Heiligenlegende Jakobus lässt die Hendl fliegen

17.07.2019

In der Kirche von Willing bei Bad Aibling ist eine wenig bekannte Legende über den Heiligen Jakobus dargestellt, dessen Heiligentag am 25. Juli begangen wird.

Da hebt das Hendl ab: Ausschnitt aus der Jakobustafel in der Willinger Kirche. © Kiderle

Willing - Wer das Patrozinium der Willinger Kirche bei Bad Aibling nicht kennt, kann es ziemlich schnell an den Fresken und Bildern an den Wänden ablesen. Sofern er ein bisschen etwas von der Legende des Heiligen Jakobus und über seine Attribute, Pilgerhut mit angesteckter Muschel und Pilgerstab, weiß. Auf dem Deckengemälde ist er groß dargestellt. Josef Stigloher findet jedoch eine Holztafel an der Wand noch spannender, mit er seit seiner Kindheit vertraut ist, und das eine der Legenden rund um den Heiligen im wahrsten Wortsinn ausmalt: „Die barocke Erzählfreude auf diesem Gemälde begeistert mich und darum habe ich mir gedacht, die Kirchenzeitung könnte das zum Heiligentag am 25. Juli auch interessieren“, sagt der aus Willing stammende Pfarrer im Ruhestand, der die Redaktion auf das Bild aufmerksam gemacht hat. Es war früher ein Antependium, verkleidete also den Unterbau des ehemaligen Hochaltars.

Ausgeschmückte Legende

Dargestellt ist eine Jakobus-Legende, die im Lauf der Zeit immer märchenhaftere Züge annahm. Zuerst erzählt sie der Codex Calixtus aus dem 12. Jahrhundert. Die Handschrift ist eine Art Reiseführer für Pilger nach Santiago di Compostela, wo der Apostel begraben liegt. Neben Reiserouten enthält der Codex auch Gebete und Lieder sowie verschiedene Geschichten über den Heiligen. Unter anderem erzählt sie von zwei deutschen Pilgern, Vater und Sohn, denen ein bösartiger Gastwirt in Toulouse einen goldenen Becher ins Gepäck schmuggelt. Er verklagt sie wegen Diebstahls und der Sohn kommt dafür an den Galgen. Der Vater setzt seine Pilgerreise fort. Bei der Rückkehr findet er den Gehenkten lebend vor, der heilige Jakobus hat ihn vor dem Tod bewahrt. 200 Jahre später hat die Geschichte ganz neue Akzente bekommen. Sie wird zur Hühner-Legende, die auch das Willinger Bild erzählt. Da will die Tochter des Gastwirts den Sohn verführen, der jetzt mit Vater und Mutter pilgert, und weil der sich verweigert, schmuggelt sie ihm den Becher ins Gepäck und der vermeintliche Dieb verfällt dem Tod. Auch in dieser Fassung finden ihn die Eltern bei der Rückreise noch lebend am Galgen, nach 36 Tagen. Sie eilen zum Richter, der gerade beim Mittagessen sitzt und die Geschichte natürlich nicht glauben kann: Der Gehenkte sei so tot wie die beiden Hühner auf seinem Teller. Die erheben sich prompt, schlagen mit den Flügeln und fliegen zum Fenster hinaus. Der Sohn wird vom Galgen abgenommen und dafür die Wirtstochter aufgehängt, ein typischer Märchenschluss.

Auskunft per Sprechblase

Den schildert das Willinger Bild nicht. Er würde auch nicht zu dem schönen Blumenrahmen passen, der im Stil flämischer Meister gemalt ist. Der unbekannte Künstler erzählt nur die Hauptgeschichte. „Und das tut er ganz raffiniert“, sagt Pfarrer Stigloher und weist darauf hin, wie der Maler die Zeit- und Raumfolge darstellt. Drei Viertel des Bildes nimmt die Szene ein, in der die Eltern den Gehenkten vom Galgen herunter sagen hören, dass ihn der Apostel vor dem Tod bewahrt hat. Der Künstler benutzt dafür, wie in einem Comic, eine Art Sprechblase: "Sankt Jacob von Campostell erhalte noch im Leib mein Seel", steht darin. Jakobus schaut aus einem Ring von zwei Wolken, einem grauen und einer goldenen, auf den Unschuldigen und segnet ihn. Diese Szene trennt der Künstler dann durch eine Säule; rechts von ihr ist zu sehen, wie die Eltern das Gemach des Richters betreten. Auf seinem Teller die „gebratenen Gickerl“, wie sie Josef Stigloher gut baierisch nennt, von denen einer gerade abhebt. „Natürlich kann man das als nettes G´schichterl sehen“, sagt er, „aber es steckt doch etwas zeitlos Gültiges drin: das Vertrauen auf Rettung durch Gott und seine Heiligen, auch wenn es hoffnungslos ausschaut.“

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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