München Jubiläumsglocke von St. Peter wieder zu hören

29.06.2018

Vier Jahre Abstinenz sind vorbei. Nach ihrer großen Reparatur hat am Freitag die Jubiläumsglocke erstmals wieder geschlagen.

Blick auf den Turm von St. Peter
Blick auf den Turm von St. Peter © Karsten Schmid

München – Nach dem Patroziniumsgottesdienst am vergangenen Freitagabend strömen die Gläubigen aus Münchens ältester Pfarrkirche St. Peter. Alle wollen nach der zweistündigen klanggewaltigen „Cäcilienmesse“ jetzt auch noch die „Jubiläumsglocke“ hören, die an diesem Abend erstmals nach ihrer großen Reparatur zum abschließenden „Te Deum" wieder schlägt. Das Ergebnis stimmt alle höchst zufrieden: der neue Klang einer der tontiefsten Glocken in ganz Bayern ist voll und tönend.

In seiner Festpredigt hatte Daniel Lerch, ehemaliger Diözesanjugendpfarrer und heutiger Leiter der Seelsorge am Klinikum Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität, erklärt, Glocken seien „ein tönendes Bekenntnis zum Glauben": Wenn sie zum Gottesdienst rufen, zum Angelus läuten oder durch ihren Stundenschlag den Tag strukturierten, dann erinnerten sie daran, „dass der Herr uns stets zur Seite steht. Sie verweisen auf eine Dimension jenseits des Alltags, auf einen größeren Horizont." Sie riefen den Menschen zu: „Erinnere dich daran, dass Gottes Gnade dein Leben prägt und umfängt!" Glocken könnten somit den Glauben stärken und die Menschen hin zu Christus führen, so wie es das Bekenntnis der Apostel getan hat und bis heute tut.

Vier Jahre Abstinenz

Am Ende der Messe dankte Pfarrer Hans-Georg Platschek allen um die Reparatur Engagierten im Namen der Gemeinde. Weiter gefeiert wurde bei einem Empfang auf der Terasse des benachbarten Café Rischart am Viktualienmarkt, bei dem die Glocke nochmals solistisch ertönte. Mit dem abendlichen Geläut am Patroziniumstag endete eine insgesamt vierjährige Abstinenz: Im Mai 2014 wurde an der Jubiläumsglocke ein vermutlich durch Materialermüdung entstandener Riss im Bereich der Anschlagstelle festgestellt. Um weitere Schäden zu vermeiden, wurde die Glocke daraufhin nicht mehr geläutet.

Bauliche Maßnahmen notwendig

Anlässlich der 800-Jahr-Feier Münchens 1958 wurde sie seinerzeit der Kirchengemeinde von der Prinzregent-Luitpold-Stiftung geschenkt. Sie wurde unter anderem zum Gedenken an die Verstorbenen der Stadt geläutet. Gegossen wurde sie seinerzeit in der Erdinger Gießerei Karl Czudnochowsky. Es erfolgten umfangreiche Voruntersuchungen, bei denen die Reparatur des Schadens durch Schweißen geprüft wurde. Um die Glocke aus dem Turm entnehmen zu können, wurden zudem bauliche Maßnahmen im Turminneren notwendig – kein einfaches Unterfangen bei einem Glocken-Gewicht von etwa sieben Tonnen, einem Durchmesser von rund 2,20 Meter und einer Höhe von etwa zwei Metern.

Mit der Jubiläumsglocke wurde auch eine der historischen Glocken, die „Zwölferin“aus dem Jahr 1382 mit einem Gewicht von etwa 650 Kilogram repariert. Die gesamte Maßnahme einschließlich der Maßnahmen am Turm kosteten rund 455.000 Euro, von denen die Pfarrei 90 Prozent, das Erzbischöfliche Ordinariat die restlichen zehn Prozent trägt.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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