Aussendung Pastoralassistenten Interesse an Gott und den Menschen

23.06.2017

Am Samstag werden zwei jungen Frauen und ein junger Mann bei einem Gottesdienst in Neufahrn bei Freising als Pastoralassistenten ausgesandt. Vorab waren Magdalena Dobler, Christina Petersen und Raoul Rossmy zum Gespräch bei uns.

Beim Gespräch in der Redaktion (von links): Magdalena Dobler, Raoul Rossmy und Christina Petersen. © SMB/Ertl

Als „ganz klassisch“ bezeichnet Christina Petersen ihren Weg: Aufgewachsen in Truchtlaching in einem kirchlich engagierten Elternhaus gehörte der sonntägliche Gottesdienstbesuch fest dazu, Christina ist Ministrantin. Eine Bekannte arbeitet als Gemeindereferentin. Durch sie lernt sie die verschiedenen kirchlichen Berufsbilder kennen. Und wie es nach der vierten Klasse um die Wahl der weiterführenden Schule geht, ist für Christina klar: „Ich gehe aufs Gymnasium, weil ich will Theologie studieren – ohne überhaupt zu wissen, was das genau ist“, wie sie lachend hinzufügt: „Ich wusste nur, dazu braucht man Abitur.“ Als Seelsorgerin will sie den Menschen vor allem vermitteln: „Ich interessiere mich für Dich, denn es gibt einen Gott, der sich für die Menschen interessiert, auch wenn das heute vielleicht nicht mehr so viele wissen. Ich will seine Stimme und sein Ohr sein.“ Der Glaube sei „wie ein Gesundheitselixier“ für den Menschen.

Durchkämpfen bis zur Aussendung

Auf dem ersten Wochenende ihrer studienbegleitenden Ausbildung, damals im ersten Semester, lernt Christina einen jungen Mitstudenten kennen: Raoul Rossmy. Gemeinsam habe man sich „durchgekämpft“, bis jetzt zur Aussendung. Rossmy ist heute kein unbeschriebenes Blatt: Der junge Mann aus dem Pfarrverband Haidhausen hat sich außer der Theologie auch der Kunst verschrieben, bereits diverse Projekte in den vergangenen Jahren realisiert: eine Ausstellung seiner Werke im Münchner Liebfrauendom, eine Kapellengestaltung in Kloster Rohr in Niederbayern, eine Trauernische in St. Clemens in München-Neuhausen, ein „Fastentuch“ im Rahmen des Jahres der Barmherzigkeit in Heilig Blut in Rosenheim, eine Fastenpredigtreihe zu seinen Bildern, eine Installation bei der Jugendnacht zu Patrona Bavariae im Mai in München. Diese brachte es zum Titelbild der Münchner Kirchenzeitung. Auch die Einladungskarte zur Aussendungsfeier gestaltete Rossmy. Der junge Theologe zeichnete schon als Kind gern, entdeckte aber relativ spät die religiöse Kunst: „Zu Schweigeexerzitien nahm ich einfach mal Palette und Leinwände mit und fing erstmals an, religiöse Themen zu malen.“ Eine Kollegin ermunterte ihn, seine Werke öffentlich zu präsentieren, seitdem sei es „eskaliert“, wie er augenzwinkernd meint. Leicht hat er es sich nie gemacht mit dem Glauben: In seiner Jugend war alles „ganz normal“: Pfarrjugend, Ministrantenzeit. Zur Firmung dann die Krise: Kurz hintereinander sterben seine beiden Großväter, eine Großmutter erkrankt schwer. „Da hab ich sehr mit Gott gehadert, der Kumpeltyp Jesu, den man uns in der Firmvorbereitung vermittelte, erschien mir damals als reine ,Verarschung‘“, gesteht er. Der junge Raoul wendet sich anderen Kulturen und Religionen zu, spricht „mit jedem Verrückten in der Fußgängerzone“ – und landet doch wieder bei der Bibel. „Ich las sie sehr intensiv und hatte dann endlich verstanden, wer damals am Kreuz hing.“ Rossmy findet Trost und Seelenfrieden darin, dass Gott dem Menschen „im sinnlosen Leid nahe ist“. So beschließt er für sich nach dem Abitur: „Theologie, das könnte was sein.“ Heute ist er überzeugt, dass „unser Glaube im Hier und Jetzt Relevanz hat und dass er die Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit besitzt“. Das möchte Rossmy als Seelsorger und Künstler auch den Menschen aufzeigen.

Jeder in der Kirche ist wichtig

Wie es ist, Pastoralreferentin zu sein, das lernte Magdalena Dobler schon im heimischen Straßkirchen in der Diözese Passau kennen: Beide Eltern waren nämlich bereits in diesem Beruf aktiv. Theologie hatte in ihrer Familie darüberhinaus große Tradition: Auch der Großvater war Theologe, ihr Taufpate Lorenz Rauschecker, Mitglied der Würzburger Synode, debattierte mit Rahner und Ratzinger. „Dennoch wurde ich von all dem nicht abgeschreckt, im Gegenteil: Von Klein auf hat mich nix anderes fasziniert und interessiert als die Theologie“, blickt sie zurück. Stark geprägt habe sie dazu auch ihre Zeit als Pfadfinderin bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) in ihrem Heimatbistum. „Einmal Pfadi, immer Pfadi“, lacht sie. Als Seelsorgerin möchte sie den Menschen zusagen: „Jeder, der in der Kirche dabei ist, ist wichtig. Zusammen machen wir weiter.“

Alle drei haben sich durch ihr Theologiestudium, verschiedene Praktika und eine studienbegleitende Ausbildung intensiv auf ihren Beruf vorbereitet, zuletzt im zweijährigen „Pastoralkurs“ in Pfarreien und Pfarr-
verbänden des Erzbistums. Nach ihrer Aussendung folgt nun die dreijährige Berufseinführung als „Pastoralassistent/-in“, die mit der sogenannten zweiten Dienstprüfung abgeschlossen wird. Dann ist man „Pastoralreferent/-in“. Alle drei kennen auf ihrem Glaubens- und Ausbildungsweg Hoch- und Tiefs oder „Wüsten und Chancenzeiten“, wie sie es bezeichnen. Doch alle drei versichern auch: „Durch unsere Ausbildung haben wir sehr viel über uns selbst gelernt und uns in unser Persönlichkeit entwickelt.“ Wer Seelsorger sein wolle, der müsse vor allem auch immer wieder über sich selbst nachdenken. Nur dann könne es gelingen, „dass sich die Menschen mir gegenüber öffnen“, sind alle drei überzeugt.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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