Sommerrätsel der Münchner Kirchenzeitung Jesu neue Schuhe

04.08.2019

Das Sommerrätsel der Münchner Kirchenzeitung (MK) stellt heuer Kirchen und Kapellen im Erzbistum vor, um die sich so manche Legende rankt. In der vierten Folge besuchen wir eine Jesusfigur mit fürsorglichem Bewegungsdrang.

Renate Anzinger (links) und Elisabeth Arnold kleiden die Schnitzfigur dem Kirchenjahr entsprechend ein.
Renate Anzinger (links) und Elisabeth Arnold kleiden die Schnitzfigur dem Kirchenjahr entsprechend ein. © Kiderle

Er ist nur etwa einen halben Meter hoch, aber so fesch und elegant eingekleidet wie ein ganz Großer: der aus Holz geschnitzte Jesusknabe in der dieses Mal gesuchten ehemaligen Klosterkirche. Er ist das Werk des Meisters von Seeon, gehört zu den schönsten Bayerns und würde jedes Museum schmücken. Aber die Gläubigen in dem kleinen Ort am Inn kämen nicht im Traum darauf, sich von ihm zu trennen. Genauso wenig wie die Ordensfrauen, die bis vor wenigen Jahren noch im angrenzenden Kloster lebten. Sie schneiderten für die Kolumba- Jesulein oder Kolumba-Kindlein genannte Skulptur prächtige Garderoben – von der Unterwäsche bis zum Rauchmantel – und sogar Schuhe aus Samt und Seide. Die ältesten der heute noch erhaltenen Kleider sind rund 300 Jahre alt, aber es kommt immer wieder auch ein neues Stück dazu. Frauen aus der Umgebung nähen ab und zu ein Gewand, um die historischen Stücke zu schonen, und kleiden die Figur entsprechend der Farben im Kirchenjahr regelmäßig um: also zu den Hochfesten in weiß, in den Fastenzeiten in violett und in den übrigen Monaten in grün.

Über den Schlaf gewacht

Nach einer alten Legende hatte dieses Jesuskind offenbar einen starken Bewegungsdrang. Jedenfalls fanden die Schwestern dessen Schuhe zerschlissen und durchgelaufen vor, ohne dafür eine Erklärung zu haben. Eine der Ordensfrauen musste also neue nähen, was aber seine Zeit dauerte, währenddessen die Sohlen der alten Schuhe immer dünner und abgewetzter aussahen. Ein unhaltbarer Zustand für die Oberin. Zur nächsten Frühmesse sollte die Figur neue Schuhe haben und die Schwester musste die Nacht durchnähen. Während alle anderen schliefen, saß sie also über den Stoff gebeugt und bestickte ihn mit Seidengarn, denn das Kloster achtete auf Stil. Dabei hörte sie Schritte und wie die Türen zu den Zellen der Mitschwestern leise auf- und zugingen. Sie schaute also auf den Gang und entdeckte dort das Jesuskind, das fürsorglich in die Schlafkammern der Schwestern schaute, über deren Schlaf wachte und durch die langen Wege seine Schuhe abnutzte. Nur an der Zelle der Schneiderin war es vorbeigegangen, um sie nicht zu stören oder zu erschrecken. Wie viele Paar Schuhe das Jesuskind danach noch verschließen hat, überliefert die Legende nicht. Jedenfalls drückt sie das zärtliche Verhältnis aus, das die Ordensfrauen mit der Figur verband.

Eine Figur zum Verlieben

Tatsächlich fällt es schwer, sich in das Kolumba-Jesulein nicht ein bisschen zu verlieben. Es hat den Kopf leicht nach rechts geneigt und schaut den Betrachter mit seinem kindlich-rührenden Blick an. Die Figur ist aber alles andere als nur „süß“. Es hält ein bedeutungsschweres theologisches Symbol in den Händen. Die Trauben in der Linken erinnern an die Fülle der göttlichen Gnade, die Christus zu den Menschen bringt. Das Kind bietet sie jedem Gläubigen ganz persönlich an und streckt ihm mit der rechten Hand eine einzelne Traube entgegen. Gleichzeitig symbolisiert die Frucht aber auch den kommenden Leidensweg des Kindes. Denn die Traube wird gepresst, um daraus Wein zu gewinnen, der in der Eucharistie für das Blut Christi steht.

Seinen Namen trägt das Kolumba-Jesulein übrigens nach einer Schwester, die in dem Kloster gelebt und diese Figur besonders geliebt hat. Die nach ihr benannte Figur wird in einer Glasvitrine im Chorraum aufbewahrt. Dort befindet sich auch noch ein weiteres, nur wenige paar Zentimeter großes Gnadenbild, das ebenfalls das Jesuskind darstellt und früher Ziel vieler Wallfahrten war. Nur zu einer so schönen und geheimnisvollen Legende hat es der kleine Bruder des Kolumba-Kindleins noch nicht gebracht.

In welcher ehemaligen Klosterkirche befindet sich das Kolumba-Jesulein?

Die Sommerzeit ist auch in diesem Jahr Rätselzeit in der Münchner Kirchenzeitung (MK). Heuer stellen wir Ihnen Kirchen und Kapellen im Erzbistum vor, um die sich so manche gruselige Begebenheit rankt. In insgesamt sechs Rätsel-Folgen werden wir Ihnen Sagen und Legenden rund um Gotteshäuser erzählen. Wer miträtselt, kann wie immer schöne Preise gewinnen. Pro Folge verlosen wir unser neues Dual-DAB+-Radio mit Münchner Kirchenradio (MKR)-Knopf sowie je einen Büchergutschein im Wert von 50 Euro und von 25 Euro für unsere Buchhandlung Michaelsbund. Außerdem gibt es viele weitere schöne Preise zu gewinnen. Am Ende wird aus allen richtigen Einsendungen der Hauptgewinn gezogen. Für den Glücklichen und eine Begleitperson spendiert unser bewährter Rätsel-Partner, das Bayerische Pilgerbüro (bp), eine viertägige Flugreise nach Lourdes.

Bitte schicken Sie die richtige Lösung an folgende Adresse:
Münchner Kirchenzeitung
Sommerrätsel
80326 München
Oder per E-Mail: redaktion@muenchner-kirchenzeitung.de
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Der Einsendeschluss für die vierte Folge ist Freitag, 16. August (Poststempel).

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Thema Sommerrätsel

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