Instrument des Jahres Jede Orgel ist ein Unikat

04.01.2021

Die meisten Menschen verbinden die Orgel mit dem Gottesdienst. Doch sie hat viel mehr zu bieten. Kirchenmusikerin Sonja Kühler ist fasziniert von der „Königin der Instrumente“.

Orgelempore in der spätbarocken Klosterkirche Schäftlarn.
Orgelempore in der spätbarocken Klosterkirche Schäftlarn. © imago images / imagebroker

Baumburg – Die Konferenz der Landesmusikräfte in Deutschland ruft jährlich ein "Instrument des Jahres" aus: 2021 ist es die Orgel. Sonja Kühler ist seit zehn Jahren als Kirchenmusikerin an der Stiftskirche in Baumburg tätig und hat sich über die Wahl sehr gefreut. Oft führe die Orgel ein „Schattendasein“ und würde nur mit Gottesdiensten und Kirche in Verbindung gebracht. In den Konzertsälen sei sie wenig zu Hause. Doch zu Recht wird die Orgel „Königin der Instrumente“ genannt, findet Kühler: „Weil sie Töne zaubert, die so leise sind, das man sich nicht mehr zu atmen traut, sie aber auch ein komplettes Symphonieorchester übertönen kann“. Sie hofft, dass das Jahr für mehr Organisten-Nachwuchs sorgt.

Minusgrade erschweren das Orgelspiel

Das Spielen einer Orgel bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. So müsse die Koordination der Hände und Füße geübt werden, beschreibt die Kirchenmusikerin. Teilweise würden fünf bis sieben Stimmen gleichzeitig gespielt, die auch musikalisch erfasst und interpretiert werden müssen. Dabei sind die Kompositionen auf verschiedene Notensysteme verteilt, die parallel gelesen werden. Außerdem brauche es Übung während des Spielens im Bruchteil einer Sekunde ein Register zu ziehen. Eine besondere Herausforderung ist die Kälte: „Bei Minusgraden werden die Finger kalt und Fingerläufe werden so viel schwieriger zu spielen.“

Ein Erlebnis für den Organisten

Sonja Kühler hat mit sieben Jahren erste Erfahrungen auf der Heimorgel gemacht und letztlich ein Studium zur B-Kirchenmusikerin und Musiklehrerin absolviert. Von der Orgel ist sie fasziniert, denn „jede ist anders und einmalig“. Die Anzahl der Register, die Disposition, die Mechanik, die Bauweise, die Intonation und auch der Raumklang hat eine maßgebliche Auswirkung: „All das macht jede Orgel zu einem Unikat und einem Erlebnis für jeden Organisten.“ Die Musikerin selbst würde gerne mal die Orgel in der Hofkirche in Luzern spielen. Nicht nur wegen der seltenen Register, die sie hat: „Der Organist sitzt beim Spielen unter einer fast zehn Meter hohen und 383 Kilogramm schweren Pfeife, deren tiefer Ton alles vibrieren lässt.“

Immaterielles Kulturerbe der Menschheit

In Deutschland stehen etwa 50.000 Orgeln, die meisten in Kirchen, Konzert- oder Wohnhäusern. Vor mehr als 2.000 Jahren wurde das Instrument in Alexandria erfunden und gelangte über Byzanz nach Europa, wo es seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurde. Seit dem Mittelalter werden Orgeln vor allem aus Europa, wo mittlerweile die meisten Instrumente gebaut werden, weltweit in viele Länder exportiert. Zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik zählt Deutschland, weshalb die Unesco vor drei Jahren beides als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt hat. (kna/kas)


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