Kommentar zur Papst-Reise Interreligiöser Dialog auf Arabischer Halbinsel

04.02.2019

Es ist ein historischer Besuch: Papst Franziskus reist zum ersten Mal in die Vereinigten Arabischen Emirate. Nur auf Kuschelkurs darf der Papst dabei aber nicht gehen, kommentiert Tanja Bergold.

Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (l.), Herrscher von Dubai, sowie Vizepräsident und Ministerpräsident der Vereinigten Arabischen Emirate; und Mohammed bin Zayed Al Nahyan (r.), Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate, schreiten mit Papst Fran
Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (l.), Herrscher von Dubai, sowie Vizepräsident und Ministerpräsident der Vereinigten Arabischen Emirate; und Mohammed bin Zayed Al Nahyan (r.), Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate, schreiten mit Papst Franziskus über einen roten Teppich im Präsidentenpalast in Abu Dhabi am 4. Februar 2019. © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

München – Die Erwartungen sind hoch und die Kommentare überschlagen sich: „Historische Reise“, ein „Meilenstein“ in den Beziehungen, ein „neues Kapitel im interreligiösen Dialog“. Zum ersten Mal besucht ein Papst die Arabische Halbinsel – genauer gesagt die Vereinigten Arabischen Emirate. Die sind ein religiös tolerantes Land, es herrscht relative Religionsfreiheit. Der Bau von Kirchen ist erlaubt und so können die 900.000 Katholiken – zumindest hinter der Pfarrhaustür – ihren Glauben frei leben. Und: Der Papst darf bei seinem Besuch eine große Messe feiern, zu der rund 120.000 Gläubige erwartet werden. Eine weitere Premiere in der Geschichte der Halbinsel.

Heißes Pflaster

Genau diese Toleranz will Franziskus stärken. Nichtmuslime genießen Freiheiten! Das soll nicht nur so bleiben, sondern ausgebaut werden. Der Vatikan stellt zwar klar: Der Papst will keine Politik machen! Ihm geht es um den Dialog und den Frieden zwischen Muslimen und Christen – die rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Doch Franziskus begibt sich auf ein heißes Pflaster und dementsprechend zurückhaltend ist das Programm: Nur zwei Ansprachen, keine Treffen mit Randgruppen oder Jugendlichen und öffentliche, kritische Appelle wird er sich wohl sparen.

Trotzdem: Franziskus ist nicht auf Kuschelkurs: Zum Beispiel hat er vor seiner Abreise den Krieg im Jemen angeprangert, in den die Vereingten Arabischen Emirate verwickelt sind. Er stellt sich für den Frieden und gegen jede Form von Abwertung – übrigens auch gegen alle, die den Islam abwerten.

Historische Chance

In Zeiten von Fundamentalismus, Gewalt gegen Christen und Vorurteile gegen Muslime ist das um so wichtiger: Franziskus setzt mit dieser Reise ein Zeichen für den interreligiösen Dialog, für Menschenrechte und Religionsfreiheit. Es ist eine historische Chance, die er hoffentlich nutzt, um den Menschen klarzumachen: Verständigung und Frieden zwischen Christen und Muslimen sind möglich. Und: Null Toleranz gegen jede Form von Gewalt im Namen Gottes.

Der hilft seinem Stellvertreter auf Erden übrigens auf seine Weise: Am Tag der Ankunft hat es in Abu Dhabi geregnet. Regen wird dort, so der Papst, als Segenszeichen verstanden. Das lässt doch hoffen…


Das könnte Sie auch interessieren

Papst Franziskus begrüßt Frauen am 31. März 2019 in einem katholischen Sozialzentrum in Temara (Marokko).
© Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Abschluss der Papstreise Franziskus wirbt in Marokko für Brüderlichkeit

Papst Franziskus hat in Marokko deutliche Akzente gesetzt: Für Brüderlichkeit warb er auch in der Schlussmesse. Wichtig bei seiner zweitägigen Reise war ihm auch Nähe zu Migranten, die Ortskirche...

01.04.2019

Papst Franziskus ist in Marokko eingetroffen.
© imago/PanoramiC

Marokko-Reise Papst wirbt für Dialog zwischen Christen und Muslimen

Papst Franziskus ist zu einem zweitägigen Besuch in Marokko eingetroffen. An Gastgeber König Mohammed VI. richtete er eine klare Forderung.

31.03.2019

Marokko ist das nächste Reiseziel des Papstes.
© imago/ZUMA Press

Ein Land der Gegensätze Papst Franziskus besucht Marokko

Franziskus besucht am Wochenende Marokko. Das nordafrikanische Land ist beliebtes Reiseziel für Europäer. Nicht nur Marokkaner hingegen zieht es nach Europa - möglichst um zu bleiben. Der Papst im...

29.03.2019

Der Petersdom
© SMB

Der Vatikan mit Doppelrolle 90 Jahre Vatikanstaat

Es ist der kleinste Staat der Welt. Grad mal 450 Menschen besitzen die Staatsbürgerschaft und heuer wird er 90 Jahre alt: der Vatikan. Seit 1929 ist er ein völkerrechtlich anerkannter Staat. Warum das...

11.02.2019

Papst Franziskus im Zayed Sports City Stadium in Abu Dhabi
© Paul Haring/CNS photo/KNA

Franziskus beendet historische Reise Erste Papstmesse auf Arabischer Halbinsel

Zum ersten Mal hat mit Franziskus ein Papst auf der Arabischen Halbinsel einen großen Gottesdienst gefeiert. An der Messe in Abu Dhabi nahmen mehr als 120.000 Menschen teil, darunter auch 4.000...

05.02.2019

Papst Franziskus und Muhammad bin Zayed Al Nahyan, Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate
© Paul Haring/CNS photo/KNA

Franziskus in den Arabischen Emiraten Papst dankt für "herzliches Willkommen"

Papst Franziskus besucht als erster Papst die Arabische Halbinsel. Schwerpunkt der Reise ist der Dialog zwischen den Religionen.

04.02.2019

Vor der Abschlussmesse: Die Ankunft von Papst Franziskus.
© imago/Agencia EFE

Abschluss des Weltjugendtages Papst an die Jugend: Eure Zeit ist heute, nicht morgen

Mit einer halben Million Gläubigen hat Papst Franziskus eine Messe zum Abschluss des Weltjugendtages gefeiert.

27.01.2019

Jugendliche tragen ein großes Holzkreuz während des Kreuzwegs mit Papst Franziskus.
© kna

Weltjugendtag in Panama Papst betet mit Jugend Kreuzweg

Der Freitag beim Weltjugendtag ist traditionell den Themen Buße und Vergebung gewidmet. So war es auch in Panama.

26.01.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren