Columba-Jesulein in Altenhohenau Jesuskind mit Kleiderschrank

08.12.2018

In Altenhohenau bei Wasserburg am Inn wird seit Jahrhunderten eine mittelalterliche Schnitzfigur des Jesusknaben mit unterschiedlichen Gewändern eingekleidet.

Das Columba-Jesulein trägt zu jeder Jahreszeit das passende Gewand und hat eine zeitlose Botschaft.
Das Columba-Jesulein trägt zu jeder Jahreszeit das passende Gewand und hat eine zeitlose Botschaft. © Kiderle

Altenhohenau – Die Garderobe dieses Knaben kann sich sehen lassen. Alles ist Maßarbeit, kein einziges Konfektionsstück darunter: Mit roter Seide gefütterte Umhänge, goldbestickte Mäntel und Hauben, Unterwäsche aus weißem Leinen, Strümpfe aus feiner Wolle und Schuhe aus Samt. Und alles passend zur Jahreszeit, zur kirchlichen Jahreszeit. Momentan trägt das Kind ein violettes Mäntelchen mit Goldborte, wie es sich im Advent gehört. Immer wenn ein neuer Abschnitt im kirchlichen Festkreis beginnt, wird der rund sechzig Zentimeter hohe und einen Meter breite Kleiderschrank des sogenannten Columba-Jesuleins in Altenhohenau am Inn geöffnet und die beiden Schubladen am Unterteil herausgezogen. Dann holen Mesnerin Renate Anzinger und die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elisabeth Arnold die kostbaren Kleidchen für die noch wertvollere Schnitzfigur heraus und kleiden sie an. Vorsichtig hält eine der beiden Frauen das etwa 600 Jahre alte Jesuskind fest, während die andere behutsam die Ärmel über die Ärmchen und die Schuhe über die Füßchen zieht.

Neue Kollektion

Einige Gewänder stammen noch aus der Barockzeit und werden dem Columba-Jesulein gar nicht mehr angelegt, um sie zu schonen. Dafür greifen geschickte Frauen aus der Gegend zu Nadel und Faden und nähen dann eine neue Kollektion. So hat die Pfarrhaushälterin Lidwina Geltinger vor kurzem ein grünes Gewand schneidern lassen und dann selbst bestickt. Renate Anzinger will demnächst ein rotes Mäntelchen nähen und verzieren, damit sich das Columba-Jesulein zu einem der nächsten Pfingstfeste in neuem Schick präsentieren kann.

Eine Christkindl-Kirche

Höhepunkt beim Kleiderwechsel ist natürlich das Weihnachtsfest. Dann strahlt die Figur im weißen Prunkkleid mit goldenen Brokatborten in der dunklen Kirche und begeistert die Besucher. Altöttinger Klosterschwestern haben es nach dem barocken Original neu geschneidert. Der Saum des Seidenstoffes ist mit Spitzen besetzt, an dem eleganten Gürtel hängt eine goldene Quaste. „Dadurch dass wir das Columba-Jesulein haben, sind wir eine richtige Christkindl-Kirche“, sagt Mesnerin Renate Anzinger. In der Weihnachtszeit kämen die Menschen von weit her, um in Altenhohenau vor allem diese Figur zu sehen und zu verehren. Nach Mariä Lichtmess steckt der Jesus-Knabe dann wieder im liturgischen Werktagsgewand, wenn man es so nennen will, und präsentiert sich an seinem ständigen Platz in einem Glasschrein im Kirchenschiff.

Renate Anzinger und Elisabeth Arnold richten das Jesuskind fesch her.
Renate Anzinger und Elisabeth Arnold richten das Jesuskind fesch her. © Kiderle

Tradition weiterführen

Früher haben ihn die in Altenhohenau ansässigen Dominikanerinnen regelmäßig von dort herausgenommen und zum Umziehen in die Sakristei gebracht. Aber schon bevor der Orden das Kloster 2014 aufgab, konnten die betagten Schwestern den Brauch nur noch sporadisch pflegen. Die Gläubigen in der Umgebung wollten ihn aber keinesfalls erlöschen lassen und jetzt bekommt das Columba-Jesulein seine Gewänder wieder so oft wie in den alten Zeiten gewechselt. Elisabeth Arnold trägt dann die etwa einen halben Meter hohe und fünf Kilo schwere Figur behutsam vor den kleinen Kleiderschrank. „Das hätt´ ich nie geglaubt, dass ich das einmal machen darf“, sagt sie mit einem Leuchten in den Augen, „das ist immer wieder etwas Besonderes.“

Tatsächlich fällt es schwer, sich in das Columba-Jesulein nicht ein bisschen zu verlieben. Es hat den Kopf leicht nach rechts geneigt und schaut den Betrachter mit seinem kindlich-rührenden Blick an. In den Händen hält es dabei ein theologisches Symbol, das es in sich hat. Die Trauben in der linken Hand erinnern zum einen an die Fülle der göttlichen Gnade, die Christus zu den Menschen bringt. Das Kind bietet sie jedem Gläubigen ganz persönlich an und hält ihm eine einzelne Traube entgegen. Gleichzeitig symbolisiert die Frucht aber auch den kommenden Leidensweg des Kindes. Denn die Traube wird gepresst, um daraus Wein zu gewinnen, der in der Eucharistie für das Blut Christi steht. Damit bittet der Knabe den Betrachter auch, das Leid der Welt anzunehmen, mit ihm zu tragen und durch ihn zu überwinden. Eine große Botschaft, die das allerfestlichste Gewand verdient.

Altenhohenau liegt südlich von Wasserburg am Inn. Die Kirche ist tagsüber von 7 bis 17 Uhr bis zum Gitter geöffnet. Heilige Messen werden regelmäßig am Mittwoch um 8.30 Uhr und am Samstagabend um 19 Uhr gefeiert. Die Gottesdienstordnung im Advent finden Sie hier.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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