Hochfest Peter und Paul Immer noch ein kleiner Feiertag

29.06.2017

Die Apostel Petrus und Paulus werden bis heute hoch verehrt. Mittlerweile ist ihr Festtag ein gewöhnlicher Arbeitstag. Nur weiter im Süden gibt es eine Ausnahme.

Petrus und Paulus als Gravur in einer Katakombe.
Petrus und Paulus als Gravur in einer Katakombe. © Wikipedia - PD-old

München - Unsere Vorfahren hatten es gut: sie haben noch bis ins 19. Jahrhundert hinein am vorletzten Junitag immer frei gehabt. Der 29. Juni, das Hochfest der beiden Apostel Petrus und Paulus, war ein echter Feiertag. Und das hatte seinen Grund: dieser Tag gehört ähnlich wie das Weihnachtsfest am 25. Dezember zu den wichtigsten kirchlichen Festtagen. Das Fest erinnert nicht, wie sonst bei Heiligen-Gedenktagen üblich, an den Todestag der beiden Apostel, sondern an die Übertragung ihrer Reliquien in die Katakomben an der römischen Via Appia am 29. Juni 258. Das heutige Fest wird zum ersten Mal im Jahr 354 im Staatskalender Roms erwähnt.

Römer haben an "Peter und Paul" frei

Der Fischer Simon wurde von Jesus in den Jüngerkreis berufen. Der gab ihm auch den Namen "Kephas", der Fels, woraus im Lateinischen "Petrus" wurde. In allen Apostelverzeichnissen wird Petrus als erster genannt. Nach dem Tod Jesu übernahm er die Führung der Gemeinde in Jerusalem. Sein Tod in Rom unter Kaiser Nero gilt als historisch gesichert. Petrus wird als erster Papst der Kirche verehrt.
Saulus war ein fanatischer Christenverfolger. Durch die Begegnung mit dem auferstandenen Christus bei Damaskus wurde er bekehrt. Er wurde Christ, Apostel und Missionar. Aus Saulus wurde Paulus. Auf seine Initiative hin begann die junge Kirche mit der Heidenmission. Paulus bereiste Syrien, Griechenland, Spanien und Italien. Ohne seine Missionsreisen gäbe es heute keine Weltkirche. Paulus erlitt ebenfalls das Martyrium unter Kaiser Nero und gilt wegen seiner zahlreichen Briefe an die Gemeinden der Urkirche als Chef-Theologe.

Trotz der großen Bedeutung der beiden Heiligen ist der arbeitsfreie 29. Juni nach der Säkularisation verloren gegangen. Eine Ausnahme gibt es aber noch: die Römer dürfen heute zu Hause bleiben, denn Peter und Paul sind die Patrone der Stadt. Der Papst überreicht an diesem Tag den neu ernannten Erzbischöfen die Pallien aus Lammwolle, die die Bischöfe über ihren Gewändern tragen. Bei uns in Bayern hat sich immerhin noch ein wenig Brauchtum gehalten. Um Peter und Paul werden die neuen Priester geweiht. Auch der Brauch des Peterfeuers ist hier und da noch lebendig.

Würdigung
Der Vatikan hat Petrus und Paulus am 1. Juni dieses Jahres mit einer Zwei-Euro-Gedenkmünze bedacht. Die Münze soll an das Martyrium der römischen Stadtpatrone vor 1.950 Jahren erinnern. Petrus und Paulus starben der Überlieferung nach im Jahr 67. Die Gedenkmünze zeigt das Profil der beiden Heiligen und die für sie typischen Symbole, Schlüssel und Schwert.

Und im innerkirchlichen Leben hat sich sowieso nichts geändert. In der Liturgie wird Peter und Paul immer noch genauso groß gefeiert wie eh und je. Allein in München gibt es heute zwei große Festmessen: um 17.30 Uhr das Pontifikalamt mit Kardinal Friedrich Wetter im Liebfrauendom oder um 18.00 Uhr das feierliche Hochamt im Alten Peter am Rindermarkt. In München hat man an so einem Tag die Qual der Wahl. Gebührend gefeiert wird das Fest Peter und Paul also noch, auch wenn es längst kein staatlicher Feiertag mehr ist.

Das Münchner Kirchenradio überträgt das Pontifikalamt mit Kardinal Friedrich Wetter zum Hochfest Peter und Paul aus dem Münchner Liebfrauendom ab 17.30 Uhr live in seinem Programm (DAB+ im Großraum München und Web-Radio).

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© Fotolia/zatletic

Zum Gedenktag des heiligen Ignatius Vom Soldaten zum Seelsorger

Er begann erst mit 33 Theologie zu studieren und gründete 1534 die „Elitetruppe der Kirche“. Wie es zu dieser Kehrtwende im Leben des Ignatius von Loyola kam, lesen Sie hier.

31.07.2018

© Fotolia.com/Jochen Netzker

Irmengard-Gedenktag am 16. Juli Ansporn und Vorbild

Unter die vielen Touristen, die die Fraueninsel gerade in den Sommermonaten besuchen, reihen sich nicht wenige betende Wallfahrer zur seligen Irmengard ein. Warum, erläutert Pastoralreferentin Edith...

15.07.2017

© Diözesanmuseum Freising

Zum Gedenktag des heiligen Benedikt am 11. Juli Wie die Benediktiner Bayern geprägt haben

Benediktinerklöster dürfen in keinem Bildband über Bayern fehlen. Wie der Orden den Freistaat geprägt hat, erläutert Max Kronawitter hier.

11.07.2017

Mit dem Pilgerbüro durch Nordgriechenland Auf den Spuren des Apostels Paulus

Woran denken Sie, wenn Sie Griechenland lesen? Den Olymp, das Ägäische Meer, Schuldenkrise? Wie wäre es denn mit Apostel Paulus, Philippi, Wiege der europäischen Christengemeinde? Wir waren bei einer...

30.03.2017

© Münchner Kirchenzeitung

Debatte um "stillen" Karfreitag Bayerisches Feiertagsgesetz muss flexibler werden

Der Schutz des Karfreitags als stiller Feiertag wird in Bayern zu streng ausgelegt. Das hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt. Die Kirche bedauert den Beschluss.

30.11.2016

29. Juni Apostel Petrus und Paulus

Ohne die beiden Apostel Petrus und Paulus wäre die heutige Kirche nicht denkbar. Petrus wird von Jesus Fels genannt, auf dem die Kirche sich gründet. Er wird als erster Bischof von Rom angesehen. Bis...

29.06.2016

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren