Missbrauch Jesuit Mertes über Opferentschädigung

01.10.2019

Das Thema Entschädigung von Missbrauchsopfern sorgt weiter für Debatten. Vor allem die im Raum stehenden Summen von bis zu 300.000 Euro pro Opfer stoßen auch auf Kritik.

Pater Klaus Mertes, Jesuit und Direktor des katholischen Kolleg Sankt Blasien
Pater Klaus Mertes, Jesuit und Direktor des katholischen Kolleg Sankt Blasien © Julia Steinbrecht/kna

Köln – Der Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 den Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche öffentlich gemacht hatte, bewertet eine Opferentschädigung in sechsstelliger Höhe für problematisch. Mertes halte eine Finanzierung aus Kirchensteuermitteln für ausgeschlossen und warne vor einem "Freikauf" der Kirche, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag). "Ich gehe davon aus, dass die Bischöfe eine solche Regelung nicht in der Annahme beschließen, dass nun das Kirchenvolk finanziell in Mithaftung genommen wird", sagte Mertes.

In der vorigen Woche hatten die deutschen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung in Fulda einen Systemwechsel hin zu einer umfassenden Entschädigung der Opfer beschlossen. Um festzulegen, welche Summen am Ende gezahlt werden, müssten die Bischöfe noch zahlreiche Fragen im Detail klären, hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärt. Berechnungen, wonach 3.000 Opfer je 300.000 Euro Entschädigung erhalten würden und somit insgesamt knapp eine Milliarde Euro ausgezahlt werden müsste, seien derzeit noch nicht verifizierbar.

Mertens deckte Missbrauchsfälle an einer Berliner Schule auf

Mertes' Worten nach würden die Gläubigen, die keine Schuld an Missbrauch und Leitungsversagen haben, zu sekundär Betroffenen des Missbrauchs, wenn Kirchensteuermittel verwendet würden. "Zudem könnte der fatale Eindruck entstehen, die Kirchenleitung kaufe sich auf Kosten des Kirchenvolkes frei: "Wir zahlen, dann haben wir unsere Ruhe" - das darf auf keinen Fall passieren", kritisierte er. Vielen Betroffenen sei es noch wichtiger, dass die Kirche sich ändert, als dass sie zahlt - das gelte auch für Betroffene, die Zahlungen fordern.

Pater Klaus Mertes machte 2010 als damaliger Leiter der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg Fälle von Missbrauch öffentlich. Damit stieß er eine breite Debatte an, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Inzwischen ist Mertes Direktor der Jesuitenschule Kolleg Sankt Blasien im Schwarzwald. (kna)


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