Mit Céline durch den Advent In aller Herrgottsfrühe

16.12.2018

Michaelsbund-Volontärin Céline Kuklik stammt aus dem Saarland. Hier schildert sie, wie sie zum ersten Mal die Adventszeit in München erlebt. Im dritten Teil der Serie nimmt Céline an einer Rorate-Messe teil.

Kerzenschein erleuchtet die Kirche
Kerzenschein erleuchtet die Kirche © Kiderle

Mit Xylophon-Klängen reißt mich der Wecker meines Smartphones melodisch und dennoch gnadenlos aus dem Schlaf. Es ist die zweite Adventswoche, Mittwochmorgen, 5.30 Uhr. „Noch ein paar Minuten die Augen schließen“, sagt mein Kopf. Stattdessen setze ich einen Fuß nach dem anderen auf den kalten Parkettboden und wanke mit halb geschlossenen Augen ins Bad. In einer halben Stunde beginnt der Rorate- Gottesdienst in der Antoniuskirche in der Münchner Isarvorstadt. Diese Frühgottesdienste in der Adventszeit werden auch in meiner Heimat, dem Saarland, gefeiert. Doch ich muss gestehen, dass ich mich zu dieser Uhrzeit noch nie dazu aufraffen konnte. Jetzt, während meiner Volontärsausbildung, möchte ich mich endlich überwinden. Das kalte Wasser, mit dem ich mir das Gesicht wasche, spült auch die letzten Gedanken an Schlaf hinweg. 20 Minuten später stehe ich im Foyer des Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses und blicke skeptisch auf meine Uhr: Fünf meiner Volontärskollegen, mit denen ich hier zwei Wochen lang ein Seminar besuche, haben am Abend zuvor zugesagt, mich zum Gottesdienst zu begleiten. Zu meiner Überraschung halten alle fünf Wort.

In der morgendlichen Dunkelheit zur Kirche

Jeder gähnt mindestens einmal, als wir in der Dunkelheit des Wintermorgens über den Hof zur Kirche hinüberschlappen. Auf dem Weg zum Halbrund des Altarraums, wo sich alle zum Gottesdienst versammeln, nimmt sich jeder eine Kerze und stellt sie vor seinem Platz auf der Kirchenbank ab. Bis auf eine einzige elektrische Deckenleuchte wird der mächtige neuromanische Bau nur durch Kerzenschein „erhellt“. Das warme, flackernde Licht wandert die Wände hoch bis ins Gewölbe. Langsam beschleicht mich eine besinnliche Stimmung. Die Bänke füllen sich nach und nach; ich zähle etwa 40 Frühaufsteher, die sich zu dieser Stunde zur Kapuzinerkirche St. Anton aufgemacht haben.

„Taut, ihr Himmel, von oben ..."

In seiner Begrüßung heißt Pater Stefan Maria Huppertz auch uns Volontäre herzlich willkommen, meinen Kollegen huscht ein freudiges Lächeln übers Gesicht. „Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!“, heißt es dann in der Lesung aus Jesaja 45; in dieser frühen Morgenstunde im Advent kann ich besser denn je spüren, was es heißt, auf die Ankunft Gottes zu Weihnachten zu warten. An der Grenze zwischen Tag und Nacht beten und singen wir gemeinsam. Bei letzterem stelle ich fest, dass sich meine Stimme noch im Halbschlaf befindet: Statt hoher Töne kommt oft nur ein heiseres Krächzen zustande. Nach der Eucharistie, zu der wir einen großen Kreis um den Altar bilden, spielt Kirchenmusiker Stefan Rohrmeier mein liebstes Adventslied „Macht hoch die Tür“ – meine Stimme versteht das Lied als Weckruf: Die höheren Töne gelingen mir dieses Mal ohne größeres Halskratzen.

Nach dem Gottesdienst wartet im Pfarrsaal ein gemeinsames, liebevoll bereitetes Frühstück. „Ein ungewöhnlicher Start in den Tag“, stellt meine Kollegin Marisa fest und wir sind uns alle einig: Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Jetzt, wo ich eine Rorate- Messe in München besucht habe, kann ich mir vorstellen, im nächsten Advent auch zu einer im Saarland zu gehen. (Céline Kuklik)


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