Beistand vom heiligen Christophorus In München wurden Fahrzeuge gesegnet

30.07.2018

Bobbycars, Harley oder Oldtimer – Pfarrer Schießler von Sankt Maximilian im Münchner Glockenbachviertel segnete sie alle.

Pfarrer Schießler segnete alle Fahrzeuge-auch die der Kleinsten.
Pfarrer Schießler segnete alle Fahrzeuge-auch die der Kleinsten. © Klaus Chwalczyk

München – Dass sich der Gedenktag des heiligen Christophorus ziemlich genau mit dem Beginn der Sommerferien in Bayern traf, war wohl nicht geplant, passte aber dennoch hervorragend. Seit vergangenem Freitag ist wieder das große Verkehrschaos ausgebrochen. Der Münchner Flughafen legte in puncto Verspätungen am Samstagmorgen gleich vor: Eine Frau war unkontrolliert durch die Sicherheitskontrolle gegangen und hatte dadurch den Flugverkehr stundenlang lahmgelegt. Auf den Autobahnen sah es da erwartungsgemäß nicht besser aus. Zu den üblichen Staus kamen jede Menge Unfälle, als sich zum Berufs- und Lastverkehr tausende Urlauber gesellten. Da schadete es nicht, sich schnell nochmal beim Schutzheiligen der Reisenden etwas Beistand zu erbitten.

Buggys und Harleys sind startklar

Pfarrer Rainer Schießler hatte zusammen mit der St.-Christophorus-Bruderschaft am vergangenen Sonntag zur jährlichen Fahrzeugsegnung nach St. Maximilian ins Münchner Glockenbachviertel geladen. Die Polizei hatte die Wittelsbacherstraße für Autos und Motorräder der Gottesdienstbesucher, unter denen auch Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) war, gesperrt. Doch nicht nur die Fahrzeuge der Großen wurden gesegnet, sondern auch die der Kleinen. Zahlreiche Kinder kamen mit ihren Fahrrädern, Laufrädern, die Mütter mit Kinderwägen und Buggys, auch einige Bobbycars fuhren vor. Viele waren mit Blumen und Luftballons dekoriert, und der Nachwuchs konnte die anstehende Segnung während der Messe kaum erwarten.

Rücksicht nehmen im Straßenverkehr

Aber Pfarrer Schießler kannte kein Pardon, obwohl er „schon ein bissl geflashed war“ ob der vollen Kirche. Dann ging es aber mit der ganzen Routine eines Profis weiter, denn „bei uns ist sonntags gerne die Hütte rappelvoll“. Wobei wohl auch nicht allzu oft extra Stühle zu den Bänken gebracht werden müssen. Jovial und gleichzeitig grantelnd sprach er ernste Themen an: Angefangen bei den Straßen in München, die immer überlasteter seien, und dem Verkehr, der unter immer mehr Autos zu kollabieren drohe, sagte er, dass „Verständnis, Rücksicht und Solidarität“ im Straßenverkehr keine Tugenden, sondern Notwendigkeiten seien.

Pfarrer Schießler ist begeisterter Motoradfahrer und freute sich über die Zweiräder.
Pfarrer Schießler ist begeisterter Motoradfahrer und freute sich über die Zweiräder. © Klaus Chwalczyk

Kein Ende der Willkommenskultur

Solidarität war auch das Thema der Predigt zu Johannes 6,1–15. Wie Jesus sollten wir unser Brot mit allen teilen, besonders mit denen, die es nötiger hätten als wir. Die Willkommenskultur solle kein Ende finden, sondern im Gegenteil wiederbelebt werden: „Bei uns gibt es keine Fremden, jeder ist eingeladen“, erklärte Schießler. Angesichts des schwierigen politischen Klimas müsse man aufpassen, sich „nicht von denen verleiten zu lassen, die nur plakativ“ agieren würden. Weil CSU-Politiker Schmid in einer der ersten Reihen saß, nutzte Pfarrer Schießler die Gelegenheit und bat ihn nach vorne, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Der sichtlich überraschte Schmid reagierte souverän und warnte vor Kräften vom rechten Rand, die unsere Demokratie gefährden würden. Allerdings bat er Pfarrer Schießler schmunzelnd, das nächste Mal doch bitte vorgewarnt zu werden, bevor er nach vorne geholt werde.

Oldtimer und Familienkutschen

Als es endlich so weit war, fuhren die Kinder nach vorne und parkten ihre Fahrzeuge im Altarraum. Manche in Begleitung der Eltern, aber die meisten trauten sich allein. Auch wenn Mädchen und Buben nur ein paar Spritzer Wasser abbekamen, wurde im Altarraum an diesem Tag deutlich mehr als üblich gequietscht und gelacht. Währenddessen warteten vor der Kirche hunderte Erwachsene. Herausgeputzte Oldtimer waren genauso zu sehen wie Familienkutschen und die Nutzfahrzeuge von Handwerkern und öffentlichen Dienstleistern. Als begeisterter Motorradfahrer dürfte sich Schießler wohl am meisten über die vielen schönen Motorräder gefreut haben: glänzende Harleys, schnittige Ducatis und auch eine ganze Reihe Raritäten zogen an ihm vorbei, und er segnete fleißig die Zweiräder und deren Fahrer und Beifahrer.

Solidarität mit Unfallopfern

Als Zeichen der Solidarität bat die St.-Christophorus-Bruderschaft die Teilnehmer der Segnung um eine Spende in Höhe von einem halben Cent für jeden unfallfrei gefahrenen Kilometer im vergangenen Jahr. Das wären beispielsweise bei 1.000 Kilometern fünf Euro. Die Spende kommt Menschen zugute, die wegen eines Verkehrsunfalls schnell und unbürokratisch Hilfe benötigen. (Thomas Stöppler)


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