Fazit der Vorsynode in Rom Jugend nimmt Kirche in die Pflicht

26.03.2018

300 junge Menschen aus allen Kontinenten haben bei der Vorsynode zum Thema Jugend in Rom gemeinsam über ihre Kirche diskutiert. Priesterseminarist Robert Daiser aus München war mit dabei und hat uns erzählt, warum das Treffen für ihn eine wertvolle Erfahrung war.

„We talk together – wir sprechen miteinander“ – Papst Franziskus liegt der Dialog mit der Jugend am Herzen.
„We talk together – wir sprechen miteinander“ – Papst Franziskus liegt der Dialog mit der Jugend am Herzen. © imago/Independent Photo Agency Int.

Rom/München – Junge Menschen wünschen sich eine Kirche, die sie ernst nimmt und zu Fehlern steht, die den Glauben überzeugend lebt und verständlich spricht. Das ist das Ergebnis der Vorsynode zum Thema Jugend, die vor Ostern in Rom stattfand. Während der Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz übergaben die Delegierten dem Papst das Abschlussdokument.

Eine Woche lang hatten rund 300 junge Teilnehmer aus allen Kontinenten, darunter Nichtglaubende und Angehörige anderer Religionen, untereinander und mit Kurienvertretern über das Thema Kirche und Jugend diskutiert. Mit dabei war der 26-jährige Robert Daiser, der das Priesterseminar des Erzbistums München und Freising besucht. „Es ist einfach schön, dass die Kirche sich öffnet und die Stimme der Jugendlichen hört und ernst nimmt“, sagte Daiser nach seiner Rückkehr aus Rom. Die Vorsynode habe eine gute Atmosphäre des Miteinanders und Respekts ausgezeichnet, berichtete der angehende Priester.

Mehr Verantwortung für Frauen

Das zwölfseitige Dokument, das die Teilnehmer verabschiedeten und das in die Beratungen der eigentlichen Synode im Oktober einfließen soll, sei sehr „kantig“ und kein Konsenspapier, betonte Daiser. „Es ging wirklich darum, den Bischöfen einmal die Realitäten der Jugendlichen aus aller Welt auf den Tisch zu legen.“ Dem Seminaristen aus München bleiben daraus vor allem drei Forderungen in Erinnerung: Frauen sollen mehr Verantwortung in der Kirche übernehmen können; Kirche soll nicht nur eine Institution, sondern vor allem eine Gemeinschaft verkörpern; und sie soll sich durch ihre Pluralität auszeichnen.

Priesterseminarist Robert Daiser
Priesterseminarist Robert Daiser © SMB/Schlaug

Neben der Arbeit in den Kleingruppen und im Plenum stand für die Teilnehmer zu Beginn auch eine Begegnung mit Papst Franziskus auf dem Programm. Franziskus betonte, junge Menschen würden zu oft von gesellschaftlicher Beteiligung ausgeschlossen und alleingelassen. Die Kirche wolle alle hören, niemanden ausschließen. Auch bei Robert Daiser kam der Auftritt des Papstes gut an: „Franziskus hat klare Worte gefunden. Man hat gemerkt, dass ihm die Jugendlichen wirklich am Herzen liegen.“

"Keine Einbahnstraße"

Neben Daiser zogen auch die weiteren Delegierten der Deutschen Bischofskonferenz eine positive Bilanz des Treffens und würdigten das offene Gesprächsklima. Eine zentrale Aussage der Vorsynode sei, dass junge Menschen weltweit für sich selbst sprechen könnten, betonte Thomas Andonie, der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). In der Kirche müsse es Raum geben für Mitbestimmung und Mitgestaltung von jungen Menschen. Eine gemeinsame Forderung der Vorsynodenteilnehmer sei, dass ebenso viele junge Menschen wie Bischöfe auf der Synode im Oktober vertreten sein müssten: „Es muss mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Augenhöhe geredet werden und nicht über sie. Dialog ist keine Einbahnstraße.“

In das Abschlussdokument flossen auch Beiträge ein, die rund 15.000 registrierte Nutzer aus aller Welt über Facebook äußerten. Der Text wird Teil des Arbeitspapiers für die Bischofssynode im Herbst – zusammen mit anderen Eingaben, etwa von Bischofskonferenzen. Zu der eigentlichen Synode werden ausgewählte Jugendliche als Hörer eingeladen, haben aber kein Stimmrecht. Sie steht unter dem Leitwort „Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. (Klaus Schlaug/KNA)

Bei der Messe vom Letzten Abendmahl an Gründonnerstag, 29. März, um 19 Uhr im Münchner Liebfrauendom wäscht Kardinal Reinhard Marx zwölf Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Füße. So sollen mit der Fußwaschung im Jahr der Jugendsynode in Rom die jungen Menschen besonders in den Fokus gerückt werden.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Jugend-Synode

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