wer jetzt permanent drüber nachdenkt, wo soll die Miete in drei Monaten herkommen, kann ich meinen runden Geburtstag im Herbst groß Feiern – weg mit solchen Gedanken“. Sie schlägt stattdessen vor: „Machen Sie sich Gedanken über heute, vielleicht noch über morgen“. In einem Ausnahmezustand wie jetzt können solche Grübeleien zu keinem Ergebnis führen, deshalb sollte man versuchen, die weitere Zukunft auszublenden um sich nicht zu überfordern.

Arbeitsberaterin Susanne Westphal bietet auf ihrer Website aktuell einen lockeren Austausch von Ideen und Erfahrungen im Café Corona.

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren

© imago images/epd

München am Mittag Kleine Geschichte der Seuchen-Seelsorge

Eigentlich sollte die Kirche gut gerüstet sein für die Corona-Pandemie. Denn Seuchen-Seelsorge war für frühere Generationen fast schon etwas Normales.

01.04.2020

Aufgeräumtes Wohnzimmer
© max3d007 - stock.adobe.com

Mit Marie Kondo richtig Ordnung machen

Das ist noch gut, das kann man noch brauchen! Sich von alten oder überflüssigen Dingen zu trennen, ist nicht immer leicht. Mit den Tipps der japanischen Aufräumkönigin kann man den coronabedingten...

25.03.2020

© Kalinovsky Dmitry - adobe.stock

Damit aus der Corona-Krise keine Ehekrise wird

Die Psychologin Anjeli Goldrian von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Erzbistums erklärt im Interview, wie der Haussegen trotz Quarantäne und drohendem Lagerkoller intakt bleibt.

23.03.2020

Pater Anslem Grün
© imago images / Manfred Siebinger

Anselm Grün: "Es ist verständlich, dass Menschen den Koller bekommen"

In den nächsten Wochen werden die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen. Da ist Streit vorprogrammiert. Pater Anselm Grün zieht Parallelen zum Leben im Kloster.

23.03.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren