Impuls von Pfarrer Stephan Fischbacher Jesus blickt hinter die Maske

03.02.2019

Faschingszeit ist Maskenzeit. Doch Pfarrer Stephan Fischbacher ist überzeugt, dass wir bei Jesus keine Masken brauchen. Warum, erläutert der Geistliche hier.

„Im Alltag sind Masken allgegenwärtig“, findet Pfarrer Stephan Fischbacher - zum Beispiel, wenn eine Verkäuferin auch zum ekelhaftesten Kunden freundlich sein muss.
„Im Alltag sind Masken allgegenwärtig“, findet Pfarrer Stephan Fischbacher - zum Beispiel, wenn eine Verkäuferin auch zum ekelhaftesten Kunden freundlich sein muss. © JackF – stock.adobe.com

Es ist Faschingszeit. Viele Menschen lieben es, sich zu verkleiden und einmal in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen. Selbst beim Seniorennachmittag in der Pfarrei ist das „Maschkara-Geh“ beliebt: Viele Seniorinnen und Senioren sagen mir, sie gäben nicht (mehr) viel auf den Fasching. Aber dennoch kommen die meisten wenigstens mit einem Hütchen oder auffälliger Kleidung zur gemeinsamen Feier in den Pfarrsaal. Irgendwie scheint es mir ein Bedürfnis im Menschen zu geben, wenigstens gelegentlich die eigene Persönlichkeit hinter einer Maske zu verstecken und vielleicht sogar eine Rolle einzunehmen, die man sonst nie ausleben kann. Ödön von Horváth wird der schöne Satz zugeschrieben: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ Kann man es besser auf den Punkt bringen?

Im Alltag sind Masken allgegenwärtig

Auch im Alltag sind Masken allgegenwärtig. Ich denke an die Verkäuferin, die gerade um ihr krankes Kind besorgt ist, aber auch zum ekelhaftesten Kunden freundlich sein muss. Trägt nicht auch sie – bildlich gesprochen – eine Maske? Ich denke an den Finanzberater, der dem potenziellen Kunden Honig ums Maul schmiert, obwohl er ihn gar nicht ausstehen kann. Trägt nicht auch er eine Maske? Ich denke an eine Frau, die nur vordergründig nett und freundlich zur Nachbarin ist, dann aber schlecht über sie redet. Trägt nicht auch sie eine Maske? Masken sind nicht sichtbar, aber allgegenwärtig. Im Dienstleistungsbereich werden sie sogar erwartet. Man nennt das dann „Professionalität“.

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Jesus Christus blickt hinter diese Maske. Besonders anrührend wird das im Lukasevangelium geschildert. Nachdem Jesus gefangen genommen worden war, sah sich Petrus zur Lüge gezwungen. Er verleugnete Jesus drei Mal – er setzte sich die Maske der Lüge auf. Sicherlich war es Absicht, dass die Lesenden die Maske des Petrus als besonders schäbig empfinden. Was passierte? „Im gleichen Augenblick, noch während er [Petrus] redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an.“ (Lk 22,60f.)

Jesus blickte hinter die Maske, und er erkannte darin den nach Liebe schreienden, sich vor den Menschen fürchtenden und den sich schämenden jungen Mann Simon. Und mit diesem Blick begann die Heilung: „Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“ (Lk 22,62). Diese Tränen dürften Tränen der Befreiung gewesen sein, und schließlich war Petrus würdig, als erster der Apostel das leere Grab und den auferstandenen Christus zu schauen: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon [=Petrus] erschienen.“ (Lk 24,34). Ich glaube fest, dass wir bei Jesus keine Masken brauchen und er uns anschaut mit den Augen der Liebe.


Das könnte Sie auch interessieren

Der heilige Philipp Neri
© Pfarrei Herz Mariä Kassel

Fasching Heilige mit guter Laune

Jetzt im Fasching kann man auch in der Kirche mal alle Fünfe gerade sein lassen. Oder etwa nicht? Schließlich ist der Glaube doch etwas Ernstes! Hier sind drei Heilige, die das Gegenteil beweisen.

24.02.2020

Verkleidete Menschen bei einem Faschingsumzug.
© Kotarl - stock.adobe.com

Secondhand-Faschingsmärkte in Bayern Mit dem passendem Kostüm Entwicklungsprojekte unterstützen

Ob Clown, Hexe oder Cowboy - bei den Secondhand-Faschingsmärkten der kirchlichen Hilfsorganisation "aktion hoffnung" finden Sie das passende Kostüm. Auch im Erzbistum München und Freising können Sie...

02.01.2020

© SMB/Fleischmann

Museum Fünf Kontinente Masken vom anderen Ende der Welt

Cowboys, Ritter, Prinzessin – wenn der Fasching hier seinem Höhepunkt entgegenfiebert, sind zahlreiche Menschen bei uns verkleidet. Aber Maskentraditionen gibt es überall. Manchmal haben sie einen...

27.02.2019

Humor und Kirche Clowns gestalten Faschingsgottesdienst

Humor und Kirche gehen nicht zusammen? Weit gefehlt. Das beweisen Clownine und Nikolosi beim Faschings-Wortgottesdienst in Neuching im Landkreis Erding.

26.02.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren