Vollversammlung der Bischöfe "Jede Frau verändert das System"

13.03.2019

Die Kirche will mehr Frauen in Führungspositionen. Das haben die katholischen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Lingen bekräftigt. Dabei sollen die Frauen keine "Lückenbüßer" sein, sondern das Gesicht der Kirche verändern.

Andrea Qualbrink (l.), Bischof Franz-Josef Bode und Birgit Mock bei einer Pressekonferenz in Lingen
Andrea Qualbrink (l.), Bischof Franz-Josef Bode und Birgit Mock bei einer Pressekonferenz in Lingen © Harald Oppitz/kna

Lingen – Die 27 deutschen Bistümer wollen weiblicher werden. Sie haben den Frauenanteil in ihren Chefetagen seit 2013 auch schon gesteigert. Er beträgt mittlerweile 19 Prozent auf den oberen und 23 Prozent auf den mittleren Führungsebenen. Andrea Qualbrink hat dazu im Auftrag der Bischofskonferenz die Studie „Frauen in Leitungspositionen“ erarbeitet. Allmählich sieht sie einen Kulturwandel in der kirchlichen Männerwelt kommen: „Jede Frau in der kirchlichen Führungsebene bewirkt etwas, denn sie verändert das System“, erklärt die Theologin und Genderforscherin gegenüber mk online. Um nachhaltige und dauerhafte Wirkungen im Führungsverhalten zu erzielen, müsste der Frauenanteil aber mindestens 30 Prozent betragen.

Zwischen den Diözesen gibt es zudem etliche Unterschiede. In sechs Bistümern stehen noch gar keine Frauen an der Spitze. Im Erzbistum München und Freising sind dagegen schon die Hälfte aller Ressort-Chefs weiblich. Insgesamt aber will die Bischofskonferenz den besagten Kulturwandel. Bischof Franz-Josef Bode, der die Frauenkommission leitet, hat deshalb auch eine Art Frauenquote verkündet. Im vergangenen November haben die Bischöfe beschlossen, dass bis 2023 über 30 Prozent des kirchlichen Führungspersonals weiblich sein soll. Eigentlich sollte dieser Anteil schon jetzt erreicht sein, bereits 2013 hatten sich die Bischöfe darauf geeinigt. „Also man sieht, wenn man nicht immer dahinter ist, gelingt das nicht“, so Bode.

Keine Lückenbüßer

Unumwunden gibt er zu, dass es sich dabei nicht allein um Frauenförderung handelt, sondern auch darum, neues Personal zu gewinnen, das an allen Ecken und Enden fehlt. Die jüngsten Skandale hielten gerade qualifizierte Frauen davon ab, in den kirchlichen Dienst zu treten, der unter einem Imageproblem leidet. Die weiblichen Führungskräfte sollen dennoch keine Lückenbüßer sein. Sie werden ganz grundsätzlich gebraucht. „Das Gesicht der Kirche darf nach innen wie nach außen nicht nur männlich sein“, betont Bischof Bode. Es verändere das Miteinander und das Denken, wenn Frauen in Leitungsgremien vertreten seien. Bei Missbrauchsfällen in seinem Bistum sei es wichtig gewesen, dass Mütter die Beratungen und Entscheidungen mitbestimmt hätten.

Um Frauen an solche Führungsaufgaben heranzuführen, hat der Hildegardisverein im Auftrag der Bischofskonferenz ein weltweit einzigartiges Förderprogramm entwickelt. Der katholische Frauenverband und seine Geschäftsführerin Birgit Mock bieten den Mitarbeiterinnen ein Mentoringprogramm an, damit sie sich in den kirchlichen Chefetagen behaupten und mitreden können: „Wir begleiten führungsinteressierte Nachwuchskräfte auf dem Weg in die Führung.“ Das geschieht über zentrale bundesweite Fortbildungen und Begleitungen. Eine Besonderheit sind die sogenannten Tandems. Dabei bekommen die Frauen einen erfahrenen Mitarbeiter oder Priester in verantwortlicher Position an die Seite gestellt, mit dem sie sich regelmäßig austauschen.

Selbstläufer in München

Am stärksten nutzt dieses Förderprogramm des Hildegardisvereins die Erzdiözese München und Freising, erklärt Mock. „Die Verantwortlichen haben es mittlerweile als ein Standardprogram für ihre Personalentwicklung etabliert.“ Im Münchner Ordinariat sei es mittlerweile zum Selbstläufer geworden. Die Frauen würden sich gegenseitig darauf aufmerksam machen und „so gibt es eine Vielzahl an Bewerberinnen“. Das muss eine Diözese aber wollen. Die jetzt vorgestellte Studie "Frauen in Leitungspositionen" hat nämlich auch deutlich gemacht, dass allein der Wille der Bischöfe entscheidend ist. Sie können jederzeit ihre Chefetagen mit weiblichen Personal verstärken. Einzige Bedingung: es darf dafür keine Diakonen- oder Priesterweihe nötig sein.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bischofstreffen in Lingen Frauen und Kirche

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