Burka-Verbot in Bayern Integration lässt sich nicht anordnen

01.08.2017

Seit heute ist in Bayern das sogenannte Burka-Verbot in Kraft. Wer davon betroffen ist und was die Vize-Direktorin des Islamischen Forums Penzberg dazu sagt, lesen Sie hier.

In Deutschland lebende Muslima, die eine Burka tragen, sind selten. © KNA

München/Penzberg – Seit heute ist das „Gesetz über Verbote der Gesichtsverhüllung in Bayern“ in Kraft. Demnach dürfen bayerischen Beamtinnen sowie Mitglieder einer Hochschule in Hochschuleinrichtungen und bei Hochschulveranstaltungen ihr Gesicht grundsätzlich nicht verhüllen. Dasselbe gilt in der Schule und bei Schulveranstaltungen und für Beschäftigte in Kindertageseinrichtungen sowie für Tagespflegepersonen. Von Vollverschleierung spricht man, wenn das Gesicht vollständig bedeckt ist, entweder durch eine Burka oder ein Nikab (siehe Grafik).

Für die Vize-Direktorin des Islamischen Forums Penzberg, Gönül Yerli, ruft dieses Verbot Emotionen hervor. „Hier geht es um eine Frage der Religion und ich weiß zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wie ich das Verbot einschätzen soll“, so die gläubige Muslima. Man müsse abwarten, was das Burka-Verbot auslösen werde. Es könne sein, dass es künftig mehr Burka-Trägerinnen in Deutschland gebe, „als Trotzreaktion“.

Zahl der Burka-Trägerinnen verschwindend gering

Doch von wie vielen Fällen sprechen wir eigentlich? Nach Schätzungen würden in Deutschland gerade mal 100 Frauen eine Burka oder einen Nikab tragen, so Yerli. Die Anzahl an konkreten Fällen, in denen das Burka-Verbot künftig greift, dürfte also verschwindend gering sein. Doch wie so oft ist die Außenwahrnehmung eine andere. Das lässt sich gut am Beispiel Kopftuch veranschaulichen: In Deutschland würden gerade mal 20 Prozent der muslimischen Frauen überhaupt ein Kopftuch tragen, so Yerli. „Natürlich nehmen wir die muslimischen Frauen, die ein Kopftuch tragen, eher war, also die anderen“, so die Theologin. Aber die große Mehrheit der muslimischen Frauen würden eben kein Kopftuch tragen.

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Vier Arten der islamischen Frauenbekleidung. © KNA

Die Begründung für das Burka-Verbot kann Yerli allerdings nachvollziehen. Darin heißt es, dass es Menschen für die Erledigung staatlicher Aufgaben möglich sein muss, Beamtinnen ins Gesicht zu schauen. Eine Gesichtsverhüllung sei nicht hinnehmbar, wenn diese das Vertrauen in ein öffentliches Amt und damit in die Tätigkeit und Integrität des Staates beeinträchtige. „Ich lebe seit 40 Jahren in diesem Land und schätze die Freiheit und Offenheit hier“, betont Yerli, die versteht, dass man in solchen Tätigkeiten mit der Burka Probleme hat.

Integration geht nicht von oben herab

Doch Integration könne man nicht von oben herab anordnen, so Yerli. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte kürzlich zum Vollverschleierungsverbot: „Integration bedeutet auch, dass wir unsere Werte und die Grenzen unserer Toleranz gegenüber anderen Kulturen deutlich machen und vermitteln“. Natürlich bräuchte man eine gemeinschaftliche Ordnung, die das Zusammenleben der Menschen regelt, so Yerli. Besser wäre es aber gewesen, hier auf den Einzelfall zu schauen und die Menschen nicht dazu zu zwingen, sich unterzuordnen. Man müsse die Beweggründe der Frauen anschauen, die eine Burka tragen.

Gönül Yerli vor der Penzberger Moschee. © SMB/Burkhard

Burka auch bei Muslimen umstritten

Das Thema Burka ist nicht nur bei Nicht-Muslimen sehr ambivalent, auch in der islamischen Community seien Burka und Nikab durchaus umstritten, so Yerli. Dass eine Frau sich vollverschleiert kann Yerli, die selbst ein Kopftuch trägt, aber nachvollziehen. „Es gibt unterschiedliche Interpretationen einer Koran-Textstelle und für manche Frauen gilt die Interpretation, dass sie ihr Gesicht in der Öffentlichkeit nicht zeigen sollen“, so Yerli.

Sie selbst kann sich das Tragen einer Burka zwar nicht vorstellen, aber: „Wenn es eine Frau schon soweit geschafft hat, Lehrerin an einer Schule, Beamtin oder Juristin zu sein, dann hat sie die Integration eigentlich schon geschafft, dann sollte man dieser Frau auch zugestehen, dass sie weiß, was sie tut.“ so Yerli.

Der Autor
Karsten Schmid
Online-Redaktion
k.schmid@st-michaelsbund.de


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