Kinotipp "Born to be Blue" In jede Note schlüpfen

08.06.2017

In den 1950er Jahren galt Chet Baker als bester Trompeter der Welt - noch vor Miles Davis. Dann ließ ihn seine Heroinsucht jäh abstürzen. Diese Geschichte zeigt der Film "Born to be Blue" aktuell in den bayerischen Kinos.

Ethan Hawke spielt den Jazz-Trompeter Chet Baker.
Ethan Hawke spielt den Jazz-Trompeter Chet Baker. © Alamode Film

Gleich zu Beginn des Films ist Chet Baker im Jahr 1966 am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen: Er liegt von seiner Drogensucht gezeichnet auf dem Boden einer italienischen Gefängniszelle. Ein Hollywood-Produzent holt Baker – grandios gespielt von Ethan Hawke – zwar nach Hause, aber das geplante Filmprojekt mit dem Star-Trompeter scheitert, weil dieser von einem Dealer krankenhausreif geprügelt wird. Schlimmer noch: Baker verliert seine Vorderzähne, bekommt eine Zahnprothese und es ist fraglich, ob er sein Instrument jemals wieder bespielen kann. Bei einem ersten Versuch in der Badewanne bekommt er keinen Ton heraus, stattdessen versprüht die Trompete nur sein Blut.

Comeback-Story

Bakers einziger Lichtblick ist die Schauspielerin Jane (Carmen Ejogo), die sich seiner annimmt und um deren Hand er später anhalten wird. Mit Janes Hilfe (und dem Ersatzstoff Methadon) nimmt er den Kampf gegen die Heroinsucht auf und arbeitet langsam an seinem Comeback. Schließlich bekommt Baker die Chance, wieder im legendären Jazzclub "Birdland" vor seinem Konkurrenten Miles Davis aufzutreten.

Jane (Carmen Ejogo) hilft Baker bei seinem Comeback.
Jane (Carmen Ejogo) hilft Baker bei seinem Comeback. © Alamode Film

Melancholie und Leichtigkeit

Es ist die große Stärke des Films, dass sich die Handlung auf dieses Comeback des Musikers verdichtet. Zwar gibt es einige Rückblenden in schwarz-weiß, die Bakers erste erfolgreiche Auftritte in den 1950er Jahren zeigen, aber Regisseur Robert Budreau widersteht der Versuchung, Bakers doch recht frei erzählte Lebensgeschichte auf ein Jahrzehnte umspannendes Biopic aufzublähen. Vielmehr transportiert der Streifen in der Figur des Chet Baker gut die Mischung aus Melancholie und Leichtigkeit, für die Jazz auch stehen kann.

Dafür verantwortlich zeichnet natürlich vor allem das Spiel von Ethan Hawke. Kaum ein Schauspieler verkörpert die gebrochene und zugleich sympathische Künstlerseele so gut wie er. Der geniale Trompeter/Junkie, der im Rausch am liebsten in jede Note schlüpfen will, ist zweifelsohne eine seiner besten Rollen. (Klaus Schlaug)

Hier können Sie den Film in der Region München sehen.

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