200 Jahre Erzbistum Jubiläum zum Nach- und Vordenken

01.02.2021

2021 jährt sich die Errichtung des Erzbistums München und Freising zum 200. Mal. Auch wenn keine großen Feierlichkeiten geplant sind, lohnt sich das Zurückschauen auf die Geschichte.

Die weltberühmten welschen Hauben des Münchner Doms, der vor 1821 nur ein Pfarrkirche war.
Die weltberühmten welschen Hauben des Münchner Doms, der vor 1821 nur ein Pfarrkirche war.

18 Jahre kein Bischof, aufgelöste Klöster, Machtverlust, unklare Zuständigkeiten, Dauerkrise im Vatikan – so war die Lage nach dem Ende des Fürstbistums Freising. Den Zeitgenossen zwischen 1800 und 1821 muss es als ein einziger Niedergang erschienen sein. 1000 Jahre Kirchengeschichte in Altbayern waren verdämmert, alte Strukturen zusammengebrochen. Aber Glaube und Kirche haben diese Krise überlebt, ja es folgte sogar eine neue Blüte. Eine Blüte, die mit zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Große Einzelpersönlichkeiten und viele Gläubige haben sie angenommen.

Wandel ist ein kirchlicher Dauerzustand

Mit der Errichtung des Erzbistums München und Freising kam es ab 1821 zu großen Initiativen im sozialen und im Bildungsbereich, in der Gesundheitsfürsorge, ja sogar in der Weltmission. Es gab zahlreiche neue Kloster-, Ordens- und katholische Vereinsgründungen, die sich dieser Aufgaben annahmen. In diesen Aufbrüchen steckt viel, was wir heute mit Stirnrunzeln sehen. Manche der damaligen Entwicklungen, etwa hin zu einem starken und autoritären Klerikalismus, bewerten manche Kirchenhistoriker als eine der Ursachen für die heutige Kirchenkrise. Wahrscheinlich ist es in der Geschichte immer so, dass die Überwindung von Problemen neue Probleme hervorbringt. Aber das 200jährige Jubiläum des Erzbistums München und Freising gibt trotzdem Anlass zu Hoffnung und Mut: Abbrüche in der Kirchengeschichte sind nicht mit ihrem Ende gleich zu setzen. Denn der Wandel und die Veränderung sind ein Dauerzustand für das durch die Zeit wandernde Volk Gottes. Das sticht in manchen Epochen mal mehr, mal weniger stark ins Auge. Auch heute ist die Kirche in unserer Heimat vor schwere Aufgaben gestellt.

Neue Aufgaben zum Wohle aller

Die Erschütterungen von den Missbrauchsskandalen bis zu den massenhaften Kirchenaustritten erzwingen eine neue Bewegung. Erhebliche Strukturveränderungen erscheinen unvermeidlich, angesichts verwaister Pfarreien. Die Laien können ihre Gemeinden nicht länger allein den hauptamtlichen Seelsorgern überlassen. Wer auf die Bistumsgeschichte der vergangenen 200 Jahre zurückschaut, erkennt, dass da vieles schon einmal in ähnlicher Weise zu bewältigen war. Und es ist gelungen, wenn auch nicht vollkommen. Gläubige Menschen wissen, dass das auch gar nicht anders sein kann, denn sie erwarten das Heil nicht aus sich, sondern von Gott. Mitarbeiten lässt sich an diesem Heil aber schon.

Zurück, nach vorne und nach oben blicken

Das Jubiläum des Erzbistums ist ein guter Moment darüber nachzudenken und vorzudenken. Zudem es mit einer gewaltigen weltlichen Krise zusammenfällt: der Corona-Pandemie. Der Kirche werden hier neue Aufgaben zuwachsen, um nicht nur die Gemeinschaft der Gläubigen, sondern die gesamte Gesellschaft zusammen zu halten und zu ermutigen. Auch das war vor 200 Jahren, nach schweren Erschütterungen, nicht so viel anders. Jeder Abbruch ist also auch ein Aufbruch.  Der Blick zurück, muss immer mit einem Blick nach vorne verbunden sein. Für Christen gehört auch der Blick nach oben dazu, so unsicher er sein mag. Denn sie wissen sich und ihre Vorfahren in jeder Zeit von Gott begleitet. In diesem Sinne wünsche ich mir vom Jubiläumsjahr unseres Erzbistums ein Innehalten und ein vertrauendes Schauen in alle Richtungen.

Zum Nachhören: Aktueller Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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