Tradition bestimmte einst die Bauernhochzeit Jeder war dabei

26.05.2017

Eine Bauernhochzeit war immer ein Höhepunkt im Dorfleben, ein großes Fest nicht nur für die engere Verwandtschaft, sondern für die ganze Dorfgemeinschaft, weshalb sich nur ein wohlhabendes Paar einen so feierlichen Eintritt in den Ehestand leisten konnte.

Stich einer Bauernhochzeit um 1830 vor der Kirche von Lenggries. © imago

Schon lange vor dem Termin der Bauernhochzeit musste vieles vorbereitet werden. Eine ganz wichtige Person ist dabei bis heute der Hochzeitslader, in Niederbayern heißt er „Progroder“. Früher machte er sich ein paar Wochen vor dem Fest zu Fuß oder mit dem Rad auf den Weg, um die vielen Gäste persönlich im Namen der Brautleute gebührend zur Hochzeit einzuladen. Wenn er mit seinem mit Bändern geschmückten Sinnstock und einer weißen Schleife im Knopf-loch in das Haus trat, sagte er einen Ladspruch auf. Zu einer Bauernhochzeit wurde meist das ganze Dorf eingeladen, niemand durfte übergangen werden. In der Regel ging aus jedem Haus mindestens eine Person zur Feier.

Zu einer Bauernhochzeit gehörte es früher, dass die junge Braut in aller Öffentlichkeit ihren Einzug in den Hof zelebrierte, in den sie einheiraten wollte. Ein wichtiger Akt war dabei der Transport des eingebrachten Heiratsgutes mit dem „Kammerwagen“. Das war ein offener Wagen, auf dem einiges zur Schau gestellt wurde, das die junge Bäuerin in die Ehe mitbrachte: ein Bett, ein Schrank, eine Kommode. Und oft folgte dem Kammerwagen, der von Pferden gezogen wurde, eine Magd, die, als weitere Mitgift der Braut, eine Kuh führte. So sollte der ganze Wohlstand präsentiert werden. Die Braut selbst fuhr mit dem Hochzeiter in einer Kutsche dem Kammerwagen voraus.

Ablauf genau geregelt - bis heute

Der Ablauf des Hochzeitstages war genau geregelt, daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach altem Brauch kamen am Morgen die geladenen Gäste zum Haus des Hochzeitspaares, mir denen es feierlich, angeführt vom Hochzeitslader und Musikanten, zur Trauung in der Pfarrkirche zog. Nach dem festlichen Gottesdienst machte sich das junge Paar mit allen Gästen und der Blaskapelle zum nahen Wirthaus. Hier sorgte der Hochzeitslader wieder für einen reibungslosen Ablauf des Festes. Nach dem Mittagessen begaben sich meist alle Hochzeitsgäste zum Hof des jungen Paares, um alles zu inspizieren – alle Räume und auch die Stallungen. Im Schlafzimmer fand der sorgfältig eingeräumte Schrank mit allerlei Kostbarkeiten besonderes Interesse.

Nach dem Abendessen hatte der Hochzeitslader traditionell seinen großen Auftritt: Er musste sich namens des Brautpaares bei allen anwesenden Gästen persönlich bedanken, bei den Eltern der Braut und des Bräutigams, bei Tanten und Onkeln, bei den Verwandten und auch bei allen weiteren Gästen. Das zog sich oft länger hin. Dass es nicht zu langweilig wurde, machte er bei manchen humorvolle, oft recht spitze Anmerkungen, die für allgemeine Heiterkeit sorgten. In Niederbayern lockert der Hochzeitslader die Prozedur mit originellen Gstanzln auf. Nun waren alle Gäste freudig gestimmt für den fröhlichen Ausklang des Festes. Auch wenn sich vieles bei einer Bauernhochzeit geändert hat, ist sie bis heute ein ganz besonderes Fest, nicht nur für das Brautpaar. (Albert Bichler - Brauchtumsforscher.)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirchlich Heiraten und zum Thema Heiraten

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