Gottesdienstverbote wegen Corona In unauflösbarem Gegensatz zum christlichen Glauben

08.04.2020

Dass auch über Ostern die Kirchen zu bleiben, ist unabdingbar und gegenteilige Forderungen asozial, meint Autor Thomas Stöppler.

Mann in Schutzkleidung hält ein Schild auf dem "Stayhome" steht
Menschenleben zu schützen muss wichtiger sein als ein Gottesdienst. © Gennady Danilkin – adobe.stock

München – Religiöse Bedürfnisse sind lebenswichtige Bedürfnisse. Das ist wohl ein Punkt, der gar nicht in Frage gestellt wird bei der laufenden Debatte um die Einschränkungen des kirchlichen Lebens. „Nahrung für die Seele" nennt die Inititative Pontifex Gottesdienste und auch die Kommunion, die Messe und alle Rituale und Sakramente, in denen Menschen ihrem Glauben Ausdruck verleihen, sind diese Nahrung. Nur sind sehr viele dieser Rituale gerade für die Gesundheit gefährlich und deswegen sind Debatten über die Wiederaufnahme von Gottesdiensten asozial.

Corona hat uns alle fest im Griff und so schnell wird sich das nach den jüngsten Aussagen der bayerischen Staatsregierung nicht ändern. Viele kleine Betriebe stehen vor dem Aus und daran werden diverse Rettungspakete des Bundes und der Länder nichts ändern. An diesen Betrieben hängen Besitzer, Angestellte und Familien mit Kindern und dennoch öffnen Cafés und Restaurants nicht, Friseure und Buchläden bleiben geschlossen. Die schreien alle nicht. Dabei geht es bei Fahrradmechanikern, Elektronikfachangestellten und Co. um die Existenz. Ums täglich Brot, wenn man so will.

Da fehlt ganz viel

Gläubige müssen nicht um ihren Glauben bangen. Zum einen ist der Glaube nichts, wofür man einen Priester braucht. Gottesdienste mit Priestern soll helfen und die Sakramente auch, aber letztendlich findet der Glaube in den Herzen der Menschen statt. Und wer nicht auf die Hilfestellungen verzichten will, bekommt diese im Internet, Radio oder Fernsehen. Jeden Tag und rund um die Uhr.

Das ist natürlich nicht das gleiche, da fehlt nicht etwas, da fehlt ganz viel. Ein Kirchenbesuch macht auch Eindruck durch Sinne, die weder Internet noch Radio übertragen können. Zum Beispiel der Geruch von Weihrauch oder das alte, viel benutzte Papier des Gotteslobs und natürlich die Eucharistie. Vor allem aber fehlt die Gemeinschaft. Der kurze Plausch vor der Kirche und beim gemeinsamen Singen und Beten die Stimmen der anderen zu hören. Ein Gottesdienst sagt ganz oft einfach: Du bist nicht allein.

Sozialdarwinistisch oder schlicht asozial

Das kann das Internet eher schlecht. Aber ein virtueller Gottesdienstbesuch kann verhindern, dass man andere Personen ansteckt. Und gerade bei Gottesdiensten sollte die Angst eher größer als kleiner sein. Corona ist für Menschen jenseits der 60 besonders gefährlich und der durchschnittliche Gottesdienstbesucher ist wohl über 60. Wenn nun junge Menschen fordern, wieder Gottesdienste abzuhalten, ist das schlicht asozial oder sozialdarwinistisch. Beides steht in unauflösbarem Gegensatz zum christlichen Glauben.

Und auch der Vergleich mit dem Supermarkt, der ja immer noch offen hat und dort sei die Ansteckungsgefahr viel größer, ist falsch. Essen müssen alle Gläubige wie nicht Nicht-Gläubige. In den Gottesdienst gehen muss keiner, auch wenn es vielen sicher gut tut und tun würde. Oder frei nach Bert Brecht: Erst kommt das Fressen, dann kommt der Glaube.

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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