Ostern und die Auferstehung "Irgendwie" genügt nicht

04.04.2021

Wir Menschen haben eine unstillbare Sehnsucht, dem Tod am Ende doch ein Schnippchen zu schlagen. Haben wir deshalb Ostern "erfunden", ein schönes Märchen von einem, der aus dem Grab zurückgekehrt ist?

Zwei Hände strecken sich zueinander, im Hintergrund die Sonne und ein Kreuz
Der auferstandene Christus öffnet unsere Gräber, die Gräber der Resignation und Zaghaftigkeit. © BillionPhotos.com - stock.adobe.com

Es ist der Härtetest christlicher Überzeugung, die Probe aufs Exempel, der Punkt, an dem sich alles entscheidet: der Glaube an die Auferstehung. Wie schon Paulus wusste: „Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.“ (1 Kor 15,17ff.)

Übertreiben sie da nicht ein wenig, die Theologieprofessoren und Prediger? Kann nicht auch ein tragischerweise am Kreuz ein für allemal gestorbener Jesus ein fantastischer Mensch gewesen sein, ein Vorbild für ein gelungenes Leben? Und wenn er im Grab geblieben wäre wie alle anderen Toten, gäbe es deshalb keine Hoffnung mehr auf eine Weiterexistenz beim guten Gott, irgendwie?

Wenig Anhaltspunkte

Eben. „Irgendwie“ genügt nicht. Wir Menschen haben alle eine unstillbare Sehnsucht, nicht verloren zu gehen, von denen, die wir lieben, nicht auf ewig getrennt zu werden, dem Tod am Ende doch ein Schnippchen zu schlagen. Hat diese verzweifelte Sehnsucht „Ostern“ erfunden, ein schönes Märchen von einem, der aus dem Grab zurückgekehrt ist? Oder hat es die Auferstehung wirklich gegeben?

Wir haben keine Fotos, keine Augenzeugen, keine kriminalistische Spurensicherung. „Spuren“, Indizien, Anhaltspunkte haben wir allenfalls im Verhalten von Jesu Freunden: Dieselben Feiglinge, die sich nicht zum Kreuz getraut – das überließen sie den tapferen Frauen – und nach Jesu Hinrichtung versteckt und eingeschlossen haben, beginnen wenige Tage und Wochen später als Missionare durchs Land zu ziehen und lassen sich für ihre Überzeugung inhaftieren, foltern und hinrichten: Er lebt! Wir haben ihn gesehen, er hat mit uns gegessen und getrunken.

Ob das reicht? Aus dem verzagten Freundeskreis eines Hingerichteten wurde eine Glaubensgemeinschaft, die zwei Jahrtausende überdauert und die Welt verändert hat – im Guten, manchmal auch im Schlechten. Nur um einer Illusion willen?

Der Tod hat nicht das letzte Wort

Dennoch, beweisen kann man die Auferstehung Jesu nicht, man kann sie nur glauben. Und begreifen, was Gott der Menschheit damit zeigen will: Jesus Christus war der Mensch, in dem ich für euch ein Gesicht gewonnen habe, berührbar geworden bin. Wenn ich diesen Christus aus dem Grab zurückgeholt habe, dann hat der Tod nicht mehr das letzte Wort, dann werdet ihr alle leben.

Dann hat ein Leben nach dem Muster seines Lebens, Gott treu und leidenschaftlich in die Menschen verliebt, einen bleibenden Sinn. Es gibt nicht nur den Kreislauf ewiger Wiederkehr, wie die Mythen erzählen; nicht nur unsere Seelen werden irgendwie weiter existieren, wie die Philosophen behaupten; nein, mein und dein konkretes Leben geht nicht verloren. Eines Tages wird es Anteil erhalten am Leben Christi, in dem Gott auf dieser Erde präsent war – und ist.

Eine Ahnung davon ist schon in den späten Schichten der hebräischen Bibel da: Gott ist kein Gott der Toten, deshalb wird er sie beleben. In der Jesusgeschichte wird dieser Sieg des Lebens über den Tod endgültig.

Solidarität mit den Leidenden

Es ist eine Botschaft, die tatsächlich die Welt verändert. Denn der auferstandene Christus öffnet unsere Gräber, die Gräber der Resignation und Zaghaftigkeit. Er stachelt uns an, unsererseits gegen die Mächte des Todes und des Bösen zu kämpfen. Er schenkt Kraft, Mut und die Fähigkeit zur Solidarität mit den Leidenden. „Er ist die ewige Unruhe dieser Welt geworden“, schrieb Karl Rahner SJ, „indem er das Herz der Welt wurde.“

Und er fährt fort: „Und so sind wir gefragt: Tod oder Leben? Sinn oder Unsinn? Sind wir gefragt: Ideale, die nebelhaft unverbindlich sind, oder wirkliche Tatsachen? Wenn wir glaubend und handelnd uns eindeutig entscheiden zum Sinn und Leben, und zwar als Tatsache, wenn wir Leben und Tod als bloße Ideale für zu wenig finden, wenn wir Leben und Sinn als Tatsache ganz und nicht halb, in maßloser Größe und Weite bejahen, dann haben wir (ob wir es wissen oder nicht) Ostern gesagt.“ (Christian Feldmann)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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