Kirche und Islam Irritationen im Dialog

28.09.2017

Bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda haben die deutschen Bischöfe auch über die Beziehung der katholischen Kirche zum Islam gesprochen. Dabei beobachten sie einige Entwicklungen mit Sorge.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing.
Der Limburger Bischof Georg Bätzing. © imago

Fulda – Bischof Georg Bätzing spricht von „Rechtfertigungsdruck“, unter dem der katholisch-islamische Dialog zurzeit steht. Und er steige mit jedem Anschlag unter Berufung auf Allah mehr. Trotzdem sei eher „mehr als weniger Dialog“ erforderlich, so der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für interreligiöse Fragen am Dienstag bei einem Pressegespräch. Nur so könnten beide Religionen Teil der Lösung internationaler Probleme sein. Deshalb werde die katholische Kirche in Deutschland auch weiterhin jeder Form der Islamfeindlichkeit entgegentreten und sehe keine Alternative zum Gespräch mit den Muslimen. Die Bischöfe seien aber schmerzhaft berührt, „die dem Christentum so sehr verwandte Weltreligion Islam dadurch 'pervertiert' zu sehen, „dass sich kriminelle Extremisten zur Legitimierung ihrer Verbrechen auf sie berufen“. Dies müsse auch in der Begegnung thematisiert und mit der Frage verbunden werden, „wie sehr die Muslime selbst darunter leiden“.

Dialog ändert sich

Bätzing bedauerte, dass dieser Dialog „zurzeit besonders durch die gegenwärtigen Entwicklungen irritiert ist “. Dabei nannte Bätzing insbesondere die Ditib. Der Verband vertritt die Interessen der türkischen Muslime in Deutschland und ist mit der staatlichen Religionsbehörde Diyanet verbunden. Ein Gutachten der Diyanet hatte jüngst dem Westen und den Kirchen unterstellt, die von der türkischen Regierung bekämpfte Gülen-Bewegung zu unterstützen und junge Muslime in ihrem Glauben verunsichern zu wollen.„Das waren wir bisher nicht gewohnt“,sagte Timo Güzelmansur, Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO), in dem Pressegespräch. Diese Auseinandersetzungen innerhalb der türkischen Gesellschaft erreichten nun auch Deutschland und „berühren unser Zusammenleben und verändern den Dialog“.

Islamischer Religionsunterricht weiter gefördert

Die katholische Kirche habe deshalb einen schriftlichen Fragenkatalog an die Ditib gerichtet, erläuterte Bätzing. Eine Antwort sei bereits eingegangen und werde nun ausgewertet.„Wir haben gefragt, ob wir uns nun auf andere Standards im Dialog einstellen müssen“, so der Limburger Bischof gegenüber mk-online, zu dem er aber grundsätzlich keine Alternative sehe. Bätzing unterstrich in dem Pressegespräch zudem, dass die Deutsche Bischofskonferenz weiterhin einen islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, die religiöse Betreuung von Muslimen in deutschen Gefängnissen und islamischen Grabfeldern auf Friedhöfen unterstütze.

Wissenswert

Deutsche Bischofskonferenz heißt der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in der Bundesrepublik. Sie kommen aus den 27 Bistümern und leiten als Ortsbischöfe eine Diözese oder helfen dabei als Weihbischöfe. Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten.Die Konferenz dient der Förderung gemeinsamer Aufgaben, der Beratung und der Koordinierung der kirchlichen Arbeit. Sie gibt Richtlinien vor und pflegt Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ ist die im Frühjahr und Herbst tagende Vollversammlung. Die Frühjahrstreffen finden an wechselnden Orten statt. Die Herbstvollversammlung tagt jeweils in Fulda und damit am Grab des "Apostels der Deutschen", des heiligen Bonifatius. Derzeit hat die Bischofskonferenz 67 Mitglieder. Vorsitzender ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx. (KNA)

Audio

Der Limburger Bischof Bätzing über das Verhältnis der katholischen Kirche zum Islam.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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