Oberammergau Jesus-Darsteller: Auferstehung ist nicht leicht zu spielen

13.04.2020

Jesus sei durch die Auferstehung ein anderer, erklärt Frederick Mayet. Aber auch ansonsten stellen seine zweiten, verschobenen Passionsspiele den Schauspieler vor neue Herausforderungen.

Frederick Mayet spielt bereits zum zweiten Mal Jesus Christus. © SMB/ br

Oberammergau – Frederik Mayet (40), Jesus-Darsteller bei den Oberammergauer Passionsspielen 2010 und 2022, findet es schwer, den Auferstandenen zu spielen. "Er war nicht mehr der, der er war, bevor er ans Kreuz geschlagen wurde", sagte Mayet der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch. Diesen Schluss ziehe er deshalb, weil der ungläubige Thomas erst seine Finger in die Wunden des Herrn habe legen müssen, um zu glauben, was da passiert sei.

Laut Mayet bleibt aber die Frage: "Wieso kennt er ihn nicht mehr, wenn er vorher ständig mit ihm zusammen war?" Für ihn persönlich sei die Antwort darauf, dass Jesus durch die Auferstehung eine andere Form und einen anderen Zustand angenommen haben müsse. Darüber hätten die Hauptdarsteller der Passion 2020, die nun wegen der Coronakrise auf 2022 verlegt wurde, auch bei ihrer Reise ins Heilige Land mit dem sie begleitenden Pfarrer Thomas Frauenlob diskutiert.

Eine Welt, die sich verändert hat

Wie Ostern fürs Theater darzustellen sei, habe Spielleiter Christian Stückl bereits 2010 wunderbar gelöst, findet Mayet. Wie in der Osternacht-Liturgie der katholischen Kirche bringe Jesus das Licht in die Welt. Die dunkle Bühne im Passionsspielhaus sei damals, nachdem der Engel und dann Magdalena die Osterbotschaft gesprochen hätten, nach und nach mit brennenden Kerzen und Fackeln erleuchtet worden. "So wird deutlich, worum es geht, nämlich Jesus ist gestorben für seine Botschaft. Und wir Christen sind dazu aufgerufen, diese weiter zu tragen. Das ist für mich Auferstehung."

Für seine Rolle im Vergleich zu vor zehn Jahren hat sich Mayet vorgenommen, noch einmal genauer auf Jesus zu schauen. Denn dazwischen liege eine lange Zeit, in der sich die Welt verändert habe. Die Probleme von heute seien anders. Jesus müsse deshalb im Passionstext, "den Christian Stückl toll überarbeitet hat", andere Antworten finden. "Er muss politischer werden." Denn die Armen etwa würden immer ärmer, die Reichen immer reicher. "Vor zehn Jahren gab es keine Klimakrise, wir hatten keine sogenannte Flüchtlingskrise und kein uns weltweit bedrohendes Virus." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele Ostern

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