Boys’ Day im Caritas Familienzentrum Neuperlach Jeder kann alles machen

18.05.2018

Dass die meisten Berufe heutzutage Männern wie Frauen gleichermaßen offen stehen, davon haben sich die drei Siebtklässler Max, Lukas und Robin aus Neuperlach beim Boys’ Day überzeugt - und dabei festgestellt, dass die Arbeit im Familienzentrum der Caritas in Neuperlach ganz schön "cool" ist.

Die drei Buben, Max, Lukas und Robin (von links), haben schnell einen Draht zu den Kindern gefunden – und auch die Kleinen haben keinerlei Berührungsängste. © Caritas München

München – Lukas, Max und Robin (Namen geändert) besuchen normalerweise die 7. Klasse der Neuperlacher Wilhelm-Röntgen-Realschule. Heute, am bundesweiten Boys’ Day, ist das anders. Da sitzen sie nicht im Klassenzimmer, sondern spielen mit Kleinkindern vom Säuglings- bis zum Kleinkindalter in den Räumen des Caritas Familienzentrums in der Münchner Therese-Giehse-Allee. Montags und donnerstags findet dort, zwischen 9.30 Uhr und 11.30 Uhr, das offene Angebot des Internationalen Familiencafés statt. Eltern, Großeltern und Kinder starten mit Spiel, Spaß und einem Frühstück in den Tag.

Zwei Stufen rauf, schon sitzt Milan oben auf der Rutsche. Lukas (13) ist sofort zur Stelle. Er hilft beim Hinsetzen, stützt am Rücken etwas ab und Milan saust die Kleinkinderrutsche nach unten. Robin (12) hilft derweil Vivian auf der Balancierstrecke, die sie so ohne Zwischenfälle schafft. Anschließend begleiten die zwei Siebtklässler ihre Schützlinge zur Wippe. Außerdem nutzen sie die vielen Bilderbücher der Leseecke oder rühren in den Töpfen und Pfannen der Spielkinderküche.

Die Mamas haben die Hände frei

Milan und Vivian haben an diesem Tag noch etwa 18 weitere Spielgefährten, die alle mit ihren Müttern gekommen sind. Ein fröhliches Stimmengewirr aus Deutsch, Englisch und Türkisch erfüllt den Raum. Insgesamt ganz schön laut. Trotzdem, Zankereien gibt es keine, alle spielen brav miteinander. So haben die Mamas alle Hände frei und backen währenddessen mit den haupt- und ehrenamtlichen Caritasmitarbeiterinnen Pizza.

Und der 13-jährige Max? Der sitzt mit einigen Kindern an einem kleinen Tisch. Mit stumpfen Messern schnibbeln sie Bananen klein. Quark mit in die Schüssel geben, vorsichtig unterheben und fertig ist der Nachtisch. So vergehen drei Stunden wie im Flug. Es wird Zeit zum Abschiednehmen. Aber nicht, ohne das Bewegungs- und Tanzlied „Alle Leut’“: „Alle Leut’, alle Leut’ gehen jetzt nach Haus! Sagen auf Wiedersehen, denn es war wunderschön. Alle Leut’, alle Leut’ gehen jetzt nach Haus!“ Dazu sitzen alle im Schneidersitz und singen fröhlich mit.

Geschafft, aber glücklich

Der Boys’ Day ist schließlich geschafft. Die meisten sind zwar etwas müde, aber vor allem glücklich und zufrieden. Sichtlich Spaß hatten die Zukunftstag-Teilnehmer, vor allem am Praxisteil, aber auch an der Theorie-Einheit mit umfassender Darstellung der Familienzentrumsarbeit, durch die derzeitige Zentrumspraktikantin Johanna Kink, die Soziale Arbeit studiert.

Hat der Vormittag die Berufswünsche der Siebtklässler verändert? Lukas will weiterhin Architekt werden. Er fragt sich aber, was die Unterscheidung zwischen Frauen- und Männerberufen soll: „Ich finde, jeder kann alles machen.“ Robin findet den Boys’ Day ebenfalls eine prima Sache: „Man kann sehen, wie es in der Arbeit ist. Eine gute Idee.“ Ähnlich sieht das auch Max, der noch nicht so ganz weiß, was er werden will, sich aber eine Arbeit im Büro ganz gut vorstellen kann. Einen sozialen Beruf zu ergreifen, können die Realschüler nach diesem Tag nicht mehr komplett ausschließen. Die drei Siebtklässler sind sich einig: „Man weiß ja nie. Es war cool, wir haben es uns gar nicht so cool vorgestellt. Klar würden wir den Vormittag jederzeit wiederholen.“

Ein Resümee zieht auch Familienzentrumsleiter Norbert Gutzeit, der bereits zum dritten Mal einen Schnuppertag dieser Art ermöglicht hat: „Der Tag ist ein wichtiger Beitrag, zukunftsfähige Berufsfelder neben Technik und Wirtschaft vorzustellen. Hier kann vermittelt werden, dass es auch um Sinn und nicht nur Geld im Beruf geht.“ Ähnlich sieht das auch Caritasvorstandsmitglied Gabriele Stark-Angermeier: „Der Boys’ Day ist für uns eine gute Initiative. So können wir Einblicke in interessante und chancenreiche Berufe im sozialen Bereich geben.“ Gerade in diesen Gebieten seien Fachkräfte Mangelware. „Der Diözesan-Caritasverband bietet in seinen Berufs- und Fachschulen mit sozialem Schwerpunkt sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten und in den Kitas und Altenheimen viele attraktive und abwechslungsreiche Stellen an.“ (Valentina-Anna Rätz)

Ziel des jährlich stattfindenden Boys’-Day sowie des analogen Girls’-Day ist es, Buben und Mädchen für neue Berufswege fernab der Klischees zu interessieren. Alle Schüler zwischen der 5. und 10. Jahrgangsstufe haben die Möglichkeit, mehrere Stunden in Berufsfelder außerhalb der traditionellen Rollenbilder zu schnuppern: Mädchen bekommen Einblicke ins Handwerk und Buben in den sozialen Bereich. Der Aktionstag soll die berufliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler fördern und dem bestehenden Einfluss von Geschlechtsstereotypen bei der Berufswahl entgegenwirken.


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