Tag des Weißen Stocks Inklusion am Altar

14.10.2019

Am 15. Oktober ist der „Tag des Weißen Stocks“. Er soll zu mehr Rücksicht gegenüber blinden und sehbehinderten Menschen aufrufen. Ein Ort an dem das schon viele Jahre sehr gut funktioniert, ist die Pfarrei Sankt Quirin in München-Aubing.

Pater Abraham mit dem blinden Martin Kraus und Mit-MInistrantin Corinna Binz © SMB/sschmid

München – Sonntagvormittag. 10.30 Uhr. Martin Kraus steht im Ministrantenzimmer um sich einzukleiden. „Welche Größe brauchst du nochmal beim Chorhemd?“ fragt seine Schwester und holt das entsprechende Gewand aus dem Schrank. „Arme hoch“, fordert sie den 19-Jährigen liebevoll auf und zieht ihm das Kleidungsstück über den Kopf. Denn, Martin ist blind. Vieles schafft er allein, bei anderen Dingen, sei es die richtige Größe im Schrank zu finden, freut er sich über Hilfe. „Deine Plakette zum Umhängen, findest du ja selbst“, meint Carina anschließend.

Räuchern ist das Beste

Martin, der von Geburt an blind ist, ministriert seit gut sieben Jahren in Sankt Quirin in Aubing. Direkt nach der Kommunion habe er sich nicht getraut und sei sich unsicher gewesen, ob das als blinder Mensch klappe, erzählt Carina. Dann aber sei er immer dabei gewesen und irgendwann haben ihn Pfarrer und Lektorin gefragt, ob er es nicht einmal ausprobieren möchte. Martin machte das und ist seitdem dabei. „Ich läute gern die Glocken während der Wandlung. Abwasch habe ich auch schon gemacht“, erzählt der 19-Jährige begeistert. Sein absolutes Highlight ist aber der Weihrauch. „Räuchern tue ich gern. Meist mache ich das mit zwei anderen Ministranten, die mir dann ein bisschen helfen. Ich nehme dann das Weihrauchfass und muss es dann dem Pfarrer reichen. Ich mag den Geruch von Weihrauch. Also es gibt natürlich verschiedene Sorten – aber ich finde der Geruch hat was“, erklärt Martin.

Bereicherung der Gemeinschaft

Mittlerweile macht der Blinde eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation in Chemnitz und ist nur noch jedes zweite Wochenende daheim. Dann aber will er unbedingt in Sankt Quirin am Altar stehen. Pannen oder Unfälle gab es dabei noch nie. Beim Einzug hakt er sich bei einem Mitministranten ein, der ihm auch Bescheid gibt, wenn die Altarstufen kommen. „Wir müssen ihm auch sagen, wenn er sich setzten soll und ihm zeigen, wo der Hocker steht“, sagt Mit-Ministrantin Sarah. Aber es klappt sehr gut. Martins Schwester Corinna ergänzt: „Es macht total Spaß mit Martin. Ich glaube, dass er eine Bereicherung für die ganze Gemeinde ist. Alle anderen Kinder und Jugendlichen haben mit ihm zu tun. Er ist gut integriert und jeder hilft ihm, wenn er mal Hilfe braucht. Alle neuen Ministranten wachsen ganz natürlich da hinein und das ist echt schön.“

Eine Aussage, die Pater Abraham Nedumthakidy, der Pfarrer des Pfarrverbands Sankt Quirin/Sankt Michael nur bestätigen kann. Die Ministranten Arbeit habe so eine andere Qualität, meint er. Es mache die Kinder stolz Martin zu helfen. „Martin ist für uns eine Bereicherung. Er zeigt, dass Behinderte vor Gott und am Altar einen Platz haben. Es ist immer schön zu sehen, wie andere Ministranten ihn in den Altarraum führen. Das ist eines der schönsten Erlebnisse meines Seelsorger-Lebens“, erzähl Pater Abraham. Inklusion, die gelungen ist und allen Freude macht - dem blinden Ministranten wie der ganzen Gemeinde.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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