Impuls von Pater Karl Kern „Iss freudig dein Brot“

25.08.2019

Der Alltag soll zum Fest werden, meint Pater Karl Kern SJ. Schließlich gehe es in der Bibel nur nur um ein Thema: um das Glück des Menschen, das aus der Hand Gottes kommt.

„Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein“ (Koh 9,7)
„Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein“ (Koh 9,7) © Bernd Leitner – stock.adobe.com

„Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel. Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt! Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch …! Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst.“ (Koh 9,7–9) Das ist „Glaube im Alltag“ für den Verfasser des Buches Kohelet. Der Alltag soll zum Fest werden: durch vergnügtes Essen und Trinken, frische Kleider, durch Öl als angenehm duftenden Sonnenschutz, zusammen mit einer Frau, die als Partnerin dein vergängliches Leben teilt.

Dieses biblische „Carpe diem“ („Pflücke, genieße den Tag!“) überrascht. Solche Töne sind viele Gläubige nicht gewohnt. Dabei geht es in der Heiligen Schrift nur um ein Thema: um das Glück des Menschen, das aus der Hand Gottes kommt. Das war auch die Grundeinsicht des Kohelet(„Versammlungsredner“), der vermutlich ein Weisheitslehrer an einer Jerusalemer Tempelschule war. Er lebte in einer Zeit des ökonomischen Aufbruchs (250 bis 200 vor Christus). Das Land Israel gehörte zum Ptolemäerreich. Es unterstand dem König in Alexandria mit seinem straffen Steuersystem. Gewinnmaximierung bestimm- te die Wirtschaft und das Denken. Die heimische Oberschicht profitierte, weil sie die Steuern eintrieb. Weite Schichten des Volkes verarmten.

Pater Karl Kern SJ ist Kirchenrektor von St. Michael in München.
Pater Karl Kern SJ ist Kirchenrektor von St. Michael in München. © Walter Glück

Das Glück hängt von Gott ab

In dieser Situation fragt Kohelet: „Welchen Vorteil/Gewinn hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?“ (1,3) Kohelet schlüpft zunächst in die Rolle des sagenhaft reichen Königs Salomo, der mächtiger war als alle, der sich alles leisten konnte, inklusive einer Menge von Frauen. „König Kohelet“ endet in Überdruss und Verzweiflung. Langsam dämmert ihm, dass Glück nicht eine verfügbare Sache ist. „Nicht im Menschen selbst gründet das Glück, dass er essen und trinken und durch seinen Besitz das Glück selbst kennenlernen kann. Ich habe vielmehr beobachtet, dass dies von Gottes Verfügung abhängt.“ (Koh 2,24) Kohelet entdeckt in der Haltung der „Gottesfurcht“ die wahre Weisheit. „Gottesfurcht“ ist Ehrfurcht vor dem Geheimnis der Welt. Sie führt zu einer tiefen, zweckfreien Bejahung des Lebens.

„Gottesfurcht“ zieht ein neues Verhalten nach sich: bei aller täglichen Anstrengung den Augenblick genießen können, Lebensbeziehungen so pflegen, dass sie gelingen, die eigene Vergänglichkeit annehmen. Gott meint es bei allem Undurchschaubaren gut mit mir. „Gott sah, dass es gut war.“ Dieser Kehr-vers des Schöpfungsgedichts (vgl. Gen 1) steht auch über meinem Leben. Kohelet hat die ewige Menschheitsfrage nach dem Glück als gläubiger Mensch beantwortet. Folgen wir ihm, indem wir uns Tag für Tag öffnen für die Zusage Gottes: „Ich bin für dich da. Ich bin mit dir. Ich will, dass du glücklich bist.“


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