75 Jahre Jugendkorbinian Jugend feiert auf dem Freisinger Domberg und in der Stadt

21.11.2017

Das Motto der größten Jugendwallfahrt Süddeutschland war heuer: Zukunftsmensch. Darauf ging auch Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt ein. Für die haben ihm die Jugendlichen ein wichtiges Utensil geliehen.

Im Freisinger Dom haben die die Jugendlichen einen Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx gefeiert.
Im Freisinger Dom haben die die Jugendlichen einen Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx gefeiert. © Kiderle

Freising – „Es ist eigentlich eine absolute Blödheit, aber ich bin rundum glücklich.“ Stephan Nüßlein lächelt zufrieden. Die Strapazen merkt man dem 20-Jährigen jetzt, am Samstagabend, in einem Zelt der Jugendkorbinianswallfahrt auf dem Festivalgelände in Freising, nicht an. Stephan ist mit 13 anderen Jugendlichen gut 40 Kilo-meter vom Münchner zum Freisinger Dom gepilgert, an der Isar entlang, von 22 Uhr am Freitagabend bis 7.45 Uhr in der Früh. „Es hatte etwas Düsteres, war stockfinster“, berichtet Stephan, „wir hatten keine Lampen dabei, wir haben nur ab und zu mit dem Handy geleuchtet.“ Seine Füße seien soweit in Ordnung, „aber die Knie merk ich schon“. Trotz der Anstrengungen, erklärt der Elektrotechnik-Student aus München, gebe ihm das Wallfahren sehr viel. „Man kommt zu sich selbst, da man an seine eigenen Grenzen geht.“ Und die tolle Gemeinschaft reiße ebenfalls mit.

Wallfahrt mit Impulsen

Das hat auch Elisabeth Frank so erlebt, die neben Stephan sitzt. Die 19-Jährige hat mit 19 anderen aus Ober- und Unterammergau, Murnau, Rottenbuch und Oberau an einer Wallfahrt mit vier Impulsen teilgenommen. Mit dem Bus sind sie bis Achering gefahren, die letzten acht Kilometer nach Freising haben sie auf Schusters Rappen zurückgelegt. „An vier Stationen haben wir verschiedene Impulse bekommen“, erzählt die Oberammergauerin, „wir haben zum Beispiel ein kleines Holzkreuz gebastelt, dabei sollte jeder für sich überlegen, welches Kreuz jeder trägt, also was einen traurig macht, runterzieht.“ Das Nachdenken, Zu-sich-Kommen, sei schon wirklich schön gewesen. Sagt’s und entschwindet in die Nacht.

Kardinal Reinhard Marx ging in seiner Predigt auf das Motto "Zukunftsmensch" ein.
Kardinal Reinhard Marx ging in seiner Predigt auf das Motto "Zukunftsmensch" ein. © Kiderle

Zuvor haben die Jugendlichen gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx einen Gottesdienst im überfüllten Freisinger Dom gefeiert. Neben dem Altar steht stellvertretend für alle eine Figur ohne Gesicht aus Holz. Jugendliche erzählen, was für sie Zukunft ist, wann Zukunft beginnt und was sie sich für ihre Zukunft wünschen. Um den„Zukunftsmensch“ dreht sich bei dieser 75. Jugendkorbinianswallfahrt alles. Darauf geht auch Kardinal Marx in seiner Predigt ein. „Einer von euch muss mir sein iPad oder iPhone geben“, beginnt der Erzbischof von München und Freising, und bringt die Jugendlichen zum Lachen.

Ohne Angst in die Zukunft gehen

Dann hält der 64-Jährige ein Smartphone hoch. „Welch ein Wunderwerk, das vor zehn Jahren das Licht der Welt erblickt hat“, sagt Kardinal Marx. Damals habe keiner geahnt, wie das Smartphone in so kurzer Zeit das Leben verändere. Heute sei schon so viel möglich, führt der Kardinal fort, und nennt künstliche Intelligenz und Roboter. „Da gibt es viele, die Angst vor der Zukunft haben, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren, von Robotern beherrscht werden.“ Angesichts der Herausforderungen von Digitalisierung, Globalisierung oder Klimawandel „wird einem schon schwindlig“, gibt der Kardinal zu. „Ihr spürt ja auch, wie sehr das Menschen dazu verführt, Angst zu haben, sich zurückzuziehen und an der Vergangenheit zu hängen.“

Christen jedoch sollten mit Hoffnung in die Zukunft gehen. „Christus kommt aus der Zukunft auf uns zu, nicht aus der Vergangenheit. Deshalb können wir gar keine Angst vor der Zukunft haben“, macht Kardinal Marx Mut. Wo andere jammerten, klagten, nur das Negative sehen würden, „wollen wir Werkzeuge der Hoffnung sein, in unserem persönlichen Leben, aber auch in unserem Beitrag für die Gesellschaft“.

In einem Zug sind die Jugendlichen vom Dom zum Freisinger Festplatz gezogen.
In einem Zug sind die Jugendlichen vom Dom zum Freisinger Festplatz gezogen. © Kiderle

Zelte mit verschiedenen Areas

Mit einer Band und Liedern wie „Sing Halleluja“ von Dr. Alban swingen die Jugendlichen den Mariendom. Nach dem Gottesdienst laufen sie, und das ist neu, in einem Zug vom Dom durch die Stadt zum Freisinger Festplatz in der Luitpoldanlage. Auch Kardinal Marx lässt sich das nicht nehmen und marschiert neben der BDKJ-Vorsitzenden Stephanie von Luttitz zum Festivalgelände. Der Kardinal ist begeistert von „seiner“ Jugend. „Es hat mir sehr gut gefallen“, sagt er der Münchner Kirchenzeitung strahlend bei der Ankunft am Festgelände.

Dann strömen sie in alle Zelte, auch der Kardinal macht eine Tour durch die verschiedenen „Areas“. Aus der „Event Area“ klingen Beats, zu denen die Jugendlichen tanzen, während Cineasten in der „Kino Area“ sitzen und mit Kopfhörern einen Film schauen. Gleich gegenüber, in der „Aktiv Area“, sind „spannende Filmclips zu Themen Inklusion und Behinderung“ zu sehen, am nächsten Stand können Jugendliche bei „Schreib mal wieder“ mit Stempeln, Stiften und Bordüren Weihnachts- und Grußkarten selbst gestalten. „Das finde ich toll“, freut sich Lydia von den Münchner Pfadfindern, während sie stempelt. Ihre Freundin Verena schwärmt: „Das ist schön, sowas macht einfach Spaß.“

An einem Stand konnten die Jugendlichen Weihnachts-und Grußkarten selbst gestalten.
An einem Stand konnten die Jugendlichen Weihnachts-und Grußkarten selbst gestalten. © Kiderle

Schnitzeljagd mit dem Handy

An einem anderen Stand basteln einige eifrig aus alten T-Shirts Stofftaschen, Upcycling nennt sich das. Sportliche hängen derweil an einer sich drehenden Kletterwand. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) nebenan sucht „mehr junges Gemüse“ für die anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen und lädt zur Schnitzeljagd mit dem Handy durchs Zelt.

Das neue Format auf dem Festplatz, das aufgrund der Baumaßnahmen auf dem Domberg konzipiert werden musste, kommt an. „Mir gefällt es auch sehr gut, es klappt alles“, ist Jugendpfarrer Richard Greul erleichtert und gibt zu, doch ziemlich nervös gewesen zu sein, zumal es seine erste Korbi in verantwortlicher Position ist. „Ich find’s voll cool“, sagt Johanna aus Langenbach, und Steffi ergänzt: „Das Programm mit Liveband und Essen ist klasse.“ Freundin Maira nickt zustimmend. „Das ist mal was Neues“, meint Luci aus Freising. Nächstes Mal wollen sie wieder dabei sein. Und nicht nur sie.

Programmhinweis
Das Münchner Kirchenradio überträgt am Samstag, 25. November, den Korbiniansgottesdienst aus Freising ab 10 Uhr live.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

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