Kirche wird zur Theaterbühne "Jedermann" in Sankt Maximilian in München

10.07.2020

Lange war es ungewiss, ob das Stück trotz Corona aufgeführt werden kann. Doch nun wurde entschieden: Die Termine stehen fest.

Sankt Maximilian in München
In der Kirche Sankt Maximilian wird das Stück "Jedermann" aufgeführt. © imago images / Westend61

München – Eigentlich ist es ja eine Jederfrau. Denn in der Inszenierung des Anna-Funk-Ensembles spielt Ulrike Dostal vom Gärtnerplatztheater die Hauptrolle: Die reiche Frau aus München, die bald stirbt und auf der Suche nach einer Begleitung ist, die sie mitnehmen kann, wenn sie vor Gottes Richterstuhl tritt.

Überhaupt ist viel München ist zu sehen in dem Stück von 1911, das die Regisseurin Anna Funk in die heutige Zeit versetzt hat: der Mietenwahnsinn, die dekadente Partygesellschaft mit ihren It-Girls und Musikern, die Ausbeutung osteuropäischer Arbeitskräfte, die Sinnfrage, wenn die biologische Uhr tickt und der Wert von Beziehungen sind die Themen, die das Stück so zeitgemäß machen.Und natürlich die Frage nach dem Glauben.

Der Tod steht auf dem Balkon

Hofmannstahls Text bleibt dabei fast unverändert, bis auf einige tagesaktuelle Bezüge. Und so erklingen in Sankt Maximilian seine bekannten Knittelverse. Der gesamte Kirchenraum wird zur Bühne. Pfarrer Rainer Schießlers Augen leuchten, wenn er davon erzählt, wie der Teufel hinter dem Tabernakel auftaucht oder der Tod auf dem Balkon in 13 Metern Höhe und eingehüllt in Nebelschwaden den Jedermann ruft. Ein Handwerker kommentiert im Stück die in der Kirche notwendigen Sanierungsarbeiten, die kein Bühnenbildner hinzaubern muss, weil die Schäden deutlich sichtbar sind.

Pfarrer Schießler wird an fünf Aufführungen vom "Jedermann" mitwirken: Am 25., 26. und 31. Juli sowie am 1. und 2. August. Einlass ist jeweils um 18.30 Uhr.  Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten gibt es im Pfarrbüro von Sankt Maximilian unter der Telefonnummer: 089  20 24 0 70. Das Münchner Kirchenradio verlost am 22. Juli fünf mal zwei Tickets für „Jedermann“. Mehr Infos dazu gibt es an dem Tag  in der Facebookgruppe.

Hygienevorschriften werden eingehalten

Bei der Aufführung wird natürlich strikt auf die coronabedingten Abstandsregeln geachtet. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen auf Stühlen, Paare und Familien dürfen nebeneinander sitzen. „Wie wir die Hygienevorschriften im Stück umzusetzen, das müssen wir jetzt bei den Proben erarbeiten“, erklärt Schießler. „Besonders in der Szene mit der Buhlschaft, dargestellt von Philipp Andriotis, knistert es ja zwischen den beiden. Das wird mit Abstand sicher schwieriger“.     

Schießler spielt den Glauben

Der Pfarrer selbst spielt natürlich auch mit. Schauspiel-Erfahrung hat er ja bereits bei seinen Fernsehrollen in den Serien „München 7“ und „Dahoam is dahoam“ gesammelt. Im „Jedermann“ spielt er den Glauben. Denn – zur Erinnerung: Niemand will Jedermann begleiten. Nicht die Freunde, nicht die Buhlschaft, nicht der Mammon. Die „Guten Werke“ sind so schwach, dass sie ihn nicht begleiten können. Da taucht der Glaube auf. Im Original ist diese Rolle mit einer Frau besetzt. Jetzt übernimmt sie der Pfarrer und findet das sehr passend. „Aber das Schönste daran ist, dass ich das letzte Wort habe“, sagt er und setzt dabei sein schelmisches Schießler-Grinsen auf. Und dann legt er los: „Nun hat er vollendet das Menschenlos. Tritt vor den Richter nackt und bloß. Und seine Werke allein, die werden ihm Beistand und Fürsprech sein."

Podcast-Tipp

Schießlers Woche Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München wartet nicht darauf, dass die Menschen zu ihm kommen. Er geht dorthin, wo die Menschen eh schon sind. Er nennt die Dinge beim Namen, auch wenn ihm das schon so manches Mal Ärger eingebracht hat. Aber er will immer nur das eine: seiner Kirche - und damit den Menschen - dienen. Auch in seinem Podcast nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er spricht über alles: Grundsätzliches, Spirituelles, aber auch kirchenpolitische Fragen. > zur Sendung

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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