Für Flüchtlinge und Migranten Jobtreff International in Rosenheim

12.04.2019

Aus „Jobcafé International“ wird „JobTreff International“: in Rosenheim ist die Einrichtung der Caritas zur beruflichen Integration für Flüchtlinge umgezogen und hat einen neuen Namen erhalten.

Anlaufstelle für Migranten auf Arbeits- und Wohnungssuche: Der Jobtreff International in Rosenheim und ab dem 15. April auch in Wasserburg am Inn. © Caritas

Rosenheim – Neue Räume, neuer Name, bewährtes Programm: die Suche nach einem Arbeitsplatz für ihre Klienten ist weiterhin der Schwerpunkt für die Berater im Jobtreff. Aber die Hilfesuchenden können sich auch mit allen möglichen anderen Sorgen an sie wenden. Wenn Post vom Amt kommt, wenn Unterstützung beim Jobcenter beantragt werden muss, oder, oder…
Leiterin Petra Gäbelein begleitet Flüchtlinge schon seit drei Jahren bei Fragen im Dschungel der Bürokratie. Mit dem Umzug in neue Räume ist der ursprüngliche Café-Betrieb weggefallen, die Berater und Beraterinnen konzentrieren sich jetzt wieder auf Ihr Kerngeschäft. Für Claudia Hinz, die Fachdienstleiterin für Asyl und Migration im Caritas-Zentrum Rosenheim, hat die neue Heimat des Jobtreffs einen entscheidenden Vorteil: „Direkt nebendran sind unsere Beratungsgebäude. Man kann also hier beim niederschwelligen Angebot vorbeischauen und wenn es komplizierter oder langwieriger wird, zu den Kollegen in die Beratungsgebäude des Fachdienstes gehen.“

Jobtreff und Jobcenter: sinnvolle Verknüpfung

Ähnlich eng verzahnt ist der Jobtreff mit dem staatlichen Jobcenter. Die Beraterinnen und Berater hier profitieren von der Arbeit der Caritas-Mitarbeiter. Sie geben den Flyer des Jobtreffs an die Antragsteller weiter. Damit übernimmt der Jobtreff Arbeiten, die die Mitarbeiter des Jobcenters, allein schon aus zeitlichen Gründen, nicht übernehmen könnten. „Zum Beispiel, wenn ein Asylbewerber den Kindergeldbescheid auf Anhieb nicht versteht, oder gar nicht weiß, wie er welche Ansprüche geltend machen kann“, erklärt Armin Feuersinger, der Leiter des Jobcenters Rosenheim-Stadt.

Ehrenamtler als Integrationsbegleiter

Vor allem Klienten aus Syrien, Afghanistan, Nigeria, Somalia und Eritrea kommen in den Jobtreff. Hier kümmern sich nicht nur zwei pädagogische Fachkräfte, sondern auch fünfzehn ehrenamtliche Integrationshelfer. Sie sind vor ihrem Engagement geschult worden und erhalten regelmäßige Coachings und Supervisionen. Hans Wildfeuer ist von Anfang an dabei. Er suchte mit Renteneintritt nach einer Beschäftigung und überlegte, wie er sich in die Unterstützung für Flüchtlinge einbringen könne. Eine Annonce führte ihn zum Jobtreff, seit drei Jahren ist er jetzt hier und erklärt Flüchtlingen Briefe und Dokumente, begleitet sie bei der Jobsuche. Wenn Hans Wildfeuer aus sprachlichen Gründen nicht zurechtkommt, kann er auf die Hilfe von zwei Kulturdolmetscherinnen rechnen, die Syrisch bzw. Afghanisch sprechen. Der Rest der Kommunikation funktioniert meist auf Englisch und auch die Zeit arbeitet mittlerweile für den JobTreff: viele Flüchtlinge und Asylbewerber sind schon drei oder vier Jahre hier, und können bereits recht gut Deutsch. Außerdem bietet die Caritas auch Deutschkurse an, gerade läuft einer für Frauen. Wieder ein Stück Selbständigkeit, das die Menschen befähigt, für sich selbst zu sorgen.

Eine Wohnung finden: die Nadel im Heuhaufen

Immer wichtiger geworden ist neben dem Bemühen, für die Klienten einen Job zu finden, auch die Wohnungssuche: beim Beantragen einer Sozialwohnung, der Anmeldung bei Wohnungsbaugesellschaften oder der Internet- und Zeitungsrecherche nach passendem Wohnraum engagieren sich die haupt- und ehrenamtlichen Helfer im Jobtreff, erklärt Leiterin Petra Gäbelein: „Wohnraum zu finden ist in Rosenheim bestimmt genauso schwierig wie in München. Aber ohne gute Wohnmöglichkeit ist Integration schwierig. In einem Drei-Bett-Zimmer ist Deutschlernen nicht so einfach.“
Das Konzept, für die ganz großen und auch kleineren Probleme der Asylbewerber und Migranten da zu sein, ist aufgegangen. Rund 100 Klienten kommen pro Woche in die Beratungsstelle. Es gibt also Bedarf. Darum wird in Wasserburg am 15. April der zweite Caritas-Jobtreff im Erzbistum München und Freising eröffnet, der Ende des Monats dann seine reguläre Arbeit aufnimmt.

Der JobTreff International in der Rosenheimer Reichenbachstraße 14 ist montags und dienstags von 10 bis 15.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Infos unter 08031/35311-17 oder jobtreff@caritasmuenchen.de. Der Jobtreff im Wasserburger Mehrgenerationenhaus am Willi-Enrst-Ring bietet seine Beratung ab 29. April immer montags von 10 bis 15.30 Uhr an. Weitere Informationen unter Telefon 01 75/ 13 83 25 oder jobtreff@caritasmuenchen. de.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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