Mesnerin Gertrud Fuchs-Pöttinger In der Natur Gott besonders nah

30.07.2018

Gertrud Fuchs-Pöttinger hat in ihrem Leben schon viele Facetten des Glaubens kennen und schätzen gelernt. Welche das sind, verrät die Göttinger Mesnerin hier.

Bei ihren geliebten Rosen fühlt sich Gertrud Fuchs-Pöttinger Gott besonders nah. © Schlecker

Götting – Gertrud Fuchs-Pöttinger lebt für und mit dem Glauben: 27 Jahre arbeitete sie als Religionslehrerin. Zwei Jahre vor Eintritt in den Ruhestand übernahm sie zusammen mit ihrem Mann das Mesneramt in der Pfarrei Götting (Dekanat Bad Aibling). Christliche Gebete und Rituale sind fester Bestandteil in ihrem Alltag.

Darüber nachgedacht, in ein Kloster einzutreten

Im Sommer sitzt die Seniorin am liebsten im Freisitz in ihrem Garten. Dort, inmitten der Natur, nah bei ihren geliebten Rosen, fühle sie sich Gott besonders nah. Der Glaube war Gertrud Fuchs-Pöttinger schon immer wichtig. „Ich habe sogar darüber nachgedacht, in ein Kloster einzutreten“, erzählt sie. Der Wunsch nach einer eigenen Familie führte sie aber auf einen anderen Weg. Heute, als Mutter von vier Kindern und Oma von sieben Enkeln, weiß sie: „Das war die richtige Entscheidung für mich.“

Gertrud Fuchs-Pöttinger wuchs zusammen mit fünf Geschwistern auf. Eine ihrer Schwestern verunglückte im Alter von 18 Jahren tödlich. Ihrer Mutter kam sie durch diesen schweren Schicksalsschlag näher: „Wir haben danach viel geredet und zusammen gebetet.“

„Gebete begleiten mich Tag für Tag“

Gebete spielen seitdem im Leben der 69-Jährigen eine wichtige Rolle. „Sie begleiten mich Tag für Tag“, berichtet sie. Dabei betet Gertrud Fuchs-Pöttinger aber nicht nur täglich für sich selbst und ihre Familie, sondern auch für Freunde und Bekannte. „Jeden Abend bete ich für sie vor dem Zubettgehen. Die Liste in meinen Kopf wird immer länger“, schmunzelt sie. Die Katholikin nutzt Gebete nicht nur, um für etwas zu bitten. Sie spricht damit auch oft Dank aus.

Gertrud Fuchs-Pöttinger ist sich sicher, dass ihr Glaube durch ihre Arbeit als Religionslehrerin vertieft wurde. Durch die Gespräche mit den Schülern habe sie auch ihre eigenen Ansichten immer wieder überdenken müssen. „In einer Klasse wurde mir einmal die Frage gestellt, wie es denn sein kann, dass alle Verstorbenen zusammen Platz im Paradies haben“, erinnert sie sich. Ihre eigene Vorstellung dazu lautet: „Wie die Gedanken aller Menschen Platz haben, so haben auch unsere Seelen in der himmlischen Gemeinschaft ihren Raum.“

Angst vor dem Tod hat die tiefgläubige Frau nicht: „Mehr von der Zeit davor, dem Unbekannten. Man weiß halt nicht, was da auf einen zukommt.“ Entscheidend sei, in dieser letzten und oftmals schweren Phase des Lebens jemanden zu haben, der einem beisteht und Trost spendet.

Veränderungen zum Positiven

Bei ihrem Vater kam der Tod überraschend: Der Mesner starb in der Kirche. „Natürlich haben wir getrauert, aber für ihn war es ein schöner Tod.“ Durch ihre Eltern seien regelmäßige Kirchenbesuche und die Ausübung von Ehrenämtern für sie schon als Kind selbstverständlich gewesen. Die Kirche habe sich seitdem verändert. „Vieles hin zum Positiven“, steht für die Mesnerin fest. Früher ging es ihrer Meinung nach zu viel um Sünden und den Teufel. So erinnert sie sich an eine für sie besonders verstörende Reaktion einer Ordensfrau nach dem Tod ihrer Schwester: „Ich wollte bei meinen Eltern bleiben und nicht in die weit entfernte Klosterschule gehen. Die Schwester erklärte mir, dass mir das der Teufel einsagt.“ Zum Glück sei die Zeit dieses „Angstglaubens“ vorbei. „Das Schöne an unserem christlichen Glauben ist doch, dass er nicht einengt. Wir können ihn sehr frei gestalten.“

Einige der Glaubensrituale, die ihr als Kind missfielen, hat sie als Erwachsene schätzen gelernt, beispielsweise das Rosenkranzgebet. „Das war mir als Kind viel zu lang.“ Mittlerweile möge sie dessen meditative Wirkung aber sehr: „So etwas kann man als Kind halt noch nicht verstehen.“

Die Lieblingsheiligen von Gertrud Fuchs-Pöttinger sind Gertrud von Helfta, Pater Rupert Mayer und Mutter Teresa. Den heiligen Antonius habe sie erst so richtig zu verehren gelernt, nachdem er ihr tatsächlich einige Male geholfen habe, etwas Verlorenes zu finden. Auch an die Existenz der Engel glaubt sie: „Sie begleiten und beschützen uns Menschen.“

Kirchenschmuck in symbolträchtigen Farben

Vor acht Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann das Mesneramt in der Göttinger Pfarrkirche übernommen. Bei der Gestaltung setzt sie statt auf üppigem Blumenschmuck auf die Symbolkraft der Farben. Mit Tüchern und Bändern versinnbildlicht sie die Glaubensbotschaften. Zur Aufgabe gemacht hat sie sich vor 19 Jahren außerdem die alljährliche Gestaltung der Osterkerze. Jedes Bild, in vielen Stunden liebevoll aus Wachs geformt, hat einen tieferen Sinn.

Gertrud Fuchs-Pöttinger hat in ihrem Leben schon viele Facetten des Glaubens kennen und schätzen gelernt, dazu zählen auch Wallfahrten und Aufenthalte auf Zeit in einem Kloster: „Der Glaube schenkt Vertrauen, Geborgenheit und ein Stück Heimat. Er gibt dem Leben einen Sinn.“ (Karin Wunsam)


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