Auferstehungsspiele vor dem Heiligen Grab Jesus tanzt in Aschau

27.03.2019

In der Chiemgaugemeinde wird die Kirche zum Theater. Damit wird eine lange Tradition wieder mit Leben erfüllt.

Das Auferstehungsspiel in Aschau bringt sie auf die Bühne: Gott (Stephan Trost) und Jesus (Werner Hofmann).
Das Auferstehungsspiel in Aschau bringt sie auf die Bühne: Gott (Stephan Trost) und Jesus (Werner Hofmann). © Kiderle/SMB

Aschau - Gott trägt einen eleganten grauen Schnurrbart, kurzes Haar, ein weißes Gewand und spricht mit bairisch gefärbter Bariton-Stimme. Mit bürgerlichem Namen heißt er Stephan Trost, ist Finanzberater und spielt wohl die ungewöhnlichste Rolle in den Auferstehungsspielen in Aschau im Chiemgau. Diese greifen eine uralte Tradition auf. Die Pfarrei besitzt ein Heiliges Grab von 1797, das aufwändig restauriert und nach Jahrzehnten erstmals wieder aufgestellt worden ist. Davor und darin haben die Aschauer seit jeher geistliches Theater gespielt. Wohl auch deshalb ist die Szenerie dieses Heiligen Grabes auf massive Holztafeln gemalt. Schließlich müssen die Kulissen das Gewicht von mehreren Schauspielern aushalten, die auf den verschiedenen Etagen des Grabes auftreten. Stephan Trost führt zum Beispiel auf einem engen Balkon einen Dialog mit dem auferstandenen Christus.

Kein übliches Passionsspiel

Den spielt Werner Hofmann. Er und seine Frau Julia sind als Autoren der Auferstehungsspiele dafür verantwortlich, dass Gott persönlich darin auftritt. Sowohl im ersten Teil über das Leben und Leiden Jesu als auch im zweiten Teil, der davon erzählt, wie die Auferstehung die Menschen ergreift. Den ersten Teil führen die rund 150 Darsteller, Chorsänger und Bühnenhelfer vor, den zweiten nach Ostern auf. Werner Hofmann und seine Frau wollten bewusst kein klassisches Passionsspiel schreiben. Darum lassen sie auch immer wieder Gottvater auftreten. „Wir wollten zeigen, dass das Entscheidende im Glauben das Vertrauen ist“, erläutert der 47-jährige Gemeindereferent. Deshalb zeigt das Stück die einzigartige Beziehung von Gottvater und seinem Sohn Jesus Christus nicht mit einer Stimme aus dem Off, sondern macht sie sichtbar. Da sitzt Hofmann in der Wüste und spricht mit Gott, der an seiner Seite ist. Daran musste sich Trost zuerst einmal gewöhnen: „Als ich die Rolle sehr dramatisch geben wollte, bin ich von unserem Regie-Team gleich eingestutzt worden.“ Jetzt ist er ein warmherziger und zurückhaltender Gesprächspartner, „ein ganz und gar nicht allmächtiger Gott, sondern ein väterlich-mütterlicher Freund.“

Vorsicht bei den Glaskugeln

Die biblischen Personen nahbar zu machen, ist die erklärte Absicht des Stücks. Auch Jesus soll keine überhöhte, sondern eine zutiefst menschliche Figur sein, die Angst, aber auch Lebensfreude spürt. Darum darf er zusammen mit seinen Jüngern auch tanzen. All das zwischen und in den Kulissen des Heiligen Grabes. Dort kommt er als Auferstandener Maria Magdalena entgegen. Diese wird gespielt von Veronika Lang. Sie muss die Begegnung dann schnell den Aposteln verkünden und loslaufen. Dabei stellt sich ihr nur eine Schwierigkeit in den Weg: Sie muss aufpassen, dass sie die farbigen Glaskugeln, die zu jedem Heiligen Grab gehören, nicht anrempelt. „Die fallen sehr leicht runter, weil man sie nicht so gut befestigen kann.“ Das hindert aber weder die 26-jährige Verwaltungsbeamtin noch die anderen Laienschauspieler, ihre Rollen überzeugend und mit großer Anteilnahme auszufüllen.

Vorstellungen des Auferstehungsspiels finden statt vom Samstag, 30. März, bis zum Sonntag, 5. Mai. Karten sind erhältlich über München Ticket (Telefon 089/54818181) oder die Tourist Info Aschau (Telefon 08052/90490).

Audio

Zum Nachhören

Beitrag über das Auferstehungsspiel im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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