Impuls von Pfarrer Fischbacher Ist Gott wieder weg?

20.01.2019

Was wir an Weihnachten gefeiert haben, ist Mitte Januar vorbei. Pfarrer Stephan Fischbacher geht deshalb der Frage nach, ob uns auch Gott wieder verlässt.

Spätestens zu Lichtmess wird Pfarrer Stephan Fischbacher den Christbaum abschmücken, die Krippenfiguren einpacken und alles im Keller verstauen.
Spätestens zu Mariä Lichtmess wird Pfarrer Stephan Fischbacher den Christbaum abschmücken, die Krippenfiguren einpacken und alles im Keller verstauen. © Andrew Gardner – stock.adobe.com

Alle Jahre wieder schmückte ein Christbaum meine Wohnung im Pfarrhaus, alle Jahre wieder habe ich gemeinsam mit meinen Eltern die Krippe aufgebaut. Weihnachten feiern wir mit besonders großer Freude und Vorbereitung, und auch ich gebe mir große Mühe, diese Tage auch persönlich festlich zu begehen. Das hat einen guten Grund: Wir freuen uns über das Größte, das wir uns vorstellen können: Gott kommt. Im Kind in der Krippe begegneten uns „die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters“ (Tit 3,4). Niemals kam Gott den Menschen so nahe, wie er uns in Jesus Christus erschienen ist.

Verlässt uns Gott im Januar wieder?

Doch was wir an Weihnachten gefeiert haben, ist Mitte Januar wieder vorbei. Spätestens zu Lichtmess werde auch ich den Christbaum abschmücken, die Krippenfiguren einpacken und alles im Keller verstauen. Bedeutet das auch: Gott ist wieder weg? Verlässt er uns im Januar wieder, und wir müssen seine Nähe erst wieder erwarten?

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

"Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen"

Auch die ersten Christinnen und Christen mussten sich der Frage stellen, nachdem Jesus die Erde verlassen hat: Wenn wir Christus nicht mehr von Mensch zu Mensch begegnen, haben wir dann überhaupt noch eine Beziehung zu ihm? Wenn er weit weg ist, wie können wir ihm nahe bleiben?

Die Antwort gibt Jesus in der ersten Abschiedsrede im Johannesevangelium: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit […] Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.“ (Joh 14,15–18)

Innerlich nahe

Für uns ist der springende Punkt: Gott ist uns nicht nahe im Sinne eines Menschen, der neben mir sitzt. Er ist uns nicht äußerlich nahe, sondern innerlich, im Heiligen Geist, den Christus den „Beistand“ nennt, eine uns innewohnende Kraft, die uns aufrecht hält und die uns die Kraft gibt, die Last des Lebens, auch des oft grauen Alltags zu tragen. Wir spüren und fühlen das nicht in jedem Moment des Lebens. Daher brauchen wir die Festzeiten, um uns wieder daran zu erinnern: „Ihn [= den heiligen Geist] hat er in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter“ (Tit 3,7). Aber wir brauchen auch den Alltag, damit sich dieser Glaube bewähren kann. Ich finde sehr schön, was Badens evangelischer Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh einmal schrieb: „Wir leben aus der Fülle, die Gott uns schenkt. Wir gestalten sie, wir prägen ihr unseren Stempel auf, wir gefährden sie auch mit unseren Planungen und unserem Handeln.“


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