Kardinal Marx trifft Wohnungslose "Jeder hat Anspruch auf ein Dach über dem Kopf"

12.12.2018

Sein adventlicher Besuch hat Kardinal Reinhard Marx heuer in ein Haus für wohnungslose Männer geführt. Neben Zeit für vertrauliche Gespräche brachte der Erzbischof auch eine Spende mit.

Kardinal Marx (Mitte) führte im Wohnheim viele persönliche Gespräche.
Kardinal Marx (Mitte) führte im Wohnheim viele persönliche Gespräche. © Kiderle

München – Joseph (77) ist ein Blauer, ein Sechziger also, Helmut (74), wie unschwer an seinem ausgewaschenen Fan-Käppi zu erkennen, ein Roter, ein FC Bayern-Anhänger. Dennoch sitzen die beiden, zusammen mit ein paar weiteren älteren Männern, einträchtig und friedlich nebeneinander auf den abgewetzten Stühlen im Eingangsbereich des Männerübernachtungsheims an der Pilgersheimer Straße. Beide wohnen schon längere Zeit hier.

Hoher Besuch hat sich an diesem Vormittag angesagt: Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx hat für seinen üblichen Adventsbesuch in einer Sozialstelle die traditionsreiche Einrichtung des Katholischen Männerfürsorgevereins München (KMFV) ausgewählt. Vor Ort will er sich über die Situation von Wohnungslosen in München informieren. Wenig später kommt der Kardinal im schwarzen Anzug und mit einem „guten Morgen“ zur gläsernen Eingangstür herein. Sofort schüttelt er erste Hände, darunter auch die von Joseph und Helmut.

"Kräftiger Händedruck"

Fotografiert werden wollen sie dabei nicht, aber hinterher bestätigen beide, dass „die Eminenz“ einen „kräftigen Händedruck“ besäße: „Des spürt man glei, des is a Kerndlgfutterter“, zollt Helmut höchsten Respekt. „Guad drauf“ sei der Kardinal gewesen, sagt Joseph. Da verzeihen die beiden auch, dass der Oberhirte bekanntermaßen Anhänger von Borussia Dortmund ist.

Bei einem Rundgang mit Haus-Leiterin Stefanie Kabisch und dem KMFV- Vorsitzenden Ludwig Mittermeier erfährt Kardinal Marx viel über die Dienste des Hauses: Es bietet Unterkunft und Verpflegung für bis zu 179 wohnungslose Männer in Verbindung mit sozialpädagogischer Beratung und Begleitung. Zudem sind in der 1952 gegründeten Stelle heute auch eine allgemeinmedizinische und eine psychiatrische Arztpraxis für Wohnungslose untergebracht. Auch die „Münchner Straßenambulanz“, die Obdachlosen direkt an ihren Schlafstellen und Treffpunkten ärztliche Hilfe anbietet, wird von hier aus betrieben.

An der Seite der Armen

Für Bewohner wie Mitarbeiter findet Kardinal Marx trotz des straffen Zeitplans stets persönliche Worte: „Danke für Euren Dienst!“, sagt er mehrfach. Im Anschluss tauscht sich der Erzbischof ohne Presse in vertraulichem Rahmen mit Bewohnern aus. Danach kommen alle im adventlich geschmückten Speisesaal zusammen. Kardinal Marx erklärt, dass jeder Mensch Anspruch auf ein Dach über dem Kopf, auf etwas zu essen und auf medizinische Versorgung habe. Die Kirche leiste hier gern ihren Beitrag, letztlich aber müsse man diese „Menschenrechte“ von der Solidargemeinschaft einfordern. „Die Kirche kann nur dann die Kirche Jesu Christi sein, wenn sie an der Seite der Schwachen und Armen steht“, betont er.

Und um dies zu unterstreichen, übergibt Kardinal Marx eine Spende von 15.000 Euro für das Haus an der Pilgersheimer Straße. Die Mitarbeiter wollen das Geld nutzen, um Bewohnern unbürokratisch zu helfen, zum Beispiel mit Zuzahlungen für Brillen, Hörgeräte und Medikamente, mit Zuschüssen für Lernmaterial und Arbeitskleidung oder mit Fahrkarten.

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Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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